Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 13. (Szekszárd, 1986)

Jan Lichardus: Lengyel IV und dessen kulturelle Vermittlerrolle bei der Herausbildung der frühen Kupferzeit Mitteleuropas

Nordmähren und Böhmen, anknüpfend an Traditionen der Stresovice-Gruppe, die Jordansmühler (Jordanów-)Kultur. Im Mittelelbe-Saale-Gebiet ist einerseits die Jordansmühler Kultur nachgewiesen, andererseits bildete sich in diesem Raum, auf der Grundlage von Gatersleben und der von Norden kommenden Trichterbecher A-Kultur die Baalberger Kultur heraus, die bald danach eine auch für das östliche Mitteleuropa entscheidende Rolle spielte. Während ihrer Stufe B drang die Baalberger Kultur über Böhmen bis nach Südmähren vor und besiedelte die ursprünglichen Jordansmühler Gebiete. Chronologische Verbindungen zwi­schen Baalberge B in seinem südlichsten Verbreitungsgebiet und der Gruppe Bajc-Retz (Lengyel VI) sind hier erkennbar (LICHARDUS 1976a, 161 ff.). Es ist al­so deutlich zu sehen, dass die ursprüngliche Einheit der frühkupferzeitlichen Ent­wicklung wieder in mehrere regionale Gruppierungen zerfiel, die allerdings nun­mehr direkte Kontakte zur karpatenländischen Kupferzeit (Bodrogkeresztur-Kul­tur) unterhielten. Im östlichen Gebiet der Post-Rössener Gruppen setzte sich auf der Basis von Schwieberdingen und Aichbühl die einheimische Entwicklung in der Schussen­rieder Kultur fort und nur im Bereich des „bayerischen Aichbühl" entstand unter starkem Spät-Lengyeleinfluss, nunmehr allerdings aus Niederösterreich kom­mend, die Münchshöfener Gruppe. Die übrigen Post-Rössener Gebiete wurden von jüngerem Michelsberg (Lüning III und IV) überschichtet. Chronologisch gesehen werden für Mitteleuropa drei klare frühkupferzeitli­che Abschnitte sichtbar (Abb.2.). Der erste datiert in die Zeit von Lengyel IV und zeugt von dessen wichtiger Rolle als Vermittler. Der zweite entspricht der Zeit von Lengyel V mit der Bildung der regionalen Gruppen und einem gewissen Wieder­aufleben von Stichband- und Rössener Traditionen und der dritte fällt in die Zeit des starken Vorstosses der Trichterbecherkultur (Baalberge B) in Richtung des östlichen Mitteleuropa. Alle diese Beobachtungen sprechen deutlich dafür, dass frühe kupferzeitliche Zivilisation einerseits durch die Lengyel IV-Kultur, die mit der Tiszapolgár-Kul­tur im Karpatenbecken in engster Verbindung stand, andererseits durch die Mi­chelsberger Kultur, an deren Verbindungen zum nordischen frühen Trichterbe­cher-Komplex nicht zu zweifeln ist (LICHARDUS 1985), nach Mitteleuropa ver­mittelt wurde. Die Art dieser Vermittlung ist noch nicht vollkommen geklärt. Vieles spricht, zumindest im Bereich der Michelsberger Kultur dafür, dass mit einem direkten Vorstoss von Norden her bis in das Pariser Becken hinein gerechnet werden muss. So einfach kann man jedoch die Vorgänge im Bereich der Lengyel IV-Kultur nicht sehen. Mindestens drei verschiedene Reaktionen sind hier erkennbar: 1. Im Bereich der Stichbandkeramik entstanden mehrere regionale, von Len­gyel IV abhängige Gruppen. Sie zeugen von der Vermittlung frühkupferzeitlicher Errungenschaften nach Mitteleuropa. 2. Lengyel IV-Einflüsse kommen stark zum Ausdruck bei der Herausbildung der östlichen Post-Rössener-Gruppen Süddeutschlands. 3. Aus der Symbiose von Gatersleben (Lengyel IV) mit Trichterbecher A ent­stand die Baalberger Gruppe des Trichterbecher-Komplexes, die am Ende der frü­hen Kupferzeit eine ganz entscheidende Rolle zu spielen beginnt. Das spricht natürlich dafür, dass die mit dem Beginn der frühen Kupferzeit auftretenden Veränderungen nicht nur das Resultat von Einflüssen, Kontakten 36

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