Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 13. (Szekszárd, 1986)

Eugen Comşa: Betrachtungen über die sozialökonomische Organisation der neolithischen Gemeinschaften auf rumänischem Boden

Vorangehend war auch von „Werkstätten" die Rede, in denen Feuerstein­und geschliffene Steinäxte, Lanzenspitzen und Spondylus-Schmuck hergestellt wurden. Ein besonderes Augenmerk gebührt auch den Töpfereizentren. In sol­chen „Werkstätten" konnte natürlich nicht jedes Mitglied der Gemeinschaft, ar­beiten, man brauchte dazu „Fachkenntnisse" und Erfahrung. Es bildeten sich also Handwerker heraus, die sich mit der Zeit nur noch ihrer Tätigkeit in der Werkstatt widmeten. Um die Existenz von Handwerkern zu jener Zeit noch deutlicher zu machen, sei an die äußerst komplexen Aktivitäten derjenigen erinnert, die das Kupfererz verhütteten und das daraus gewonnene Metall verarbeiteten, und zwar entweder in Formen gössen oder das komplizierte Verfahren „à cire perdu" dazu anwendeten, im ausgehenden Neolithikum auch große Kupferwerkzeuge (kreuz­schneidige Äxte u. a.) herzustellen. All das erforderte geschickte, erfahrene Fa­charbeiter. Ein solcher Prozeß wie das Absetzen von Handwerkern aus der Masse der Bevölkerung entspricht der sogenannten zweiten gesellschaftlichen Arbeit­steilung, einer allgemeingültigen sozialen Erscheinung, die sich auf rumänischem Boden angeblich viel später vollzogen haben sollte. In Wirklichkeit ist sie bereits im Neolithikum belegt. Während dieses Zeitalters blieb die Sippen- bzw. die Stammesorganisation bestehen. Vergleicht man gewisse volkskundliche Parallelen, so läßt sich anneh­men, daß im Laufe des Entstehens einer Kultur die ganze Bevölkerung der betref­fenden, nicht allzu ausgedehnten Zone einem und demselben Stamm angehörte. Später, als im Ackerbau allmählich zum Ochsenpflug übergegangen wurde, be­gann die Bevölkerungsziffer ziemlich rasch anzusteigen (man könnte von einer Art „demographischer Explosion" sprechen); daher ist ein allmähliches „Aus­schwärmen" festzustellen, aller Wahrscheinlichkeit nach auf der Suche nach neuem Ackergelände. Auf diese Weise wurden weite Gebiete (in manchen Fällen 5-6 mal so große wie anfanglich) in Besitz genommen; die Folge war eine Aufspal­tung der Gemeinschaften und Bildung mehrerer Stämme, die nach Ursprung, Sach- und Geisteskultur untereinander verwandt waren. War das Verbreitungsge­biet einer Kultur sehr ausgedehnt, so entstanden Gruppen von Stämmen, eine Art von Stammesverbänden, in denen die Beziehungen nicht sehr eng waren (vor al­lem in den Randgruppen, die sich häufig in von ihnen besetzten Gebieten befan­den, wo sie einen Teil der alten Bevölkerung assimilierten und mit anderen Kultu­ren in Verbindung kamen). Unter solchen Umständen bildeten sich gewöhnlich regionale Varianten, in denen die Züge der Hauptkultur weiter vorherrschten, aber auch manche Sachkulturelemente der assimilierten Bevölkerung aufgenom­men wurden. Jede Gemeinschaft beherrschte ein bestimmtes Gebiet, über dessen Größe nichts Genaues bekannt ist. Die eigens zu diesem Zweck in manchen Gegenden unternommenen archäologischen Oberflächenbegehungen ergaben die Zahl der Siedlungen in einer bestimmten Entwicklungsphase und die dazwischenliegen­den Entfernungen. In einem während des Neolithikums ziemlich dicht bevölker­ten Gebiet an der Donau - zwischen Giurgiu und Oltenifa - waren die Siedlungen in der Übergangszeit von der Boian-zur Gumelnija-Kultur 5-6 km voneinander entfernt, insbesonders längs der unteren Donauterrasse, aber auch in den Seiten­tälern angereiht. Die Ausmaße des untersuchten Gebiets und die Zahl der ent­deckten und kartierten Siedlungen lassen vermuten, daß der Tätigkeitsbereich je­der Gemeinschaft 50-60 km 2 umfaßte, wobei die Siedlung nicht - wie man wohl 47

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