Benedek Csaba – H. Bathó Edit – Gulyás Katalin – Horváth László – Kaposvári Gyöngyi szerk.: Tisicum - A Jász-Nagykun-Szolnok Megyei Múzeumok Évkönyve 14. (2004)
Balázs Lajos: Az erotika a lakodalom eszmeiségében
und des Verzehrens der Phallussymbole war, die Fruchtbarkeit zu sichern und zu erwerben. In irgendeiner Form befindet sich der Phallismus überall in der Kultur der Völker der Erde. In den s. g. phallischen Religionen und Mysterien blickt er in China, Japan, Indien, Burma und anderen Ländern auf eine besonders lange Vergangenheit zurück. Auch die Kulte der Naturvölker sind reich an den damit zusammenhängenden Beispielen. Die Bedeutung des Phallismus wird durch die Phallusstatuen verschiedener Größe, die Phallus geformten Figuren, Schnitte und die Männerfiguren aus Metall, Holz und anderen Materialien gezeigt. Die Beispiele, die sich auf den Phallus beziehen, können reichlich aufgezählt werden. Zahlreiche Arbeiten der ethnografischen Literatur beschäftigen sich mit dem Fragenkreis von Phallus und der Funktion der Geschlechtsakte und der sexuellen Erörterungen im Zusammenhang mit den veschiedenen Riten. Die besonders wichtige Bedeutung des Phallus und des Geschlechtsaktes kann sich also in der menschlichen Kultur, den Kulten, in den magischen Bräuchen auf Grund der früher Behandelten hervorgehoben werden. Die ungarischen Beispiele des Themas stehen nicht isoliert, sondern sie sind dem ethnografischen Material eng anzuschließen. So können wir auch in dieser Ausstellung mehrere phallische Figuren sehen. Eines der wichtigen Requisiten des Phallusvorführens waren die phallischen Puppen. Die aus Holz angefertigten Männerfiguren wurden in die Hand eines Mädchens (der Braut, der Hexe) gegeben. Der den Phallus verhüllende „Mantel" bewegte sich und der „von sich aus" funktionierende Phallus war zu sehen. Im ungarischen Sprachgebiet waren die phallischen Puppen allgemein bekannt, sie konnten auch an den Zithern gehängt vorkommen. Beim Spiel am Instrument entsteht eine erotische Impression durch die rytmenhafte Bewegung der männlichen und der weiblichen Puppe und weist mit der Abbildung der Genitalien eindeutig auf die Sexualität hin. Ein besonders interessantes Beispiel, das mit dem Phallusvorführen der Todesspiele verbunden werden kann, ist der phallische Sarg. Diesen können wir hier in der Ausstellung sehen. Die in den Sarg gelegte Puppe, der Tote kann gesehen werden, wenn die Sargdecke weggeschoben ist, und der im Verhältnis zur Puppe zu große Phallus „springt auf und das Geschlechtsorgan scheint dadurch in Erektion gekommen zu sein. Die Größe des Phallus ist sowohl bei den phallischen Puppen, als auch bei den Imitationen der Todesspiele auffallend riesig, was die gesteigerte Betonung der Sexualität zum Ausdruck bringt. Liebes Publikum! Lang und heute schon kaum übersehend ist der Weg, an dessen Anfang die phallischen Motive in den Kulten und den verschiedenen Fruchtbarkeitsriten in ihrer ersten Funktion erschienen. Der komplizierte Prozess der Änderung vom Ritus über die Komödie bis zu unseren Tagen wird anhand der griechischen Beispiele aus den klassischen und den neuen Zeiten recht gut zu verfolgen. Dies alles zeigen auch die Gegenstände der Ausstellung, mit den erotischen Merkmalen und phallischen Symbolen der Volkskunst. Im Hintergrund der in der Ausstellung sehenden Gegenstände und Abbildungen stehen Folklorephänomene, die bis zur letzteren Zeit Teile der Volkskultur gewesen sind. So zum Beispiel können wir reichlich in der dramatischen Brauchtradition die Szenen finden, in denen erotische und phallische Erörterungen erscheinen. Auch in der nahen Vergangenheit kam es als Hochzeitsbrauch vor, dass die Braut vor den Gästen einen aus Teig gebackenen Phallus verzehren musste. Fast allgemein bekannt war das Essenlassen der Hahnhoden, neulich das phallische Würstchen, Lammschwanz, usw. Das ist gar nicht zweifelhaft, dass man bei diesen Bräuchen den Fruchtbarkeistritus finden kann. Und eben deswegen ist es gar nicht pornografisch oder obszen. Das Volk würde es als Selbstziel nicht annehmen. So und mit dieser Anschauung sollten wir uns den Gegenständen und Abbildungen der Ausstellung nähern. Hier vor uns werden jetzt die unbekannten Einzelheiten der Volkskultur aufgedeckt. Ich bin davon überzeugt, dass diese Ausstellung als bedeutendes Ereignis zur Geschichte der ungarischen Muséologie kommen wird. 193