A Nyíregyházi Jósa András Múzeum évkönyve 1. - 1958 (Nyíregyháza, 1960)

Merényi Oszkár: Paul Szemere’s Antikritik gegen Kölcsey über die Beurteilung von Berzsenyi’s Gedichten (1817)

PAUL SZEMÉRE' S ANTIKRITIK GEGEN KÖLCSEY ÜBER DIE BEURTEILUNG VON BERZSENYI' S GEDICHTEN Es ist fast beispiellos in der Weltliteratur, dass ein sozusagen auf dem Höhepunkt seines dichterischen Schaffens stehender Dichter, wie Daniel Berzsenyi (er schrieb eine seiner besten Oden : die Hymne an die Göttern von Keszthely im Jahre 1817) infolge einer verletzenden Kritik plötzlich verstummt und von nun an bis zu seinem Lebensende (noch zwanzig Jahre lang) — von 2—3 bedeutenderen Gedichten abgesehen — aufhört weiter als Dichter zu wirken. Kölcsey's Kritik (1817) traf Berzsenyi unerwartet. Der Ton der Beurteilung war, besonders einem grossen und damals allgemein anerkannten Dichter gegenüber verletzend und ungewohnt. Doch verteidigte Berzsenyi niemand vor der Öffentlichkeit, und so war er gezwungen, seine Verteidigung selbst zu schreiben, obzwar er sich früher nie mit Kritik und Aesthetik beschäftigte. Damit verbrachte er aber — grösstenteils — seine letzten zwanzig Jahre. Doch lebte damals ein Kritiker, Paul Szemére, der eine umfangreiche „Rettung" Berzsenyi's gegen Kölcsey verfasste, und zwar gleich, nach­dem er Kölcsey's Schrift gelesen hatte. Die Handschrift kam jedoch nicht zur Veröffentlichung, denn Kölcsey war der beste Freund von Szemére, und der Antikritiker liebte mehr seinen Freund, als die Wahrheit. So zog er seine „Rettung" zurück und verbot sogar die Veröffentlichung seiner Berzsenyi's Dichtung verteidigenden Schrift. Szemére entdeckt die inneren Widersprüche von Kölcsey's Kritik. Berzsenyi's Charakterisierung durch Kölcsey findet er äusserst einseitig. Seine dichterischen Tugenden und seine Fehler seien von Kölcsey ohne Zusammenhang und sehr wiedersprechend beurteilt worden. Szemére befasst sich mit jeder Äusserung Kölcsey's und kann ihm nicht zustim­men, weder was den Inhalt, noch was die Form betrifft ; er hat ganz andere Meinungen, und verteidigt Berzsenyi's dichterische Individualität. Besonders die Verteidigung (und Charakterisierung) der sogenannten Provinzialismen, der Jugendwerke, der Eigenart der dichterischen Sprache, der von Kölcsey angegriffenen Gedichte, der Episteln ist her­vorzuheben. Bedeutend sind die Äusserungen über Berzsenyi's roman­tisch-dichterische Eigenschaften. Szemére beurteilt die herrschende Stimmung der Kritik Kölcsey's scharf : die Indignation, wozu Kölcsey in Zusammenhang mit Berzsenyi's Gedichten keine Ursache hatte. Auch die Urteile, die Kölcsey über die ältere ungarische Literatur fällt, seien — nach Szemere's Meinung — nicht genug begründet. Man könne der Eigenart einer sich entfaltenden nationalen Literatur nicht gerecht wer­den, wenn man nach fremden kritischen Masstäben und in Vergleich mit einer kulminierenden fremden Literatur urteilt. Szemere beruft sich auf Herder als Muster der Beurteilung der Literaturen und ist 248

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