Vadas Ferenc (szerk.): A Szekszárdi Béri Balogh Ádám Múzeum Évkönyve 13. (Szekszárd, 1986)
Ivan Pavlů: Neolithische Grabenanlagen in Böhmen
sehen der Linearbandkeramik und dem eigentlichen Lengyelkulturkreis in den einzelnen Regionen gesondert zu werten. Ich bin der Meinung, dass die Lösung der Frage nach den Kulturumwandlungen in einem Teil der neolithischen Ökumene der mitteleuropäischen gemässigten Zone von der Festlegung der Grundmerkmale regionaler Traditionen abhängt. Auf der anderen Seite wäre jedoch darauf zu verweisen, dass die auf dem Vergleich von morphologisch zwar ähnlichen, jedoch aus sonst unterschiedlichen Regionen stammenden Befunden beruhenden Versuche zu keiner eindeutigen Lösung führen können. Wenig überzeugend ist ferner die genetische Argumentation, die sich auf aussergewöhnliche Fundkomplexe stützt, die höchstens für die Synchronisation verschiedener Gebiete von Bedeutung sein können(z. B. die Gräber aus Nagytétény, Praha-Dejvice, Vikletice u. s. w.). Grundlagen der regionalen Entwicklung des mitteleuropäischen Neolithikums existierten zweifellos bereits in der Periode der ältesten Linearbandkeramik, auch wenn die beschränkte Variabilität verzierter Keramik jener Zeitperiode eher ein einheitliches Gepräge aufweist. Eine genauere Kalibration der 14C Datierung sowie die dank der Thermoluminiszenzmethode sich vermehrenden Daten für keramisches Fundgut erlauben es uns, eine weitere linearbandkeramische Entwicklungsperiode von mindestens 800 Jahren vorauszusetzen, in deren Verlauf eine verhältnissmässig rasche Absonderung andauernden Charakters in den Einzelregionen zu beobachten ist. Der Entwicklungsprozess, vor allem vom Standpunkt der Keramiktypen und Verzierung als einem den raschesten Änderungen unterliegenden Element gesehen, stabilisierte sich in den in Frage kommenden Regionen im Verlauf von zwei bis drei Generationen. Alle bisherigen Studien deuten daraufhin, dass die derart stabilisierte Regionalentwicklung den Zeitabschnitt der Kulturumwandlungen überlebte und noch in der klassischen Phase des Lengyelkulturkreises ihren Ausdruck fand (LICHARDUS 1974, 36; PAVÜK 1976, 340). Sie überspannte mindestens noch weitere 300-400 Jahre. Erst in dieser Phase tritt eine Reihe neuer, von der bisherigen Entwicklung abweichender Elemente auf und sogar die territoriale Gliederung scheint sich später geändert zu haben. Auf den Kulturumbruch in einem Teil der ursprünglichen neolithischen Ökumene wirkte zweifellos das ganze Transdanubien ein (MAKKAY 1982, Chronologische Tafel). Schon heute ist es klar, dass dort wenigstens vier Regionen abgesondert werden müssen, die sich sowohl durch eine eigene Entwicklung wie durch gegenseitige Beziehungen auszeichneten: südöstliche (Lengyel - Zengővárkony), südwestliche (Becsehely - Brezovljani), nordöstliche (Bina-Bicske und Aszód - Svodín) und nordwestliche (Sé - Luzianky - bzw. Unterwölbling). Eine selbständige Subregion scheint der engere Donauraum zu repräsentieren. Ein sehr gutes Beispiel der regionalen Entwicklung ist die Ansiedlung Becsehely I, wo der allmähliche Übergang der dortigen späten Linearbandkeramik (der durch das Vorkommen der Keramikscherben vom Sárka-typ gegeben ist) zur Keramik mit gemalten Winkelbändern etwa im Geist der Stichverzierung (Becsehely la) und weiter zur bemalten, typologisch mit der Luzianky-Gruppe (Becsehely lb) vergleichbaren Keramik, dokumentiert ist (KALICZ 1979). Es ist wohl begreiflich, dass sich in den unmittelbar angrenzenden Gebieten die für die einzelnen Bereiche kennzeichnenden Merkmale überlagern. Jedoch nicht immer werden solche einschlägige Kulturäusserungen auf gleichte Art inter261