A Nyíregyházi Jósa András Múzeum évkönyve 36. - 1994 (Nyíregyháza, 1995)
László A. Horváth: Neue Funde von Szentes-Ilonapart
László A. HORVÁTH Auch hier kam ein zylindrischer, senkrecht durchbohrter Gegenstand vor, der das Bruchstück eines längeren Ausgusses gewesen sein könnte (Abb. 10:2). Die chronologische Lage der Grube ist mit Hilfe der Abbildungen 6:1-3 genauer zu bestimmen. Das umrahmte Zaunmuster und die Zickzacklinien sind schon der Theißkultur eigen. Aufgrund dessen kann man diese Grube in die Szakalhat/Theiß-Übergangsperiode datieren, die neuerdings auch frühe Theißkultur genannt wird (KALICZ 1989.104.). Hinsichtlich unserer Untersuchungen sind die Funde der Grube 4 die wichtigsten. Über die Ausgrabung und Form dieses Objektes verfügt man über keine dokumentation, aber der Aussage der Ausgräberin nach kamen diese Funde in der gleichen Grube vor. Die Grobkeramik wird in dem bescheidenen Fundmaterial durch einen engmundigen Topf (Abb. 11:1) und ein abgesetztes, kugeliges Gefäß mit gewelltem Rand vertreten (Abb. 11:5). Der letztere Gefäßtyp wie auch die Fingerkniffverzierung (Abb. 11:6) sind schon im Frühneolithikum in der Starcevo-Körös-Kultur bekannt. Der Qualität und der Ausbrennung nach ähneln aber diese Gegenstände nur formell den frühneolithischen Vorbildern, aufgrund dessen sind sie kaum in diese Periode einzuordnen. Das daneben zutage gekommene Gefäß mit hohem Rohrfuß (Abb. 11:8) besitzt keinen größeren chronologischen Wert, weshalb man zur Datierung der Grube die Hilfe der verzierten Funde in Anspruch nehmen muß. Unter den verzierten Scherben ragt die Bemalung eines bikonischen Napfes heraus (Abb. 11:3). Die rote Oberfläche bildet kein selbständiges Motiv, nur ein roter Fleck ist unter einem Griff buckel zu sehen. Außer diesen ist noch das Bruchstück eines mit Punktreihen verzierten, viereckig abgerundeten Gefäßes zu erwähnen. Der auf der Gefäßoberfläche vorhandene Buckel wurde durch eine trapezförmige Einkratzung umrahmt (Abb. 11:2). Ein ähnliches sog. Pfeilspitzmuster ist auf dem Randbruchstück eines anderen, dünnwandigen Gefäßes zu sehen (Abb. 12:1). In der gleichen Grube kam ein Randbruchstück von mittlerer Wanddicke vor, auf dem ein aus parallelen, bogigen Linien bestehendes Muster zu sehen ist. Das Fingerkniffmuster (Abb. 11:6) ist gleichermaßen zu den Verzierungen zu zählen. Alle diese Charakteristika beweisen die Anwesenheit der Alfölder Linienbandkeramik (ALK) an dieser Wohnstätte. Daraus geht es hervor, daß die hier erwähnten Funde das frühere Bild über das Leben der Fundstätte modifizieren. Die Anwesenheit der Szakálhát-Gruppe wurde schon früher nachgewiesen, doch muß angemerkt werden, daß die eben vor einem Jahrzehnt publizierten Funde (HORVÁTH 1983.) mit den Gegenständen der Ausgrabung 1984 nicht völlig identisch sind. Die letzteren - hauptsächlich die Funde der Grube 4 - scheinen unbedingt jünger zu sein und repräsentieren die unseren heutigen Kenntnissen nach späteste Phase der neolithischen Besiedlung an diesem Fundort. Der chronologische Unterschied äußert sich auch in der territorialen Absonderung. Am Westrand des Fundortes fand früher keine Ausgrabung statt, und auf den in den 60er Jahren ausgegrabenen Flächen kamen die letzterwähnten Phasen nicht vor (HORVÁTH 1983.10-23.). Es ist festzustellen, daß sich die Körös-Siedlung nicht mehr auf diese Fläche ausdehnte. Demgegenüber stand aber das kupferzeitliche Dorf hier und auch die neolithischen Siedler bauten hier ihre letzten Häuser. Gegenwärtig scheinen die ALK-Funde die wichtigsten in Szentes-Ilonapart zu sein. Funde gleichen Typs waren von diesem Fundort schon bekannt (KOREK I960. Taf.VII.1-5.). Früher ließ ich diese Funde unglücklicherweise außer Acht (HORVÁTH 1983.8.). Die 1984 freigelegten Funde bestätigten die früheren Ansichten von J. Korek. Bei der Datierung des wenigen Fundmaterials können wir uns in erster Reihe wiederum auf die verzierten Scherben stützen. Hinsichtlich der Fernbeziehungen ist das Bruchstück auf Abb. 11:3 von Wichtigkeit. Die konische Form samt den an den Bauchumbruch applizierten Griffknubben wirkt fremd in dieser Gesellschaft. Das wird durch den sandhaltigenTon unterstützt, aus dem das Fragment gefertigt wurde. Wegen der Sandbeimischung fühlt sich der graue Gegenstand rauh an. Die Parallelen des Gefäßes sind aus der Großen Ungarischen Tiefebene unbekannt. Demgegenüber kamen überraschend ähnliche Exemplare in Vinca (Periode B/2) vor, wo auch die Variante dieses Gefäßes mit Zseliz-Verzierung bekannt ist (KALICZ 1989. Abb. 2-3.). Obwohl nur ein kleiner Teil des Gegenstandes von Abb. 11:2 erhalten blieb, scheint er aufgrund der bekannten Parallelen rekonstruierbar zu sein. Ähnliche, viereckig abgerundete Gefäße waren schon von der einstigen Szatmár-Gruppe (heute ALK 1.) an charakteristisch und blieben bis zu den spätesten Äußerungen der ALK in Verwendung (KALICZ-MAKKAY 1977.31.). Aufgrund der Kombination von Wellenlinien und Punktreihen ist ein Fund von Gyoma aus der frühen Phase der ALK (MAKKAY 1982.b. Fig. 2:2.) als ihre beste Parallele zu betrachten. Zugleich muß auf die Ähnlichkeit mit dem in Tiszasziget-AraDie in der erwähnten Publikation von J. Korek unter den Körös-Funden, aber ohne Inventarnummer aufgezählten Funde gehören laut Beweis der Photos der reklassischen Phase der Alfölder Linienbandkeramik an (KOREK 1960.44.). Später modifizierte J. Korek seine Meinung und bemerkte, daß es in Ilonasziget (genauer in Ilonapart) zwei verschiedene Fundorte gibt, die der Alfölder Linienbandkeramik bzw. der Szakálhát-Gruppe angehören, und er bestätigt, daß sie Streufunde wären (KOREK 1979/80.40.). Während eines persönlichen Gespräches erzählte er, daß diese Scherben als Streufunde ins Museum gelangten. 186 Jósa András Múzeum Évkönyve 1994