A Nyíregyházi Jósa András Múzeum évkönyve 36. - 1994 (Nyíregyháza, 1995)

Gabriella T. Németh: Vorbericht über spätneolithische und frühkupferzeitliche Siedlungsspuren bei Lébény (Westungarn)

Vorbericht über spätneolithische und frühkupferzeitliche Siedlungsspuren bei Lébény (Westungarn) Gabriella T. NÉMETH D ie Erforschung des Neolithikums und der Kupferzeit ist in Westungarn leider noch nicht zu einem beliebten Forschungsthema geworden. Man kann deshalb heutzutage nur sehr mangelhafte Daten über diese Zeitalter in Bezug auf die Kleine Tiefebene sammeln, und diese Forschungslücke be­zieht sich natürlich auch auf die Analyse der Lengyel­und der Balaton-Lasinja-Kultur. So gibt es außer einigen vereinzelten spätneolithischen Scherben, die von Dr. Nándor Kalicz publiziert worden sind (KA­LICZ 1969. 198. Abb. 13-, 16-19.), nur eine Grabung­sverarbeitung eines kleinen spätneolithischen Sied­lungmaterials aus Kajárpéc-Pokolfadomb (REZI KA­TÓ 1988.). Jedoch gaben uns die archäologischen Rettungsgrabungen der Autobahnstrecke Győr - un­garische Staatsgrenze in den Jahren 1991-1993 die Möglichkeit, mehrere neolithische und kupferzeit­liche Fundorte freizulegen. Ich möchte hier nur ein spätneolithisches Siedlungobjekt und zwei Siedlung­sreste der Balaton-Lasinja Kultur bekannt machen. Das Dorf Lébény (Abb. 1) liegt 25 km sowohl von der ungarisch-österreichischen Grenze, als auch von der Stadt Győr entfernt. Dieses Dorf hat eine seltsa­me Lage. Es befindet sich am Ostrand eines ehema­ligen Sumpfgebietes, ungarisch Hanság genannt, das sich an der östlichen Seite des Neusiedler Sees er­streckt. In der nordwestlichen Gemarkung des Dor­fes gibt es zwei große Sand- und Kieshügel, Kaszás­und Bille-domb, die durch den Bau völlig vernichten wurden. Die beiden großen Hügel sind von Norden durch einen Bach begrenzt, und diesen Bach kann man als eine natürliche Grenze des Sumpfgebietes betrachten. Kaszás-domb Am Kaszás-domb (Abb. 2) wurde von Oktober 1991 bis Dezember 1992 eine Notgrabung durchge­führt, die von vier Archäologen, Eszter T. Szőnyi, Péter Tomka, Miklós Takács und auch der Autorin dieses Aufsatzes, geleitet worden sind. Wir haben eine Oberfläche von cca. 5,5 Hektar ausgegrabt. Alle wohnbaren Teile des Hügels sind archäologisch er­faßt und dokumentiert worden. Wir haben am Ka­szás-domb Reste sehr vielen archäologischer Kultu­ren und Zeitalter gefunden. Außer den Siedlungsres­ten der neolithischen Notenkopf-Keramik und der Lengyel-Kultur wurden auch kupferzeitliche, spät­bronzezietliche, awarische und árpádenzeitliche Siedlungen auch spätrömische sowie frühárpáden­zeitliche Gräber freigelegt. Das kreisrunde Objekt Nr. 350 (Abb. 3) war das einzige Objekt der Lengyel-Kultur an diesem Fund­ort. Dieses etwa 2 m tiefe Objekt ist vermutlich als ein Brunnen zu deuten. Es ist nämlich in die west­liche, schräg abfallende Seite des Hügels eingetieft worden, wo wir auch mehrere Brunnen anderer Zeitaltern gefunden haben. Die Verschütterung des Objekts Nr. 350 bestand aus mehreren Schichten. Die oberste war eine dunkelbraune Erdeschicht und dar­unter gab es mehrere gelbe oder grüne Lehmschich­ten. Im unteren Teil der Verschütterung auf dem Niveau des Grundwassers fanden wir 3 ganze Ton­gefäße. Das interessanteste von ihnen ist ein leicht deformiertes, dreiteiliges Gefäß. (Abb. 4:1). Seine Form hat Parallelen aus Zengővárkony (DOMBAY 1960.86. Taf. 86.24.) und aus Mórágy (ZALAI-GAÁL 1983/84.6. Taf. 6.2.) aus der zweiten, klassischen Phase der Lengyel-Kultur. Sein Bauch und sein Hals ist mit einer geometrischen Bemalung verziert. Auf dem ziegelroten Hintergrund hat der ehemalige Her­steller (oder Künstler?) weiße pastose und dunkel­braune oder schwarze Linien und Dreiecke ange­bracht. Die polichrome Bemalung des Gefäßes aus Lébény ist noch nicht mit Sicherheit zu beurteilen. Wir haben nämlich im Gebiet der Kleinen Tiefebene keine Parallele dazu, aber das kann auch die Folge des ungünstigen Forschungsstandes sein. Die Kera­mik mit rot-weißer oder polichromer Bemalung ist nämlich im Spätneolithikum sowohl nördlich als auch südöstlich der Kleinen Tiefebene weit verbrei­tet. Die rot-weiße Bemalung ist für die zweite, klas­sische Stufe der Lengyel-Kultur typisch (ZALAI-GAÁL 1982.83.) und chronologisch ist sie mit der Stufe IIa der Kultur der mährischen bemalten Keramik ver­gleichbar (KAZDOVÁ 1984., PODBORSKY 1970.233­310., PODBORSKY 1985.11-17.) und sie ist auch in südöstlichen und östlichen Teilen Ungarns (ZALAI­GAÁL 1982.24-26., KALICZ-KALICZ-SCHREIBER 1983/84. Taf. 6.) und in Südosteuropa (PJZ 164-165,

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