Katalin Gellér: Die künstler-kolonie in Gödöllő 1901-1920 (Gödöllő, 2001)
beit, in der er das Erwarten ihres Kindes verewigte, gab er den Titel „Heilige Erwartung" [Szent várakozás] (1904), Eine Skulptur Körösföi-Krieschs trägt den Titel „Sancta Mater", und Ödön Moirets Skulpturen sind fast alle verklärte Frauenfiguren, die Ideen verkörpern („Unschuld" [Ártatlanság]). Ferenc Sidlós Skulptur „Erwachen" [Ébredés], die seine Frau zeigt, durchdringt ein schmerzerfülltes Wegsehnen, Die Ausführung der Entwürfe, das Weben und Sticken, in der Webwerkstatt wurde im allgemeinen von Frauen erledigt. Die zumeist aus Handwerkerfamilien des Ortes stammenden Weberinnen wurden als Familienmitglieder behandelt, und sie nahmen auch an den Ausflügen und Feiern teil. Bei Körösfői-Kriesch, Sándor Nagy und Rezső Mihály erschien auch das Bild der bedrohlichen, vernichtenden Frau des Jugendstils, wenngleich weniger betont. Sándor Nagys in artistischem Bogen nach hinten gebeugter weiblicher Akt „Sehnsucht" [Vágyódás] ist - verglichen mit den Sündenallegorien Franz von Stucks und Gustav Klimts - eine um der schwungvollen Linien willen angefertigte Arbeit mit feinen japanischen Zügen. Rezső Mihály, der in seinen Werken die Einflüsse Aubrey Beardsleys und der geometrischen Richtung des Jugendstils verknüpfte, verwandte in seinen Federzeichnungen die beliebten Topoi der symbolistischen Graphik, indem er körperlose Herzoginnen in schneeweißen Kleidern, androgyn anmutende Liebespaare darstellte. In seinen farbigen Tusche- Aladár Körösfői-Kriesch: Frau im roten Kleid/öl, Holz, 1897 Zeichnungen „Diabolo" und „Puppen bewegende Frau mit Hut" [Bábmozgató kalapos nő] erwacht die Puppen bewegende Frau von Félicien Rops zu neuem Leben, wo die Hand der Frau eine kleine männliche Figur als Marionette bewegt. In seinen Aquarellen mit Frauenfiguren ist der besondere, beinahe bedrohlich breite Mund das dominante Motiv. Sándor Nagys frühe dekorative Motive entstanden aus der Kontamination von Frauen- und Tierfiguren, die zeitgleich mit den dekorativen Zeichnungen auch in den bizarren, auf verschiedene menschliche Sünden hinweisenden Phantasiezeichnungen erschienen: Frauen mit bekrallten Brüsten und einem Tiger- oder Vogelkörper, die gleichermaßen an die bedrückende Welt der Werke Alfred Kubins und die Visionen des späten Mittelalters erinnern. In seinem Gobelinentwurf „Die Rose und der Schmetterling" [A rózsa és a lepke] ist ein im Kuß ineinander verschlungenes Liebespaar zu sehen, doch ein Arm der Rosenfrau umfaßt den Schmetterlingsmann mit dornigen Ästen und endet in einer Hand mit riesigen Krallen. Ferenc Sidló: Erwachen / Marmor, 1911