A Nyíregyházi Jósa András Múzeum évkönyve 36. - 1994 (Nyíregyháza, 1995)

Gabriella T. Németh: Vorbericht über spätneolithische und frühkupferzeitliche Siedlungsspuren bei Lébény (Westungarn)

Gabriella T. NÉMETH Form und auch das Fehlen der Pfostenlöcher im Innenraum kann vielleicht darauf hinweisen, daß dieses Objekt kein Wohnhaus, sondern eher eine Art des Hofes mit Zaun oder ein Pferch mit Pfostenstruk­tur gewesen sein konnte. Eine ähnliche Struktur hat unlängst O. Urban aus Wetzleinsdorf (Niederöster­reich) publiziert (URBAN 1980.11-22.). Viele Details der beiden oben analysierten Bauten konnte man auch im Falle des Objekts Nr. 715 beobachten (Abb. 12). Hier gab es nämlich auch einen Fundamentgraben mit kleinen Pfostenlöchern. Dieses Gebäude hatte aber eine etwas andere Struk­tur als die zwei oben behandelten Häuser - durch eine Wand ist hier nämlich eine innere Gliederung vorhanden. Die Länge dieses zweiräumigen Hauses beträgt 23 m, seine Breite 9 m. Die Nordwestecke dieses Baus ist durch mehrere spätere Objekte zer­stört worden. Der Eingang lag an der Ostseite, er war 0,8 m breit. Der Durchgang zwischen den zwei Räumen war aber 1,2 m breit. Es war gut zu beo­bachten, daß man die Nordseite (Wetterseite?) des Hauses mit mehreren Pfostenlöchern als die Südseite verstärkt war. Im Innenraum des Hauses sind auch viele Pfostenlöcher gefunden worden, die aber fast keine Struktur zeigten. Deshalb läßt sich die Dach­konstruktion nur mit einem gewissen Vorbehalt re­konstruieren. Doch sind die vier großen Pfostenlö­cher der Längsachse vielleicht als Reste der Unter­stützung des Giebels zu interpretieren. Das Haus mit innerer Gliederung hat mehrere Parallelen aus dem Spätneolithikum und auch der Frühkupferzeit (PA­VÚK 1986.a. 213-244.). Reste von spätneolitischen Häusern mit Fundamentgraben sind in Mähren (PLEINEROVÁ 1984.7-49.), in der heutigen Südwest­Slowakei in Zlkovce (ungarisch: Zsalkóc) (PAVÚK 1986.b.217., PAVÚK 1990.137-142., PAVÚK 1991. 348-357., PAVÚK 1992, 3-9.) und Svodin (ungarisch: Magyarszőgyén) (NEMEJCOVA-PAVUKOVA 1986. Abb.3.) gefunden worden. Es ist also mit Recht zu vermuten, daß die kupferzeitlichen mehrräumigen Häuser in den nördlichen Teilen der Kleinen Tief­ebene lokale Vorbilder hatten. Zwei kupferzeitliche zweiräumige Langhäuser sind aus Branc (ung.: Be­rencs) bekannt (VLADÁR 1969. Abb. 4., PAVÚK 1986.b. 217.). Es soll bemerkt werden, daß die Innen­wand sowohl in Svodin, als auch in Branc keine Türöffnung hatte. Im Gegensatz dazu konnte man in Lébény - Bille-domb, im Fundamentgraben der In­nenwand des Hauses 715 deutlich eine Türöffnung beobachten. Das Fundmaterial Die kupferzeitliche Keramik aus Lébény-Bille­domb ist ebenfalls mit Sand gemagert und hat eine hellrote oder hellbraune oder aber graubraune Far­be. Die Mehrheit der Scherben sind als bikonische Schalen mit senkrechten oder horizontalen Zapfen­buckeln zu rekonstruieren (Abb. 7:2 Abb. 8:1,5 Abb. 14:4 Abb. 15:1-5). Es gibt aber mehrere Töpfe mit zylindrischem Hals, und mit flachen, randständigen Henkeln (Abb. 7:4,6 Abb. 8:6,7,10,15 Abb. 15:7-8) . Man hat den Eindruck, daß die kupferzeitlichen Siedlunsgreste am Kaszás- und Bille-domb chronolo­gisch gleichzeitig sind. Das wichtigste allgemeine Merkmal der Keramik der beiden kupferzeitlichen Fundorte um Lébény sind die randständigen Hen­keln und das nahezu vollständige Fehlen der kanne­lierten oder eingeritzten Verzierung. Diese beiden Merkmale können zusammen vielleicht in die Rich­tung der Ludanice (ung.: Nyitraludány) - Gruppe zeigen. An den Fundorten der Ludanice-Gruppe sind nämlich die Krüge mit einem oder mit zwei randstän­digen Henkeln häufig (PATAY 1963. Taf.2-3., LI­CHARDUS-VLADÁR 1964. Abb.51.l6-20.,26-27., PA­VÚK 1981. Abb. 14.4.,5.,9.). Zur gleichen Zeit sind die Gefäßformen dieser beiden Fundorte auch mit der Keramik der Balaton-Lasinja Kultur gut ver­gleichbar. Das sind zum Beispiel die Schalen mit eingezogenem Rand, oder bikonische Schalen, die in Süd- oder Südwesttransdanubien die charakteristi­schen Gefäßformen dieser Kultur sind. (Siehe z.B.: HORVÁTH 1988. Abb.1.,2.,6., KALICZ 1991. Abb. 5-7.) Eine dritte Möglichkeit der Interpretation geben die Aufsätze von Frau E. Ruttkay, die den oben genannten Fundort Schieinbach in die sog. Epilen­gyelzeit stellen, in die Gruppe Bisamberg-Oberpul­lendorf (RUTTKAY 1976., RUTTKAY 1983-, RUTT­KAY 1991. Abb.7,). Die Keramik dieses Horizontes zeigt nämlich auch sehr viele gemeinsame Merkmale mit den Scherben der beiden Siedlungen um Lébény. Das sind z.B. randständige Henkel, bikonische Schalen. Am Ende meines Aufsatzes möchte ich bemerken, daß ich hier nur einen Vorbericht der Ausgrabungen in Lébény - Bille- und Kaszás-domb gegeben habe. Es sind noch sehr viele Fragen zu beantworten. Eine eingehende Analyse der ungelösten Probleme ist aber nur dann zu erwarten, wenn die Rettungsgra­bungen abgeschlossen sind. Die Rettungsgrabungen an der Autobahnstrecke Győrszentiván - Hegyesha­lom haben nämlich seit 1990 sehr viele neue Daten in bezug auf die Hausformen und die Keramik der Lengyel- und der Balaton-Lasinja-Kultur gebracht. 244 Jósa András Múzeum Évkönyve 1994

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