Katalin Gellér: Die künstler-kolonie in Gödöllő 1901-1920 (Gödöllő, 2001)

Sándor Nagy: Unser Garten/Ől. Tempera. Holz. 1902 Ferenc Sidló und Carla Undi. 1911 Reihe vor dem bühnenhaften Hintergrund der Rokokogärten spielt. Sándor Nagy stellte auf seinem Doppelporträt „Unser Gar­ten" [A mi kertünk] (1902) sich und seine Frau im Garten dar. Die Eule, das Reh und die Lilien auf dem ín Veszprém ent­standenen Gemälde waren im tatsächlichen wie im symboli­schen Sinne in ihrem Garten zu finden. Auf dem Kupferstich „Der Herd" [A tűzhely] ist das Ehepaar im Inneren des Hauses zu sehen, in der Zimmermitte pflegt Laura Kriesch einen riesi­gen Rosenstrauch. Die Rose und die stark stilisierten Blumen symbolisieren auch in anderen Werken von ihm, z. B. auf den zunichte gewordenen Glasmalereien des Nationalen Salons, die Pflege und die Ausübung der Kunst. Auf seinem nach 1907 entstandenen Gemälde „Doppelbildnis" [Kettős arckép] erscheinen er und seine Frau vor einer Mauer und sind in der nach innen gekehrten Selbsterbauung vereinigt. WERKSTÄTTEN Die Gödöllöer Gesellschaft charakterisierte - ähnlich wie an­dere Werkstätten jener Zeit - eine Mischung aus abstrakter Geistigkeit und Praktizismus, romantischem Idealismus und Jugendstilpragmatismus. Das große Experiment der Jahrhun­dertwende, die Integration von Kunst und Kunsthandwerk, warf auch hier unzählige Fragen auf. Die Gödöllöer verurteil­ten bis zum Schluß konsequent die Massenproduktion und blieben bei ihrer Überzeugung, die ordentliche handwerk­liche Tätigkeit sei die einzig menschenwürdige. Als erfolgreichste und langlebigste ihrer Gründungen er­wies sich die Webschule. Aladár Körösföi-Kriesch übernahm 1904 die Webstühle der Werkstatt von Sarolta Kovalszky in Németelemér, und auch die Weberin Margit Guilleaume zog nach Gödöllő. Neben der Einführung der Techniken der Heim­industrie, der Fertigung von Wand- und Bodenteppichen so­wie Kissen für den täglichen Gebrauch begannen sie auch mit dem Entwerfen und der Ausführung der Kompositionen, die ihre Ideen zum Ausdruck brachten. Léo Belmontes Beteili­gung an der Arbeit war eine große Hilfe. In Gödöllő arbeiteten hervorragende Weberinnen: Lenke Boér, Vilma Frey und Ró­zsa Frey. Letztere war die Leiterin der Webwerkstatt. Sie ent­warfen auch selber ornamentale und figurale Teppiche. 1907, als die Werkstatt zur Lehrwerkstatt der Kunstgewerbeschule [iparművészeti Iskola] wurde, erhöhte sich die Zahl der Schü­ler bedeutend. Man wandte die verschiedensten klassischen und volkstümlichen Techniken an, z. B. die verschiedenen Arten des Gobelin, die Sumakweberei und die Kelimstickerei. Die Gödöllöer wollten nur natürliche Materialien verwenden, zum Färben bauten sie entsprechende Pflanzen an. 1913 schickten sie Rózsa Frey nach Mora in Schweden, damit sie die dort angewandten Färbetechniken erlernte. Sie brachte auch ein norwegisches Handbuch mit, das die wichtigsten Färbetechniken beschrieb. Die Teppiche der Gödöllöer ernteten auf Ausstellungen in Ungarn und im Ausland Erfolg. Dank der Webwerkstatt wurde

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