Tálas László szerk.: Szolnok Megyei Múzeumi Évkönyv 7. (1990)

Fettich Nándor: A bánhalmi avar leletekről

N. FETTICH: ÜBER DIE AVARENFUNDE AUS BANHALOM 1. Über die Pfaudrache. Die Darstellung der gros­sen Riemenzunge (Abb. 1,1a), gefunden 1953 anläss­lich der Ausgrabung des Museums Szolnok, wurde, in­folge der Ungewohntheit dieser komplizierten Szene als Kunstmotives, und infolge des Verrostens der Oberfläche des Stückes während mehr als 1200 Jahr­hunderte, irrtümlicherweise als Kampfszene bestimmt. In der Mitte sei die Pfaudrache, hinter einem Baum ste­hend, von beiden Seiten durch je einen Reiter ange­griffen. Sie soll ihre Vorderfüsse auf Sprung vorberei­ten. Auf Grund der Untersuchung des Originalstückes wurde durch Verfasser eine andere Sachlage festge­stellt. Bei Bestimmung der Szene soll man aus der Darstellung der Vorderansicht der Riemenzunge aus­gehen (1) und der Rückseite (gekennzeichnet durch die primitive Art der Befestigung des Stückes), die im Grab nach unten gewendet gelegen war, demzufolge ihre Darstellung sich besser erhalten Hess, nur eine se­kundäre Rolle geben. Wollte man auf der Riemen­zunge eine Kampfszene darstellen, so müssten sich die Reiterfiguren gegen die Tierfigur wenden. Diese Reiter sind aber in eine und dieselbe Richtung gewen­det und auch die Pfaudrache in derselben Richtung dargestellt zu finden. Die beiden Lanzenspitzen, ge­wendet „gegen das Tier" sprechen ja für einen Kampf noch nicht. Sie sind an der Vorderseite, d. h. an der Schauseite des Stückes, unsichtbar und bilden demzu­folge keine charakteristische Züge, oder Teile der Darstellung. Die Reiterfiguren tragen hier ihre Lanzen, um sich ihrer im bevorstehenden Kampf zu bedienen, greifen also die mittlere Pfaudrache nicht an. Letztere Figur befindet sich nicht hinter einem Baum. Ein Baum mit solchem Stamm existiert nicht. Wohl handelt es sich aber hier um eine Stange, verziert mit geringelten metallenen Zierscheiben, gekrönt mit einem Strauss, dessen Enden durch den Wind bewegt werden. Es kann hier nur von der Kombinierung des römischen Feldzeichens, verziert mit einer senkrechten Serie der Zierscheiben, mit der Pfaudrache der persischen Sil­berschalen, Textilien und Steinschnitzereien die Rede sein. Insoweit die Reiter nicht auf Pferd, sondern auf Panther sitzen, werden sie nicht als gewöhnliche Menschen, sondern als mythische Helden zu betrach­ten sein. Der Gegenstand der Darstellung lässt sich also als Auszug der mythischen Krieger in helfender Begleitung der Pfaudrache feststellen. Die Szene des Auszuges der Helden in Begleitung des Vogels kommt auf Helmen der Vendelgräber (Schweden, Vll.Jh.) in mehreren Varianten vor. Die Elemente der Darstellung werden aber dort in Stili­sierung des sog. II. Stiles der altgermanischen Tier­ornamentik angegeben. Demgegenüber bewahrte die Szene von Bánhalom die Stilelemente des persischen Musters unverändert (persische Tracht, breite verzier­te Hose auf Abb. 1,1a; Stilisierung der Pfaudrache). Ein Verdienst der ersten Veröffentlichung durch Gy. Kaposvári und V. Szabó (Jászkunság, III. 166-174, 235-241) war die Feststellung des Vorhandenseins des persischen Originalmusters bei Modellierung der Riemenzunge von Bánhalom. Die Szene von Bánhalom scheint eine primäre Über­nahme in der awarischen Bronzegusskunst zu sein. Das Stück stammt aus der frühesten Zeit der Greifen­und Rankengruppe. Dafür spricht vor allem die primi­tive Lösung der Montierung mit Hilfe einer offenen „Tülle" und eines Bronzebleches, die auf die künstleri­sche Wirkung der Darstellung störend wirken. Die gegossene Pseudoschnalle (4) ist eine späte Nachahmung der goldenen Pseudoschnallen (Tépe, Bocsa, Maloe, Perescepinó) verfertigt in Anwesenheit eines alten, abgenutzten (viel leicht auch verdorbenen, oder beschädigten) Originalstückes aus dem Kaga­nenschatz. Am Hangeglied sind zwei Pseudozellen (Nachahmungen von Steineinlagen), am Beschlagteil Nachahmungen von gewundenen Drähten und einer Kugelreihe zu sehen. Unsere Pfaudrache scheint eine persische Variante der Drachen zu sein. Es lässt sich mit Recht annehmen, dass die Awaren die Bilder ihrer Totemahnen {diversas fantasias: Gre­gor von Tours, IV. 29) mit in die Schlacht genommen hatten. Auch die Pfaudrache von Bánhalom mag ein zum Totemahnen gewordenes Feldzeichen sein. Als solches lässt sie sich mit den Tiermotiven der Silber­scheiben der ungarischen Landnahmezeit in eine Rei­he setzen. Diese Tierfiguren der Scheiben werden in der Fachliteratur als Totemtiere betrachtet. Die Um­wandlung der Feldzeichen in Totemtiere ist, im Gegen­satz zu den südlichen Hochkulturen, für die barbari­schen Kulturen der Völkerwanderungszeit bezeich­nend. 2. Technik des Bronzegiessens bei den Awaren. Nach verschiedenen Versuchen von Gy. László, I. Er­délyi, L Jisl, u. a. rekonstruiert Verfasser auf Grund eigener Experimentationen die Technik des Bronze­giessens bei den Awaren folgendermassen: 1. Die Verfertigung eines durchbrochenen oder nicht durchbrochenen Stückes, verziert auf beiden Sei­ten, wie Abb. 1, 1 und Abb. 2, 1 aus Bánhalom, wurde bei den Awaren vorgenommen, wie folgt. Zuerst wurde die Form der Riemenzunge aus Wachs geformt und geschnitzt. Das so gewonnene Stück wurde mit nas­sem Lehm umgeben. Oben, unten und beiderseits 136

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