Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 13. (Szekszárd, 1986)
Jan Lichardus: Lengyel IV und dessen kulturelle Vermittlerrolle bei der Herausbildung der frühen Kupferzeit Mitteleuropas
den (ZAPOTOCKÁ 1970). Diese Verbindungen sind allerdings bis heute noch nicht in kulturellem Sinne geklärt und es stellen sich hier noch zahlreiche Fragen: Wie stark war zum Beispiel der stichbandkeramische Einfluss auf die LengyelKultur oder wie kann man eine Symbiose zwischen Stichband- und Lengyel-Kultur, zum Beispiel bei der Samborzec-Gruppe verstehen? Ist es überhaupt möglich, aufgrund einer auf die Keramik beschränkte Betrachtungsweise, eine Antwort auf derartige Fragen zu finden? In meinen Ausführungen möchte ich meine Gedanken in dieser Richtung weiter führen, und zwar geht es mir darum zu untersuchen, ob ähnliche Verbindungen auch während der frühen Kupferzeit bestanden haben, wie sie zu interpretieren sind und welche Rolle die Lengyel-Kultur bei der Herausbildung der kupferzeitlichen Zivilisation in Mitteleuropa gespielt haben kann. Was ganz allgemein die frühe Kupferzeit betrifft, die im Vergleich zum Neolithikum zahlreiche Veränderungen in Wirtschaft, Gesellchaft und Religion aufweist, so kann deren Entstehung am besten im westpontischen Raum, im Bereich der Karanovo VI-Gumelnifa-Kultur erkannt werden und zwar bildet sie sich heraus als Folge einer Reaktion der neolithischen Agrarbevölkerung auf die Begegnung mit nomadischen Bevölkerungsgruppen, die in den nordöstlich angrenzenden Steppen Südrusslands beheimatet waren. Eine Analyse des Totenrituals zeigt dies am eindrucksvollsten (LICHARDUS 1982,197 ff.; LICHARDUS 1984, 137 ff.) Ahnliche Vorgänge sind auch im Bereich der Tiszapolgár-Kultur des Karpatenbeckens ablesbar und auch naturwissenschaftliche Untersuchungen, insbesondere zur Pferdedomestikation und zur frühen Metallurgie zeigen die starken gegenseitigen Kontakte. Beide Gebiete, sowohl der westpontische Raum wie das östliche Karpatenbecken geben sich als Entstehungszentren der frühkupferzeitlichen Zivilisation zu erkennen. Der westpontische Raum spielte eine entscheidende Rolle bei der Chalkolithisierung Südosteuropas und des ostmediterranen Raumes, das Karpatenbecken bei der Chalkolithisierung Mitteleuropas (LICHARDUS - LICHARDUS - ITTEN - BAILLOUD - CAUVIN 1985, 490 ff.). An ihrer Westgrenze berührte sich die Tiszapolgár-Kultur mit der LengyelKultur, das heisst mit deren vierter Entwicklungsstufe und da sie auch engen kulturellen Kontakt zu dieser unterhielt, ergibt sich daraus auch folgerichtig eine Möglichkeit der Vermittlerrolle bei der Weitergabe kupferzeitlicher Errungenschaften bis weit nach Mitteleuropa hinein. Die Stufe Lengyel IV entspricht im zentralen Gebiet, in der Südwest-Slowakei, der sogenannten Brodzany-Nitra-Gruppe. Vergleichbares ist auch aus Nordwest-Ungarn bekannt und wird in Niederösterreich Wolfsbach-Gruppe, in SüdMähren Stufe Hb der mährisch-bemalten Keramik genannt. Das archäologische Material der Stufe Lengyel IV ist wiederholt definiert worden, weshalb ich hier nur kurz die wichtigsten Merkmale in Erinnerung rufe. Die Siedlungen liegen auf Flussterrassen, bei Wasserquellen oder auf Anhöhen. Die Dorfstrukturen sind noch unklar. Als Wohnobjekte sind lange rechteckige Pfostenbauten (Branc), trapezförmige Pfostenbauten (Nitra) und Halbgrubenhäuser (Branc, Brodzany) belegt. Unterirdischer Silexabbau ist nachgewiesen (Mauer). Die Verstorbenen sind entweder in linker oder in rechter Hockerlage oder verbrannt in Flachgräbern bestattet worden. Keramik, Trachtbestandteile und Arbeitsgeräte wurden beigegeben. Bislang sind lediglich kleinere Gräbergrup32