A Nyíregyházi Jósa András Múzeum évkönyve 39-40. - 1997-1998 (Nyíregyháza, 1998)

Képző- és iparművészet - Sarolta F. Csiszár: Altardecken des 17–18. Jahrhunderts in den reformierten Kirchen der Karpatoukrine

XVII-XVIII. századi úrasztali terítők... Altardecken des 17—18. Jahrhunderts in den reformierten Kirchen der Karpatoukraine Die Altardecken der reformierten Kirche nehmen in der ungarischen Stickereikultur einen bedeuten­den Platz ein. Wichtig wurde unsere Untersuchung insbesondere für jene Gebiete, wo sich im 16. Jahrhundert geschlossene reformierte Gemein­schaften bildeten, die bis zum heutigen Tage beste­hen. Als Volkskirchen sorgten diese Gemeinschaften selbständig für die Erhaltung der Kirchengebäude bzw. den Unterhalt der Seelsorger. Aus ihrer puri­tanischen Geisteshaltung folgte, daß sie die Kirchen weiß kalkten, um damit die Überreste des Katholizis­mus, die Bilder der Heiligen und großen Kirchen­väter, von den Wänden zu beseitigen. Bei der Ein­richtung kam mehr und mehr der Geschmack der die Kirche unterhaltenden Gemeinschaft zum Tra­gen. Dies offenbarte sich in den Kircheneinrichtun­gen, dem Mobiliar und der Altarausstattung, haupt­sächlich aber in den Altardecken. Daher legten unsere Forscher, insbesondere im 20. Jahrhundert, großes Gewicht auf die Unter­suchung der Dekorationskunst vor allem dieser Gegenstände, und innerhalb dessen der Verzierung der Altardecken, deren Stickereien und Motivschatz bzw. die Komposition der Verzierungen. Im Zusam­menhang damit erschienen mehrere zusammen­fassende Arbeiten und Teilstudien. Ich möchte hier nur zwei Arbeiten hervorheben (PALOTAY 1942. und TAKÁCS 1983-), deren Ziel es ist, die reformierten Kirchen des Karpatenbeckens in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Obwohl sie um Vollständigkeit bemüht waren, fehlt in diesen Arbeiten dennoch das Material einer zusammenhängenden Region, und zwar die Altardecken der ungarischen reformierten Kirchen der Karpatoukraine. Von diesem einst dicht besiedel­ten Gebiet erwähnt Béla Takács in seiner Arbeit aus sämtlichen bisherigen Publikationen sowie den bei­den obigen Studien insgesamt vier Altardecken. Drei davon stammen aus dem 17. Jahrhundert, sie befinden sich heute in der Sammlung von Sárospa­tak. Eine große Decke mit Filetstickerei, die nach Meinung Béla Takács' Anfang der 1600er Jahre ange­fertigt wurde, gelangte aus der Kirche von Verbőc in die Sammlung. Die 153x128 cm messende Decke besteht aus zwei breiten Filetstreifen, verarbeitet mit weißen Leinwandbahnen, welche umlaufende Klöp­pelspitze nach Art des Oberlandes säumt. Als Beson­derheit wurde in einen Filetstreifen der Decke eine biblische Begebenheit gestickt, und zwar eine Szene der Geschichte von Abraham und Isaak. Die andere Decke stammt aus Makkosjánosi. Von ihr heißt es im Inventarverzeichnis des Jahres 1808: „Batist, mit Seide und wenig Gold gesticktes Tuch, Geschenk der Judith Paládi 1664." Das dritte Stück, eine Altardecke der Kirche von Munkács, wurde mit einem Bibelwort bestickt: „Alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her und kauft umsonst Wein und Öl. Jes. 55:1. Anno domini, 1656." Die vierte Decke, die Béla Takács erwähnt, befindet sich noch heute im Besitz der Kirche von Salánk. Auch sie zog die Aufmerksamkeit des Verfassers wegen ihrer besonderen Inschrift auf sich: „Ich, Éva Szőnyi, habe sie eigenhändig mit Seide für die Ecclesia von Salánk zu Ehren Gottes genäht. 1740." Angesichts dessen, daß die Aufarbeitungen sich nur sehr wenig mit diesem Gebiet befassen, hielten wir es für wichtig, die beweglichen Güter der Kirchen in der Karpatoukraine, und darunter auch die Altardecken, präzise aufzulisten. Im Herbst 1995 begann ein vierköpfiges Team unter Leitung von Dr. Ambrus Molnár, im Auftrage des Synodalrates für Sammlungen der Reformierten Kirchen Ungarns, mit der Erhebung. Unterstützt haben unsere Arbeit außerdem der Rákóczi-Ver­band, der Nationale Kulturfonds sowie das Bistum der Reformierten Kirchen der Karpatoukraine. Bis August 1997 konnten wir die Altardecken von 81 Kirchengemeinden der Karpatoukraine zusam­menstellen, wo wir insgesamt 1524 Textilien unter­schiedlichen Alters vorfanden. Die meisten davon, 1263 St., stammen aus diesem Jahrhundert. 197 St. wurden aus dem 19- Jahrhundert, 59 St. aus dem 18. Jahrhundert und 7 gestickte Altardecken bzw. ein Altarläufer aus dem 17. Jahrhundert registriert. Frühere Stücke sind auch im Inventarverzeichnis von 1808 nicht erwähnt, bzw. unter den aufgezählten gibt es keines mit früherer Jahreszahl. Altardecken des 17. Jahrhunderts Die Kirche in Huszt bewahrt ein einziges Stück mit der Jahreszahl 1692 auf. Dies ist eine Altardecke mit nach türkischer Art gestaltetem Tulpen­buschmuster bzw. in der Mitte und am Rand mit mehrzeiliger Inschrift. Drei parallele Rundbögen in der Mitte zitieren den ersten Vers des 51. Psalms, während an den Rändern umlaufend der Text des 1., 2. und 3- Verses von Psalm 32 zu lesen ist. Die mitt­lere Umschrift nennt den Namen der Schenkerin und das Jahr der Schenkung: „REDMECZI SOPHI: CSI­NÁLTATTA ISTEN DICSŐSÉGÉRE 1692" (sinngemäß: Angefertigt im Auftrag der Sophi Redmeczi zu Ehren Gottes, 1692). Das große, weiße Batisttuch wurde in Plattstich und Stielstich mit Silberfaden bestickt. Die übrigen Decken haben kein Jahreszahl. Am frühesten darunter sind die Decken der Kirchen von Verbőc und Nagyszőlős. Das Verbőcer Exemplar ist eine mittelgroße Altardecke aus dünnem Batist mit einem aus farbigen Seidenfäden gestickten Blumen­buschmuster, die Decke aus Nagyszőlős dagegen ein 343

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