Gecse Annabella et al. (szerk.): Tisicum - A Jász-Nagykun-Szolnok Megyei Múzeumok Évkönyve 18. (Szolnok, 2009)

Néprajz - Porkoláb Péter: Parasztság és agrárhelyzet Magyarországon Tiszadob példáján 1945–1975

Tisicum XVIII. Péter Porkoláb Das Bauerntum und die Agrarlage in Ungarn, durch Beispiel von Tiszadob 1945-1975 Vor 1945 erhielt sich fast die volle Bevölkerung von Tis­zadob als Bauern lebend, von landwirtschaftlicher Arbeit, überwiegend als Bauern ohne Grundbesitz oder in vielen Fäl­len als besitzlose Gutsarbeiter. Die im Jahre 1945 beginnen­de Privatbewirtschaftung konnte sich in der Landwirtschaft nicht stabilisieren, da die politische Leitung des Landes die Dorfbewohnerschaft unberechenbar herumriss, um die Gül­tigkeit ihrer eigenen politischen Rechte zu bestätigen. Zwi­schen 1959 und 1962 tobte die Vergenossenschaftlichung. Obwohl es der Dorfbewohnerschaft sehr schwer fiel, brach­te sie doch die Möglichkeit der Vermehrung für sie mit. Sie ermöglichte den Dorfbewohnern die Hauswirtschaft, was die Hälfte des ganzen Einkommens von denen betrug, die diese Arbeit intensiv verrichteten. Der finanzielle Spielraum dieser Familien (Aufschließung an die Ebene der städtischen Wohnungen, Ersparung, Förderung der Kinder) wurde da­durch kraftvoll erweitert. Trotzdem waren die in den land­wirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften Arbeitenden den Befehlen der Genossenschaftsleiter unterworfen und sie betrachteten die gemeinsame Wirtschaftsführung nie als ihr Eigentum. Bis zur Mitte der 1970-er Jahre lebten die sich auf den bäuerlichen Traditionen gründenden Arbeitsmethoden und Bräuche sowohl im Dorf, als auch in der Genossenschaft und in der Hauswirtschaft kraftvoll weiter. Da wurden die alte Leitung bäuerlicher Herkunft und die arbeitende Schicht von einer neuen, ausgebildeten leitenden, bzw. arbeitenden Schicht abgewechselt. So wurden das partielle Weiterleben und die bruchweise geschehene Übergabe des Kenntnis­materials der traditionellen Methoden, Systeme und Mittel in die Hauswirtschaft beschränkt. Dort konnten sie überge­ben werden, wo die Großfamilie, die weitere Verwandschaft oder die Nachbarn und Freunde ihre gegenseitige Hilfe in Anspruch nehmend bloß die angegebene Arbeit restlos verrichten konnten. Solche hervorgehobenen Arbeiten wa­ren die Maiseinbringung und Maislieferung zum Heim und die Gelegenheiten der Kartoffellese, Weinlese und Schwei­neschlacht. Es gab aber damals wenige Familien, die diese auf bäuerliche Arbeiten und Traditionen zurückweisenden Methoden geschätzt hätten. Diejenigen, die doch das getan hätten, bewahrten einfach während der Erhaltung und Betä­tigung der Bewirtschaftung nicht gewusst und gewollt die­se Kenntnisse auf, bzw. gaben sie sie so weiter. Der für die 70-er Jahre charakteristischeste Gedanke war vielleicht der folgende: ” Alle sind verrückt, die in der heutigen Welt zum Bauern werden wollten.” 290

Next

/
Thumbnails
Contents