Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 13. (Szekszárd, 1986)

Eugen Comşa: Betrachtungen über die sozialökonomische Organisation der neolithischen Gemeinschaften auf rumänischem Boden

Ochsenpflugs wurde der Ackerbau zu einer Männerarbeit. Dagegen war die Ton­ware ein Gemeinschaftserzeugnis: die Verzierung der Gefaße war Aufgabe der Frau, während das Brennen des Tons, vor allem gegen Ende des Zeitalters, als da­zu kompliziertere Öfen dienten, Sache des Mannes wurde. Das Bestehen bestimmter Regeln innerhalb der Gemeinschaften, die von al­len Mitgliedern eingehalten werden mußten, geht aus der Anlage mancher Sied­lungen hervor (so etwa der Zwang, alle Wohnungen in geraden Reihen zu bauen, wie es in der Siedlung von Radovanu, Stufe II und III, aus der Übergangsphase von der Boian- zur Gumelnifa-Kultur der Fall war, oder auch die kreisförmige Anord­nung in der Verbreitungszone der Cucuteni-Tripolie-Kultur). Lange Zeit wurden in unserer Forschung bei der Klärung gesellschaftlicher Fragen der Frühzeit rein mechanisch gewisse, als allgemeingültig angesehene Thesen akzeptiert. Eingehende archäologische Untersuchungen der letzten Jahr­zehnte haben erwiesen, daß diese Thesen aber nur für bestimmte Gegenden mit bestimmten natürlichen Voraussetzungen stichhaltig sind. Das gilt auch für die Annahme der ersten großen gesellschaftlichen Arbeitsteilung, d. h. die Absonde­rung der Viehzüchter von der übrigen Gemeinschaft, die zur Entstehung von zwei völlig getrennten Gruppen von Gemeinschaften - seßhaften Ackerbauern und no­madischen Viehzüchtern - führte und Tauschbeziehungen zwischen den beiden Gemeinschaftsgattungen zur Folge hatte (BERCIU 1960, 82-73). In Wirklichkeit ging der Prozeß der ersten großen gesellschaftlichen Arbeitsteilung in den westa­siatischen Steppen vor sich und ergriff danach auch einen Teil der Gemeinschaf­ten in den nordpontischen Steppen. Die Bevölkerung des neolithischen Zeitalters auf dem gesamten Gebiet Ru­mäniens beschäftigte sich von dessen Beginn an gleichzeitig mit Pflanzenkultur und der Zucht von Haustieren und war seßheft. Es sei betont, daß die Viehzucht bereits im frühen Neolithikum im Verhältnis zur Jagd eine bedeutende Rolle ge­spielt hat (den Beweis hierfür liefert die Tatsache, daß 90% der Knochenfunde von Haustieren stammen). (NECRASOV-BULAI 1970, 552). Die Mitglieder dieser Gemeinschaften beschafften sich also nur durch ihrer Hände Arbeit alle Erzeug­nisse, die sie zum Lebensunterhalt brauchten (einschließlich Fleisch und Milch in ausreichenden Mengen). Bemerkenswert ist, daß die neolithischen Gemeinschaf­ten auf rumänischem Boden während des ganzen Zeitalters seßhaft blieben und nicht einzelne Teile der ansässigen Bevölkerung zu Nomaden wurden. Im ausgehenden Neolithikum begannen Hirtenvölker aus den nordponti­schen Steppen in mehreren Wellen, zuerst auf friedlichem Wege, in den Osten des Landes - die Moldau und Dobrudscha -, dann aber allmählich mit Gewalt, immer weiter durch die Rumänische Tiefebe bis nach Westoltenien einzudringen. Sie ka­men mit der bodenständigen Bevölkerung in Berührung, vertrieben in manchen Gegenden einen Teil derselben oder vermischten sich mit ihr, wodurch mit der Zeit tiefgreifende Veränderungen der Sach- und Geisteskultur vor sich gingen. Die für das rumänische Gebiet vorhandenen Forschungsergebnisse zeigen also, daß hier keine Trennung der lokalen Gemeinschaften in die erwähnten beiden Gruppen bzw. eine erste große gesellschaftliche Arbeitsteilung stattgefunden hat, sondern daß nomadische Viehzüchter aus anderen Gegenden eingedrungen sind. Ihre Verbreitung an der unteren Donau hat nicht etwa den Warentausch herbeige­führt, denn ein solcher bestand schon lange vorher zwischen den verschiedenen Gebieten. Eher könnte man wohl annehmen, daß diese Nomadenvölker durch ih­45

Next

/
Thumbnails
Contents