A Nyíregyházi Jósa András Múzeum évkönyve 6-7. - 1963-1964 (Nyíregyháza, 1965)

Gombás András: Stallgärten in Szentmihály

S T A L LG Л R T EN IN SZENT MIH Á L Y Die im Komitat Szabolcs-Szatmár gelegene Gemeinde Szentmihály wurde aller Wahrscheinlichkeit nach im 11. Jahrhundert besiedelt. Es war eine dop­peltintravillane Siedlung, denn jedes, in der Nutznießung eines Grundleib­eigenen oder verheirateten Kleinhäuslers stehende Intravillan bestand aus zwei Teilen, einem Wohngrund und einem Garten. Wie für die Nomaden cha­rakteristisch, wurde die Siedlung derart eingeteilt, daß der Wohngrund gegen das Innere der Siedlung zu liegen kam, der dazugehörige Garten aber befand sich in dem die Wohngründe umschließenden Gartengelände. Die zwei Intravillane gehörten rechtlich zusammen, sie waren unver­äußerlich und unteilbar. Bei Erbschaft blieben beide mit dem Leibeigenen­grund zusammen. Dies beweisen auch Entscheidungen des Patrimonial­gerichtes. Die Größe des Gartens betrug 800—2000 Quadratklafter. Der Garten des verheirateten Kleinhäuslers hatte eine Ausdehnung von ca 800, der des Grundleibeigenen eine von ca 1200—2000 Quadratklaftern. Die Gärten waren eingefriedet. Verwahrloste, uneingezäumte Gärten gab es kaum. Die Umzäumung wurde aus Dünger, Reisig oder Kot geschichtet und mit Bäumen oder Büschen gefestigt. Die Nachbarn arbeiteten zusam­men an der Umzäumung und hielten diese auch gemeinsam instand. Auf dem Wohngrund erhob sich das Wohnhaus. Der Tierbestand, Futter­vorräte, Ablageplätze, Ställe, Pferche und Hürden wurden mit der Zeit im Garten untergebracht. Auch einzelne landwirtschaftliche Arbeiten wurden hier verrichtet, so auch das Treten des Getreides. Das wichtigste Bauwerk war der Stall. Hier fand das Zugvieh und der zahme, kalbende Viehbestand Aufnahme. Das im Freien gehaltene Weide­vieh überwinterte meistenteils in der Nähe des Stalles, der Heuschober und der Ablageplätze an der windgeschützten Seite improvisierter Pferche, Hür­den oder Schuppen. Der Stall wurde unter Beihilfe aller („Kaláka") errichtet. Ks war ein mit Giebeldach und Vordach versehenes, mit Rohr gedecktes Bauwerk. Lediglich die Hälfte des Baues hatte einen Dachboden; darunter stand das Vieh an der Krippe oder Raufe. Im Stall befand sich auch eine gegrabene oder aus Kot geschichtete Feuerstelle mit einer Ofenbank. Den im Stall verweilenden, die Tiere versorgenden jungen Leuten stand eine Schlafbank oder ein Lager aus geflochtenen Zweigen zur Verfügung. War der Winter sehr kalt, so wurde auch Feuer entzündet, doch diente das Feuer, bzw. der Rauch, im Allgemei­nen auch zur Vertreibung der Gelsen, oder bei Verrichtung von Arbeiten im Morgengrauen zur Beleuchtung. Zur Winterzeit kamen die jungen Leute abends in den Ställen zusam­men um sich zu zerstreuen. Verschiedener, untereinander ausgetragener Wett­bewerb, Tanz, Gesang und die Erzählungen der Alten boten Unterhaltung. Auf diese Weise kam dem Stall im Dorfe eine gemeinschaftsbildende Rolle zu. Auch in der Vererbung der Traditionen war er von Bedeutung. Während der schweren Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts veränderte sich die Form der doppelintravillanen Siedlung. Zu den zwei Gürteln kam zu Verteidigungszwecken ein dritter hinzu: die Kirche wurde mit einer Palisade umgeben. Diese Form wurde zum Schutz gegen den Feind herausgestaltet. 102

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