Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 14. (Szekszárd, 1988)

unter Geschwistern im mitteleuropäischen Neolithikum allgemein gewesen wäre: das hätte auch anthropologisch bemerkbar sein müssen, anderseits könnte eine Population mit solcher Form der Ehe ohne die Gefahr der Vernich­tung durch längere Zeit nicht existieren. Wenn aber die Endogamie zur Zeit der Lengyel-Kultur wirklich von gesellschaftlichem Mass gewesen ist, dann konnte sie auch - gemeinsam mit anderen Faktoren - die Änderungen am Ende der Frühphase der Lengyel-Kultur verursachen. Die terminologischen Missverständnisse sind bei den Behandlungen, Dis­kussionen über die Fragen der neolithischen, und im allgemeinen der prähisto­rischen Gemeinschaften und Gesellschaften auch noch häufig. Solche Begriffe sind gemischt, wie z. B. die matrilineare Abstammung und das Mutterrecht, was von der Frauenherrschaft und von der Matriarchat abzusondern ist. Ebenso ist nicht einmal die patrilineare Abstammung mit der Gerontokratie gleich. Aus dem Problemkreis des Matriarchat-Patriarchat stammen alle spätere Diskussionen aus den Arbeiten von J. Bachofen (Das Mutterrecht. Basel 1861) und von L. H. Morgan (Ancient society. London 1877). Der Termin des Matriar­chats ist durch Bachofen in die Fachliteratur eingeführt, er hielt das mutterrecht­liche System für älter, als das vaterrechtliche. Diese zwei „Entwicklungsstufen" werden im Falle der neolithischen und bronzezeitlichen Gemeinschaften aus Beobachtungen aus dem Kreise der antiken Welt und der Naturvölker bezogen, und auch noch heute oft angenommen; Paralellen für die Urgeschichte stehen aber nur aus viel späteren Epochen zur Verfügung. Unbedingt soll die Tatsache berücksichtigt werden, dass das sog. Matriarchat im Gebiet der Ethnologie und der Volkskunde noch niergendswo ausgezeigt ist (KURTH-RÖHRER 1980). In Beziehung mit dieser Frage setzte H. Behrens die eingehendsten For­schungen fort, die Untersuchungen bei den Primates begonnen (BEHRENS 1978-1979). Wir können mit seinen Feststellungen einverstanden sein: von histo­risch-archäologischen Standpunkt aus betrachtet wird klar, dass das Matriarchat, als politische Frauenherrschaft und als allgemeine Prinzip der Geschichte der Menschheit nicht existierte. Es ist noch einmal zu erwähnen, dass die Verwandschaftsbildung auf dem mütterlichen Wege und die Dominant der Männer zweierlei Erscheinungen im mitteleuropäischen Neolithikum sind, die wenigstens seit Beginn der westli­chen Linienbandkeramik nebeneinander existieren konnten. Auf Grund der Analysen der mitteleuropäischen neolithischen Gräberfelder ist die Vielfältigkeit und Verwickelung der damaligen sozialen Verhältnisse nachzuweisen, das Bild ist nicht einheitlich. In der Erforschung dieser Fragen können wir nur nach der vollen Auflegung weiterer Gräbergruppen von Mórágy-Tűzkődomb, bzw. nach der Veröffentli­chung der Ergebnisse der grossen Ausgrabungen in den neolithischen Gräberfel­dern von Bayern, bzw. von Aszód und Svodin weitertreten. 109

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