Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 13. (Szekszárd, 1986)
Dieter Kaufmann: Der Spätlengyel-Horizont im älteren Mittelneolithikum des Elbe-Saale-Gebietes
heblichen Anteil an der Herausbildung der Baalberger Kultur im Elbe-SaaleGebiet hatte (vgl. anhand der Knickwandschalen D. KAUFMANN, W. NITZSCHKE 1976,18, und D. KAUFMANN, A. BRÖMME 1972, Abb. 1 g; 5; 7 b; 8; 9 b). Die von den vier Fundorten Dresden-Briesnitz, Dresden-Nickern, Heidenau, Kr. Pirna, und Wulfen, Kr. Köthen 13 , vorliegenden Funde der Jordansmühler Gruppe entsprechen dem Horizont Lengyel V, insbesondere der Jordansmühler Kultur in Böhmen und Mähren, möglicherweise bereits der frühen Baalberger Kultur im Elbe-Saale-Gebiet sowie auch aufgrund von signifikanten Übereinstimmungen der Schussenrieder Kultur (vgl. Abb. 4). Wie bereits angedeutet, dürften die als Einzelfunde geborgenen Kupferäxte mit Provenienz aus dem Bereich der ungarischen Bodrogkeresztúr-Kultur etwas jünger als die Jordansmühler Funde im felbe-Saale-Gebiet zu datieren sein. Sie könnten etwa während der entwickelten Baalberger oder auch erst während der Salzmünder Kultur in dieses Gebiet gelangt sein. ANMERKUNGEN Wir beziehen uns in dieser Arbeit auf eine soeben vorgelegte Gliederung des Neolithikum im Elbe-Saale-Gebiet in ein Frühneolithikum = Linienbandkeramik und archaische Stichbandkeramik, in ein älteres Mittelneolithikum — späte Stichbandkeramik, Gatersleben und Rossen, in ein jüngeres Mittelneolithikum = Baalberge, Salzmünde, Tiefstichkeramik und Walternienburg sowie in ein Spätneolithikum = Bernburg, Kugelamphoren, Schnurkeramik Schönfeld und Glokkenbecherkultur, vgl. D. KAUFMANN 1985, 36, Abb. 1. Obwohl bislang nur einige wenige Siedlungsfunde, in erster Linie nur Grabfunde dieser Gruppe bekannt sind, und die Zahl der Fundplätze in keinem Verhältnis zu den ansonsten für das ElbeSaale-Gebiet verbreiteten archäologischen Kulturen des Neolithikums stehen, haben alle bisherigen Untersuchungen die regionale und kulturelle Eigenständigkeit dieser Gruppe deutlich gemacht. Man sollte jedoch in diesem Falle nicht von einer archäologischen Kultur, vielmehr von der Gaterslebener Gruppe im Verband des unbemalten Lengyelkomplexes sprechen. Demgegenüber vermittelt die Rössener Kultur des Elbe-Saale-Gebietes mit der im Südwesten der BRD verbreiteten Rössener Kultur den Eindruck weitgehender Homogenität. Unabhängig davon, ob die von J. LICHARDUS (1966, 85) bzw. J. LICHARDUS, J. VLADÁR (1964, 79 ff.) für die Slowakei vertretene fünfstufige Gliederung der Entwicklung der LengyelKultur der vierstufigen von J. PAVÚK (1965, 49) vorzuziehen ist, oder nicht, soll hier, um Mißverständnisse zu vermeiden, die Einteilung in fünf Stufen zugrunde gelegt werden. - Gegen eine „tiefe Datierung der gesamten (Gaterslebener - d. Verf.) Gruppe" hat sich bereits L. SÜSS (1969, 412, Anm. 89) ausgesprochen. Diese Einschränkung soll zunächst aufrechterhalten werden, auch wenn A. GÖTZE 1891,9, über Ausgrabung und Grabungsbericht des A. NAGEL mitteilt: „Dieser Bericht ist durchaus zuverlässig wegen der großen Sorgfalt, mit der jene Ausgrabungen ausgeführt wurden; die Skelette wurden nämlich in situ mit der umgebenden Erde gehoben und so je in eine Kiste gepackt nach Berlin geschickt." - Letzteres trifft nur für insgesamt 22 Skelette zu (K KROITZSCH 1973,101). Leider äußert sich A. GÖTZE in diesem Zusammenhang nicht darüber, ob auch die Beigaben die gleiche sorgsame Beachtung erfuhren oder ob sie separat von den in situ geborgenen Skeletten gehoben wurden. Die bei F. NIQUET (1938, Taf. 1-11) abgebildeten Gräber lassen erkennen, daß die Gefäße nicht mit dem umgebenden Erdreich gemeinsam mit den Skeletten gehoben worden sind. Grab 8 (F. NIQUET 1938,11, Taf. 5,8) beispielsweise soll zwei Gefäße enthalten haben, nur eins davon ist auf der Fotografie abgebildet. Dazu kommt allein in diesem speziellen Falle, daß der kleine Kugelbecher 6 kleine Bronzebuckel enthalten haben soll, die nach F. NIQUET „nicht zu den Beigaben dieses Grabes" gehören dürften. Allein dieses Beispiel soll zeigen, wie problematisch es ist, anhand derartiger Angaben auf der Grundlage über einhundertjähriger Ausgrabungen und Berichte weitreichende chronologische Schlußfolgerungen zu ziehen, wie dies J. LICHARDUS (1976) unternahm. 285