Borhy László szerk.: Acta Arheologica Brigetionensia. A római kori falfestészet Pannóniában. Komárom, 1998.

A konferencia előadói és résztvevői - 2. Brigetio falfestészete - László Borhy (Budapest): (FO: Komárom/Szőny-Vásártér, Ungarn) freigelegten römischen Wandmalereien

•SB BERICHT ÜBER DIE ZWISCHEN 19924996 IN BRIGETIO FREIGELEGTEN RÖMISCHEN WANDMALEREIEN Was die Flächenbehandlung und die im Bereich der griechischen Kunst gefestigte Darstellungsweise betrifft, folgt die aus Musterbüchern ausgewählte nackte weibliche Reiterfigur von Brigetio­Vásártér den griechisch-hellenistischen Vorbildern: ihre Frisur mit dem Knoten, ihr Profil wirken eindeutig „griechisch", das bunte Band an ihrem Oberschenkel bzw. Oberarm wurde in der römischen Kunst ebenfalls von den Griechen übernommen. Fast das gleiche ikonographische Muster spiegeln die Nereiden auf Seepferd bzw. Seepanther wider (die sog. Nereide bruna und Nereide bionda), die auf dem Wandgemälde der Villa delle Vendetrice di Amori in Stabia (FO: Sommità del Colle Varano, heute im Nationalmuseum von Neapel), bereits aus ihrem ursprünglichen mythol­ogischen Kontext ausgerißen, in rotem Hintergrund dargestellt sind. 34 Von den beiden kann die nackte Nereide bruna - mit hinter ihrem Rücken flatterndem Mantel, auf steigendem Seepferd liegend - als engstes ikonogrpahisches Vorbild zur weiblichen Reiterfigur von Brigetio­Vásártér betrachtet werden. Trotz der Vorbilder und engen Parallelen spiegelt das Wandgemälde von Brigetio­Vásártér den Gedanke der Erneuerung der Ikonographie wider: es könnte durchaus sein, daß zum Pferd nicht nur wegen des fragmentarischen Zustandes des zentralen Bildes der Decke bisher keine Fragmente von Fischschwanz oder Flößen - die auf ein fabelhaftes Meerwesen hindeuten könnten - gehören, sondern es sowas vielleicht überhaupt nicht besaß. In diesem Fall muß man ganz einfach mit der Darstellung einer nach dem Vorbild der Nereiden auf Seepferd aufgrund von Musterbücher bemalte nackte Frau auf einem realistischen Pferd rechnen, die nichts mehr mit dem mythologischen Inhalt zu tun hatte. 35 Eine weitere Spielmöglichkeit bat dem Maler der zentrale Kreis an: dieses geometrische Gebilde im Zentrum der Decke grenzt die weiße Fläche, in der die Frau auf dem Pferd reit­et, ab. Dieser in Rahmen gezwungene Raum ermöglichte dem Künstler, seine Fähigkeiten auf die Probe zu stellen: der Oberkörper des in intensiver Bewegung dargestellten Pferdes folgt eigentlich der Kreiskomposition, und es wendet seinen Kopf zurück zum Gesicht der Frau, und blickt von der Decke herunter, gerade ins Auge des Betrachters. Die Verwirklichung dieser Komposition stellte eine Herausforderung der Kenntnisse im Bereich der Perspektive und der Anatomie des Malers dar: der Hals des Pferdes wird infolge der Richtung der Bewegung entgegengesetzten Verdrehung duch eine dunkelbraune Linie per­spektivisch veranschaulicht und bringt die Torsion des Körpers zur Geltung. Eine derartige Bewegung darstellen zu können und das Motiv der schwebenden Nereide auf Seepferd in eine reitende Figur umgestalten zu können, war durch Musterbücher möglich, die ein bre­ites Repertoir z.B. zur Anatomie des in Bewegung dargestellten Pferdes bat. Es seien hier nur die Pferde der Schlachtszene auf der in der pompejanischen Casa del Fauno gefundenen, 54 O. Elia, Pitture di Stabia. Napoli 1957, 66f. 55 Darstellung von Frauen mit nacktem Oberkörper, in ähnlicher Körperhaltung war nicht nur im Kreis der Nereiden bekannt - wird z.B. in Pompji in der Casa dei Vetti dargestellt (Die Sühne von Dirke): Borda a.O. (Anm. 9) 243. bzw. in der Casa dei Dioscuri in der Szene von Satiro e Menade: ebenda S. 62. Eine endgültige Entscheidung dieser Fragen ist jedoch im Moment noch nicht möglich. Tatsache ist dennoch, daß bisher keine Fragmente weder auf Meeresumgebung noch auf ein Seewesen hindeuten, während der Restaurierung ist aber aus den Fragmenten der Wandmalereine von Schnitt E13 ein dritter Pferdehuf gefun­den worden - und kann vielleicht die oben geschilderten Ideen bekräftigen. Dieser Huf kann zum zentralen Bild noch nicht einfügt werden, da die „untere Hälfte" des Medaillons noch äußerst fragmentarisch ist. ACTA «ARC; lAEl > ICA -r.RKïETIONENSIA 85

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