A Nyíregyházi Jósa András Múzeum évkönyve 45. (Nyíregyháza, 2003)

Néprajz - Ákos Janó: Geselligkeitsbräuche, lebendige Folkloretraditionen Mitte des 20. Jahrhunderts in Szatmár. Die Spinnstube

A társasösszejövetel szokásai, élő néphagyományok Szatmárban Unter den Rätseln waren diejenigen am beliebtesten und wurden am häufigsten aufgegeben, die mit dem Hanf oder, dem Anlass angemessen, mit dem Spinnen bzw. Weben zusammenhingen. Einen bedeutenden Teil der Folkloretraditionen der Spinnstuben machten die Volkslieder aus. Obwohl es desöfteren auch Tanz gab, gehörte dieser dennoch nicht ganz so eng zum Leben der Spinnstube wie das Singen. Spezielle Denkmäler der Volksliederwelt der Spinnstuben sind die Spottlieder auf Mädchen oder Jünglinge. Einige wenige dieser Lieder gelang es uns aufzuzeichnen. An einigen der in den Spinnstuben üblichen Spiele nahm die Jugend gemeinsam teil, andere spielten die Jungen unter sich. Gemeinsame Spiele gab es erst, wenn schon eine bestimmte Fadenmenge gesponnen war, und selbst dann waren es oft zuerst Spiele, welche die Arbeit nicht behinderten. Charakteristische, mit Bewegung bzw. Platzveränderung einhergehende, gemeinsame Spinnstubenspiele erforderten häufig nur die aktive Beteiligung eines jungen Mädchens oder Mannes, während die anderen ihre Arbeit fortsetzen konnten. Oftmals ließen sich die jungen Leute vom Spieleifer mitreißen, was für das Spinnen nicht gerade von Vorteil war. Allgemein dienten die gemeinsamen Spiele dem Anknüpfen direkter Beziehungen unter den Jugendlichen. Am besten eigneten sich dazu Partnerwahlspiele, in denen sich auch die gegenseitige Zuneigung der Mädchen und Jungen zeigte. Bei den Spielen der Jungen untereinander ging es darum, die eigene Kraft und Geschicklichkeit unter Beweis zu stellen oder andere zum Besten zu halten. Neben den herkömmlichen Spinnstubenspielen waren auch die verschiedenen kleinen Streiche, die sich die jungen Leute gegenseitig spielten, Äußerungen ihrer Spiellaune. Häufigster und typischster Brauch der Spinnstuben war das Spindelfangen, das je nach Gegend unterschiedliche Formen hatte. Der Jüngling versuchte, die Spindel des vorher ausgewählten Mädchens zu fangen oder die zum Boden gefallene Spindel aufzuheben. Auslösen konnte das Mädchen ihre Spindel dann mit einem Kuss. Die Faschingsspiele knüpften überall eng an die Traditionen der Spinnstuben an. Faschings­beginn war Silvester oder der Dreikönigetag. Am Vorabend versammelten sich die 14—18jährigen Jungen, die mit Tuten, Kuhglocken und Schellen lärmend, Peitschen knallend, mit Blöken und Brüllen von einem Dorfende ans andere durch alle Straßen zogen, wobei sie riefen: „Wer eine jungfräuliche Tochter hat, möge sie zu uns herauslassen!" Unterwegs schlössen sich die kleineren Jungen (die Jüngsten) der Gruppe an, die den Lärm noch verstärkten. Unterdessen hatten die 16-20jährigen Jünglinge „Maskengruppen" gebildet, die allabendlich maskiert durchs Dorf strichen und vor allem die Spinnstuben besuchten, wo sie die Anwesenden mit ihrer Verkleidung entsprechenden einstudierten oder improvisierten Sketchs, mit lustigen Liedern und Tänzen, mit Witzen und Clownereien unterhielten. Unter den Traditionen der Spinnstube konnte sich der mit dem Spinnen verknüpfte Aberglaube auf die Stelle, die Art und Weise oder den Zeitpunkt der Arbeitsverrichtung beziehen. Die Tage des Spinnverbots kannte man allerorts und hielt das Verbot stengstens ein. Vom gewohnten abweichende Erscheinungen während des Spinnens deuteten auf zu erwartende Familien-, Wirtschafts- oder Wetterveränderungen bzw. künftige Ereignisse hin. Überall wurde dem Umstand, dass jemand einen Spinnrocken leer aus der Spinnstube nach Hause trug, Bedeutung beigemessen. Es bedeutete Unglück. Man glaubte dann, dass sich der Teufel, der kleine Schwarze, der nackte Feigling oder Marcella auf den Rocken setzten. In manchen Dörfern war es sogar verboten, die Kunkelschnur auf dem Rocken zu lassen. Nach der Spinnsaison durfte sie nicht auf dem Spinnrocken bleiben, damit der Hanf des nächsten Jahres nicht „verunkrautet" würde. Oftmals lebten die mit dem Spinnen verbundenen mystischen Bräuche und Aberglauben in den Dorfgemeinschaften weiter, obwohl sie ihren ursprünglichen Sinn längst verloren und sich miteinander vermischt hatten. Instinktiv aber waren sie für die in der Spinnstube tätigen Frauen und Mädchen stets ein Garant, dass die Ordnung bzw. der entsprechende Rhythmus der Arbeit eingehalten, die gesellschaftlichen und moralischen Normen geachtet wurden.

Next

/
Thumbnails
Contents