Hann Ferenc: Paulovics. Kántor Lajos és Kocsis István írásaival (A PMMI kiadványai. Pest Megyei Múzeumok Igazgatósága – Ferenczy Múzeum, Szentendre, 2008)
Kocsis István - Der Altarbild- und Leidenswegmaler László Paulovics (Detaile)
Was sagt das Altarbild? Was sagen die Bilder des Mysterienspieles? Ich schaue die Bilder an und höre: Jesus fordert den Menschen auf, anstelle des Lebens das wahre Leben zu wählen. So zu sein, wie vor dem Sündenfall. Sich auf das Niveau des ursprünglichen Menschen zu erhöhen. Das Geistige in sich zum Triumph in sich selbst zu führen. Sich selbst besiegend zum wahren Menschen zu werden. (...) Das Geheimnis von László Paulovics ist das Geheimnis vieler Tausende von Szatmár: die Ureinwohner von Szatmárnémeti flüchteten vor der Bedrohung in der damaligen Epoche in die uralten Traditionen der Stadt. Sie flüchteten in der immer größer werdenden Bedrohung wie in eine uneinnehmbare Burg in die Mysterien der alten Zeiten. (...) Wenn mein Freund László Pauiovics jetzt auch hier in der Kirche wäre, würden wir uns gegenseitig ins Wort fallend auf „ausruhende Weise" über das Theater reden... Würdig würden wir den Glauben, das Selbstbewußtsein und den Mut der Schauspielerfürsten würdigen, die das Theater von Szatmár zu einem Theater der goldenen Epoche verzauberten, wir würden ihre Haltung und ihre Kunst, die der Sieger loben, die in den furchtbarsten Zeiten die furchtbaren, dramatischen Situationen beherrschten. Und sicher würden wir auch darüber einer Meinung sein, daß wir nicht zufällig über die große Epoche des Theaters von Szatmár sprechen - als auch der Bühnenbildner ein großer Künstler war -, sicher nicht zufällig, denn wir können uns nicht damit abfinden, öaß dieTheater von Budapest heute anspruchsloser und unbedeutender sind als das Theater von Szatmár in den tatsächlich unerträglichen siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Die große Epoche des Theaters von Szatmármémeti - grübele ich auch hier - ist das tatsächlich das Rätsel, daß die Künstler von Szatmár in der immer größer werdenden Gefahr in die ungarischen Traditionen, Mysterien der alten Zeiten als uneinnehmbare Burg flüchteten? Zauberten sie tatsächlich ihr Theater in die goldene Epoche des Ungarischen ^heaters des 19. Jahrhunderts mit der Würdigung der alten belebenden Traditionen, der heiligen Traditionen zurück, als auf den ungarischen Bühnen die Katharsis noch alltäglich war? Es wäre sicher gut, die Antwort auf diese Fragen zu bekommen, denn wenn wir würdig darauf antworten können, dann können wir vielleicht auch auf die schmerzlichsten Fragen von heute antworten: Warum liegt das ungarische Schauspiel von heute im Sterben? Warum gibt es im heutigen Ungarn keine wahren, den Traditionen der goldenen Epoche würdige Nationaltheater? Vielleicht darum - könnten wir über diese Antwort grübeln - weil niemand das übernimmt, was das Theater von Szatmár unter schwereren, viel schwereren Umständen übernahm: die Stimmangeber des ungarischen Schauspiels von heute bauen keine uneinnehmbare Burg aus den Wunde rsteinen der ungarischen Traditionen und Mysterien der alten Epoche: Sie ehren nicht die alten belebenden Traditionen, die heiligen Traditionen, sondern verspotten sie eher, und bereiten so besondere, bedauernswerte Dramen vor: In diesem Drama ist der tragische Held, der vernichtende Schläge erleidende Held niemand anders, als das Ungarische Schauspiel...