Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 13. (Szekszárd, 1986)
Dieter Kaufmann: Der Spätlengyel-Horizont im älteren Mittelneolithikum des Elbe-Saale-Gebietes
Formen der Rössener Kultur, aber auch an solche der späten Stichbandkeramik zu erkennen geben). Wenn M. ZÁPOTOCKÁ (1969, 543) feststellt, daß die scharf profilierten dreigliedrigen Becher der Gaterslebener Gruppe vom Gräberfeld Rossen „durch ihre Profilierung den Bechern der späten Lengyel-Phase nahestehen und vermutlich auch jünger sind als die böhmische späte Stichbandkeramik", so kann dies nur unterstützt werden. Ihre Überlegung schließt jedoch auch entgegen der Meinung von J. LICHARDUS (1976,218) ein, daß das archäologische Inventar der entwickelten Gaterslebener Gruppe nicht aus Böhmen herzuleiten ist, zumal die Funde vom Typus Praha-Stfesbvice sich deutlich von den hiesigen abgrenzen lassen, sondern daß es sich auf der Grundlage der älteren Gaterslebener Gruppe unter Aufnahme von weiteren Einflüssen aus dem Bereich der südöstlichen unbemalten Lengyelkultur, aber auch der westlich und südwestlich benachbarten Rössener Gruppen, die ihrerseits wiederum starke Lengyelelemente aufgenommen hatten, unter den spezifischen Bedingungen des Elbe-Saale-Gebietes entfaltet hat. Angesichts der archäologisch-kulturellen Hinterlassenschaften der älteren Gaterslebener Gruppe, die mit der Stufe V der böhmischen Stichbandkeramik und mit der frühen Rössener Kultur vom Typ Planig-Friedberg im Saalegebiet zu synchronisieren ist (zugleich als Entgegnung auf J. LICHARDUS 1976, 85), entfällt nicht nur die Überlegung, woher die (entwickelte) Gaterslebener Gruppe herzuleiten sei, sondern auch die Überlegung, ob es überhaupt möglich ist, daß sich diese archäologische Kulturgruppe des unbemalten Spätlengyel-Horizontes ohne eigene Grundlagen überhaupt hätte entwickeln können. Vor allem diesen Fragen hätte man sich stellen müssen, wollte man von der in vielen Arbeiten vertreenten kulturellen Abfolge Rössen-Gatersleben ausgehen. Zum Formenschatz der entwickelten Gaterslebener Gruppe (siehe hierzu auch K KROITZSCH 1973, 46/47) gehören streng profilierte dreigliedrige Becher; zweigliedrige Becher mit abgesetzter Standfläche; hochhalsige, , dreigliedrige Becher; scharf und weich profilierte Becher mit rand- und unterrandständigen Ósen; konische Schalen und Näpfe mit Knubben bzw. Henkelösen, Amphoren (K KROITZSCH 1973, Taf. 10 f; 11 i), Fußschalen mit konvexem und gegliedertem Oberteil; flache konische Schalen mit gekerbten Grifíleisten; zweigliedrige Becher mit Henkelösen am Halsteil; Trichterrandschalen; breite s-förmig geschwungene Becher mit hochgezogenem größtem Gefaßdurchmesser (Abb. 3). Besonders kennzeichnend sind dreigliedrige Becher mit leicht konvexem Oberteil, mit Schulterabsatz mit und ohne Ösen, oftmals besitzen diese Becher einen vom Halsteil abgesetzten und deutlich hochgezogenen rundlichen SchulterBauchteil. Unter diesen Gefaßformen befinden sich einige, die an die sogen. „Milchtöpfe" der Bodrogkeresztur-Kultur erinnern (vgl. K KROITZSCH 1973,46, vor allem Taf. 5 f)> die einer späten Phase des jüngeren Entwicklungsabschnittes der Gaterslebener Gruppe angehören. Stellt man diesen Gefäßen vergleichbare Formen und, soweit sie mit anderen Beigefäßen aus Grabfunden stammen, deren Zusammenfunde an die Seite, so ergibt sich die überraschende Feststellung, daß sich von der Gruppe der streng profilierten Gefäße, die damit möglicherweise einer mittleren Stufe der Gaterslebener Gruppe zuzurechnen sind, solche absondern lassen, 278