Katalin Gellér: Die künstler-kolonie in Gödöllő 1901-1920 (Gödöllő, 2001)
FAMILIEN- UND FRAUENBILD Ähnlich wie bei den Meistern der Schule von Glasgow lebten auch in Gödöllő überwiegend Künstlerehepaare. Mehrere Künstler zogen mit ihren Frauen hierher, viele fanden unter den Künstlerinnen der Webschule ihre Partnerin: z. B. Ferenc Sidló - Carla Undi, Rezső Mihály - Lenke Boér, und Jenő Remsey die schönste Künstlerin der Kolonie, Vilma Frey. bzw. rotem Kleid („Frau im grünen Kleid" [Zöld ruhás nő], „Frau im roten Kleid" [Piros ruhás nő] (1897) darstellen, sind Seelenporträts und zeigen, daß der Maler auch die Meisterschule von Károly Lötz besuchte. Seine Porträtreihe von Weberinnen charakterisieren farbige, linienhafte Darstellungsweise und Jugendstildekorativität. Vilma Frey z. B. malte er 1909 auf einem Bild von länglichem Format vor einem landschaftlichen Hintergrund in einem schwarzen Kleid mit gelben Punkten und grünem Saum. Seine lyrische AusdrucksSándor Nagy: Heilige Erwartung / Tempera. Gesso. 1904 Frauen wurden von den meisten als Madonna oder Mutter dargestellt. Körösfői-Kriesch, der auf seiner Italienreise mehrere Madonnenbilder kopiert hatte, verwies gelegentlich auf seine Vorbilder, so auch 1908 mit dem Porträt seiner Frau mit Sohn Iván, einer Madonna in siebenbürgischem Milieu. Von seinen frühen Werken ist „Glücklichsein" [Boldogság] (1898) ein einzigartiges Werk voller Mystik, das die Schlußfolgerungen der Pleinairmalerei integriert. Auf seinem Gobelin „Familie" [Család] (1906) erinnert die liebevolle Zärtlichkeit, mit der die weibliche Figur ausgeführt ist - die auf der ebenen Fläche in einen einzigen Farbfleck plazierte Figur und die sanften Linien der Falten des Kleides -, an die MutterKind-Darstellungen von Maurice Denis. Körösföi-Krieschs frühe Porträts, die seine Frau in grünem weise zeigt eine nahe Verwandtschaft mit der frühen Porträtmalerei der Künstler von Nagybánya, die dekorative und Pleinairelemente vermischte. Aladár Körösföi-Krieschs beste Frauenporträts kennzeichnet die weiche Darstellung der Gesichter mit jeweils einer Pastellfarbe („Frau im roten Kleid" [Piros ruhás nő], 1897), in seinen Graphiken zeigt er den Charakter der Abgebildeten durch die Verklärung des Gesichtsausdrucks („Bildnis der Nóra Abt" [Abt Nóra arcképe], 1908). Die Doppelporträts von Sándor Nagy und seiner Frau beherrschen der Ausdruck der inneren Einheit sowie die von Idealismus und Seelischem erfüllte Atmosphäre („Doppelporträt" [Kettős arckép], Bleistiftzeichnung um 1904). Ihre Verlobung malte Sándor Nagy als profanen Englischen Gruß („Ave Myriam", 1904). Der Ar-