Katalin Gellér: Die künstler-kolonie in Gödöllő 1901-1920 (Gödöllő, 2001)

t rsu KAV.V.ANAPÄ turns bis zur Landnahme" [A magyarság őstörténete és mű­veltsége a Honfoglalásig], Budapest 1923.) Die Lebensweise und die Kunst der von der Verstädterung unberührten, entlegenen Gebiete bedeuteten auch die Er­haltung der urtümlichen, unverfälschten Glaubenswelt - so wie zuvor im Falle der Meister von Pont-Aven, Paul Gauguin und Paul Sérusier. Dies verleiht den Werken von Medgyaszay, Körösfői-Kriesch und Rezső Mihály, welche zur Kirche ge­hende Dorfbewohner darstellen, sowie dem Teppich mit dem Titel „Bibel" [Biblia] von Sándor Nagy ihren wahren Inhalt. Die Volkskunst des Kalotaszeger Beckens erlangte symboli­sche Bedeutung, weil man sie als den wichtigsten Hüter der Erinnerung an die ungarische Vergangenheit betrachtete: „Die Kunst, die das Ungarntum mitgebracht hat, ist nur noch in den bäuerlichen Formen lebendig", schrieb Körösfői­Kriesch in einer Abhandlung über die Kunst in dieser Region. Wie Károly Kós waren die Gödöllőer der Überzeugung, daß die mittelalterlichen Kirchen und die lebendige Handwerks­kunst die letzten Denkmäler des ungarischen Mittelalters seien. Körösfői-Kriesch verwandte die umzäunte Kalotaszeger Kirche und das Grabholz, welche die Jungen Architekten [Fia­tal Építészek] 1906 zu ihrem Emblem gemacht hatten, in zahl­reichen Werken als Leitmotive. Sie verarbeiteten das Gesehene auf synkretische Weise; so z. B. Körösfői-Kriesch in seiner Mo­saikkuppel für den Friedhof Kerepesi út [in Budapest], die ein typisches siebenbürgisches Gebäude in der Vision vom himm­lischen Jerusalem zeigt. Von der Gleichsetzung des Alten und des Volkstümlichen ausgehend rekonstruierte Thoroezkai Wigand Etzels Herrensitz und Palast aus den Elementen der Szekler Baukunst, Sándor Nagy aus den Holzsäulen Transda­nubiens und den Grabhölzern. Die Bordüre von Sándor Nagys Wandteppich „Etzels Heimkehr von der Jagd" [Attila hazaté­rése a vadászatról], ehemals ein Wandschmuck des Nationalen Salons, und das Glasfenster des Veszprémer Theaters sind Apotheosen der Vergangenheit und der Volkskunst. DIE DARSTELLUNG VON GESCHICHTE, MÄRCHEN UND MYTHEN Die Gödöllőer waren in erster Linie idealistische Künstler; nach ihrer Definition war das Kunstwerk „eine Idee, die Form angenommen hat" (Sándor Nagy), der Träger einer „Weltan­schauung" (Aladár Körösfői-Kriesch). Diese Ausrichtung auf abstrakte Ideen verkörpern auch Ödön Moirets vergeistigte Figuren sowie seine Texte, die er auf seine Skulpturen und Reliefs geschrieben hat. Sie betrachteten es als moralische Verpflichtung, die „uralten Symbole" zu finden (Körösfői­Kriesch), einen ungarischen Mythos zu schaffen, welchen sie, ähnlich wie die Generation der großen deutschen Romantiker, als vom Subjekt geschaffenes künstlerisch-moralisches Pro­gramm verstanden. Ihre Quellen waren die griechisch-römische Mythologie, die Aladár Körösfői-Kriesch: Kassandra / Gobelin, um im Bibel und die beliebten Themen der ungarischen historischen

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