Horváth János: Kunffy Lajos - A somogytúri Kunffy Emlékmúzeum katalógusa (Kaposvár, 2005)

Speisezimmer Das Speisezimmer ist der Salon der adeligen Kurie. Seine volkskunstähnliche Einrichtung hat selbst Lajos Kunffy als Andenken seines Elternhauses ausgewählt.Die Traditionen der volkseigenen Kultur haben ihn 1870 in Orci und Gálosfa tiefer getroffen. In Paris lebte er jahrelang zwischen französischen Stilmöbeln. Als er in der Sommerzeit heimkehrte, hatte er große Anziehungskraft zur Welt der Volkskunst gefühlt. Statt einer großbürgerlichen, bzw. landadeligen Einrichtung des Salons hat er um 1920 eine komplette im Grund rot bemalte mit Blumen gemusterte Speisezimmereinrichtung machen lassen. Die an der Wand hängenden Gemälden waren mit der Einrichtung harmonisiert. Auf diesen farbenfrohen Bildern, die Kunffy nach präzisen Beobachtungen gemalt hat, sind in Tracht gekleidete Mädchen und Jungen bei Hochzeitsereignissen und Erntefesten zu sehen. Ein grosser Anteil der Kunst von Kunffy besteht aus Genrebilder und aus Bilder, die das Leben und Einwohner des Dorfes darstellen. Auf seinem Selbstbild von älteren Jahren verkörpert er die Figur eines traditionen­pflegenden Patritoten, der sich in die Einsamkeit des Landes zurückgezogen hat. Gästezimmer Kunffy hat sommers seine geliebtesten Malerkollegen zur Schöpfungsarbeit eingeladen. Der Hauptvertreter der modernen ungarischen Malerei József Rippl-Rónai war hier zwischen 1905-1908 mehrmals zurückkehrender Gast. Berühmte Porträts hat er über nach französischer Mode gekleidete Frau Kunffy gemalt. (Bekannt ist das Bild mit dem Titel „Kunffy Kind", das er noch 1904 in dem Vargaligeter Kunffy Gut gemalt hat. Irgendwo ist auch noch ein über Kunffy gemalte Bild versteckt.) Der Hausherr hat eine liebevolle Episode über den zu Gast eingeladenen Rippl-Rónai geschrieben: Auch Józsi hat sehr viel in Somogytúr gearbeitet. Über meine Frau, die ihm gern posierte, hat er eine ganze Reihe von Bildern gemalt. Diese Bilder hat nach meinem besten Wissen Marcell Nemes, der bekannte Kunstsammler gekauft. Meine Frau hat dafür auch Honorar bekommen; eines der hübschen Porträts hat er ihr geschenkt. Meine Frau hat Józsi wegen seiner guten Laune und kerniges Ungarisch. Er hat von ihr den Kosenamen Ocskay bekommen. In dieser Zeit wurde im Lustspieltheater „Der Ocskay Brigadier" von Ferenc Herczeg gespielt. Der Darsteller dieser Rolle erinnerte sie an Rónai. Während ihrer Posierung gab es eine lustige Episode. Meine Frau hat ihn so gegen Mittag gefragt: „Sagen Sie Ocskay, soll ich noch weiter posieren oder darf ich jetzt in die Küche gehen, um zu sehen, ob das Essen schon gut ist. Da hatten wir eine neue Köchin, meine Frau war noch nicht ganz sicher, ob alles gut läuft, ob ihre Wissenschaft entsprechend ist. Józsi befand sich in einem großen Dilemma, da er tief in seiner Arbeit saß, überlegte eine Weile, endlich spuckte aus: „Nun gehen Sie bitte in die Küche!" Er mag nähmlich nicht nur das Schöne, sondern auch das Gute, besonders bei den Speisen. " 88

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