Hann Ferenc: Paulovics. Kántor Lajos és Kocsis István írásaival (A PMMI kiadványai. Pest Megyei Múzeumok Igazgatósága – Ferenczy Múzeum, Szentendre, 2008)

Hann Ferenc - Die Laufbahn des Künstlers

Im Lebenswerk des Künstlers bedeuten die Portraits eine wichtige Einheit. Auch die Reihe seiner Selbstportraits und die der bedeutenden Persönlichkeiten der un­garischen Literatur und die der ganzen Welt bedeutet mehr, als die photographie­artig genauen, leicht erkennbaren Darstellungen. Diese seit dem Hellenismus vor­kommende Formulierungsart wird psychologisierendes Portrait genannt. Paulovics fertigte - mit Vorliebe für die Collage - schon in Siebenbürgen Textfragmente, unter­schiedliche bildliche Hinweise neben das Portrait, die sich als Attribute verhalten. Diese reiche Portraitserie wurde auf ähnliche Weise auch in Deutschland fort­gesetzt. Hier entstanden neben Sándor Márai, Károly Kós, Kafka, Domokos Szilágyi und Solschenizyn Portraits über den in die Ferne blickenden Madách und den nach­denklichen Gyula Illyés. Im letzten Fall werden schon keine Textstücke mehr neben dem Meister dargestellt, sondern er wird - fast als Glorienschein - von einer abstrak­ten Gedankenanhäufung umgeben. Es ist also erneut ein Fortschritt in Richtung zur poetischen Abstraktion. Die Leinwand Der letzte Tag von Pé-Gé (1995) ist gleichzeitig Abschluß und Öffnung. Das Werk wurde von derTodesnachricht seines guten Freundes Géza Pás­kándi inspiriert, die er aus dem Radio erfuhr. Der Tod von Páskándi, eines der wich­tigsten, in jeder literarischen Kunstart Meisterwerke schöpfende Schriftsteller des Jahrtausendendes, berührte den Künstler zu tiefst. Entweder wollte er nicht, oder er war nicht in der Lage, ein Portrait von ihm zu malen. Dieser Opus ist ein Hom­mage und gleichzeitig eine Geisterbeschwörung, die miteinander replizierenden Farben, die impulsiven Gesten reden über das Wichtigste, über das Unfaßbare, über das Fehlen und darüber, daß jemand „fortging", aber in einer anderen Seins­form trotzdem ewig unter uns bleibt. Formatisch gesehen (im Hinblick auf die malerische Lösung) ist diese Leinwand natürlich nicht ohne Vorgänge. Es gibt einige in großer Auswahl (Sternschnuppe; 1 993; Die Nachricht des Sommers, 1 994; Entwicklung, 1995; Gewitter, 1 995; Die Tore - Serie, 1995; Sonnenaufgang am Plattensee, 1997; usw.). Hier ist schon ganz eindeutig von der lyrischen Abstraktion und natürlich von der Gestenmalerei die Rede. Natürlich finden wir leicht Parallelen aus der Gesell­schaft der großen europäischen Meister (Dubuffet, Härtung), was wir aber nicht gern tun, denn Paulovics ist ein Künstler integrierender Art, der sehr empfindlich auf die Kunstbewegungen der Welt reagiert, und obwohl er alles, was ihn berührt, in seine Piktur einarbeitet, entfernt er sich zurückhaltend von alldem, wenn es kei­ne persönliche Berührung dazu gibt. Darum ist es möglich, daß er Werke fast parallel zu scheinbar abweichenden Betrachtungsarten malt, obwohl cas verständige und aufmerksame Auge gut sieht, daß die die Jahre in Siebenbürgen zitierenden Leinwände (Landschaft der Szilágyság, 1993; Hargita am Nachmittag, 2001) und auch die noch von der hin­weisartigen Darstellung entfernten Werke von einer Hand stammen. Als Schlüsselwerk (oder Schlüsselwerke) des Jahrzehntes in Deutschland kön­nen wir die graphische Serie aus 25 Blättern mit dem Titel D'43 (Untertitel: Unseren Helden gedenkend) bezeichnen, die den mehreren Tausend ungarischen Soldaten gedenken, die 1943 am Donknie gefallen sind. Natürlich gedenken nicht nur ih-

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