Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 13. (Szekszárd, 1986)
Marie Zápotocká: Die Unterschiede und Übereinstimmungen zwischen der Lengyel-Kultur und den Gruppen mit stichverzierter Keramik: die Interpretationsmöglichkeiten
Der Spätlengyel-Horizont im älteren Mittelneolithikum des Elbe-Saale-Gebietes DIETER KAUFMANN, HALLE (SAALE) Bei der Behandlung kulturhistorischer und chronologischer Fragen am Übergang vom älteren zum jüngeren Mittelneolithikum im Mittelelbe-Saale-Gebiet 1 kommt sowohl der Rössener Kultur als auch vor allem der Gaterslebener Gruppe des Spätlengyel-Horizontes 2 große Bedeutung zu. Dabei stehen sich im wesentlichen zwei Auffassungen gegenüber. Die Vertreter der einen haben sich dafür ausgesprochen, daß der Beginn der Gaterslebener Gruppe frühestens im Verlauf der Entwicklung der Rössener Kultur anzusetzen ist, z. T. wird sogar der archäologisch-kulturellen Aufeinanderfolge von der Rössener Kultur zur Gaterslebener Gruppe der Vorzug gegeben und ein jüngeres Alter der archäologischen Hinterlassenschaften der Gaterslebener Gruppe im Vergleich zur Rössener Kultur postuliert (vgl. beispielsweise K. GÜNTHER 1976,56; LÜNING 1981,11 und 137ff.; M. ZÁPOTOCKÁ1969,545). Dabei wird allgemein die gesamte Gruppe mit Lengyel IV synchronisiert, da kennzeichnende Gefaßformen der entwickelten Gaterslebener Gruppe überwiegen. 3 Die Vertreter der zweiten Auffassung, wonach die Gaterslebener Gruppe unmittelbar an die späte Stichbandkeramik anschließt und im wesentlichen mit der gesamten Entwicklung der Rössener Kultur synchronisiert werden sollte, haben sich noch nicht durchsetzen können (K. KROITZSCH 1973; D. KAUFMANN 1976). Bei der Bewertung der Gaterslebener Gruppe und ihres chronologischen Verhältnisses zur Rössener Kultur wurde dem vor über 100 Jahren entdeckten namengebenden Gräberfeld von Rossen, Kr. Merseburg (A. NAGEL 1882 und 1887), für den zentralen Bereich Mitteleuropas gleiche Bedeutung beigemessen wie der Entdeckung und Ausgrabung des eponymen Fundplatzes Lengyel, Kom. Tolna, vor genau 100 Jahren (M. WOSINSKY 1888-1892) für Mittel- und Südosteuropa. Zuletzt legte J. LICHARDUS (1976) die Grabfunde des Gräberfeldes von Rossen für eine Neubewertung der relativchronologischen und archäologisch-kulturellen Verbindungen zugrunde. Es muß jedoch hier ebenso, wie dies K KROITZSCH (1973,42) kritisch für verschiedene stratigraphische Befunde und Zusammenfunde zwischen der Rössener, Gaterslebener und Baalberger Kultur deutlich festgestellt hat, quellenkritisch vermerkt werden, daß einige Grabfunde des Gräberfeldes von Rossen mit ihren Beigaben nur mit äußerster Vorsicht für chronologische Auswertungen herangezogen werden können, da der Verdacht geäußert werden muß, daß ihre Beigaben willkürlich zusammengestellt worden sind. Damit soll keineswegs konstatiert werden, daß der Ausgräber A. NAGEL bewußt Grabbeigaben aus verschiedenen Gräbern zu Grabkomplexen geordnet hat, es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, daß auf Grund des vor über hundert Jahren gegebenen Standes der Ausgrabungstechnik die Beigaben der Gräber, darunter eventuell aus zunächst nicht erkannten Brandgräbern, nicht in jedem Falle,