Kaposvári Gyula szerk.: Szolnok Megyei Múzeumi Évkönyv (1978)

László Szabó: WORTGESCHICHTLICHER HINTERGRUND EINES GEGENSTANDES

In einigen Dörfern von Jazygien wird die Zerlegung des Schweins auf Rippenstück, also die früher allge­meine, gewöhnliche, für sie charakteristische Art der Zerlegung mit dem Ausdruck „magyaros bontás" (un­garische Zerlegung) bezeichnet. Das bildet einen Ge­gensatz zur jüngeren Weise, dem Bauchschnitt, der von den Fleischern verbreitet wurde. In diesem Sinne könnte also „die Ungarngabel" das ältere, Übliche, Traditionelle, früher Allgemeine, für sie Charakteristische dem Neuen gegenüber bedeu­ten. Die Definition des Wortes „német" (deutsch) in Ad­jektivform hat eine ähnliche Bedeutung. Als Beispiele werden die Wörter -Stiefel, -Tanz, -Lied, -Sprache, -Lied, -Kleid zitiert. Unser Gegenstand, die Holzgabel charakte­risiert aber nicht die Deutschen, gehört nicht ihnen, wird nicht von ihnen gebraucht, sondern eben von den Un­garn. Verkauft wurde sie sogar von den Slowaken. Vielmehr dürfen wir meinen, dass die Neuerungen, die neue Mode, neurere Geräte im allgemeinen durch Ver­mittlung der Deutschen nach Ungarn kamen. So wur­den viele Neuerungen, die dem Traditionellem, Üblichen gegenüberstanden, mit dem Adjektiv „német" (deutsch) bezeichnet. So z.B. im Komitat Szatmár heissen die Pantalons németnadrág (deutsche Hose) der Gatyahose gegenüber, die die Ungarn trugen. Auf diesem Lande verbreitet sich sogar die Tuchhose, die am Bein haftet, in die Stiefel zu ziehen ist, erst um die Jahrhundert­wende als Alltagstracht. Die Pantalons kommen noch später, erst nach dem Verschwinden der Gatyahosen­tracht in die Mode, Damit ein Mann auf dem Gebiet hinter der Szamos oder der Theiss die „deutsche Hose" anzieht, musste zuerst die früher erst an den Feiertagen getrangene Tuchhose als Übergang allgemein verbreitet werden. Auf diesem Gebiet hiess die Gatyahose „ma­gyar, lengemagyar" (Ungarisches, luftiges Ungarisches) der „deutschen Hose" gegenüber. Hier bedeutet das Wort németnóta (deutsche Lied) die Operettmelodien (hauptsächlich Walzer) und die Couplets dem magyarnóta (ungarischen Lied) gegenü­ber, wie die Volkslieder und die ungarischen Kunstlie­der als Traditionelles, Gewöhnliches heissen^ Es ist ebenso bei den gegensätzlichen Bezeichnun­gen magyar tánc — német tánc (ungarischer Tanz — deutscher Tanz) auf dem Gebiet hinter dem Fluss Sza­mos und der Theiss, wo das erste Wort den ungarischen Tschardasch und seine Varianten, das zweite die von den Tanz- und Anstandslehrern unterrichteten Tänze bedeutete. 3 Wie es unsere Beispiele zeigen, können wir also sa­gen, dass das Adjektiv „magyar" (ungarisch) als Be­zeichnung für das Gewöhnliche, Traditionelle dem Ad­jektiv „német" (deutsch) das das Ungewöhnliche, Neue bezeichnet, auch in anderen Fällen gegenüberstehen kann. Den Grund dieser Nemensgebung bildet im allge­meinen die Tatsache, dass eine den Ungarn bekannte, von ihnen gebrauchte Sache durch eine andere, von aussen kommende, den Deutschen zugesprochene Sache gewechselt wird, was sich nicht aus der inneren orga­nischen Entwicklung ergibt. Die Gabel wird von den Informatoren auch so cha­rakterisiert als ein Gerät einfacher Struktur, häuslich herstellbar, bzw. das andere komplizierter Struktur, was die grössere Fachkenntnis einer Handwerkers beans­prucht. Wenn die Gabel häuslich herstellbar war, konnte man die noch mehr als eigenen ihnen zugehörendes Gerät betrachten. Der deutsche Wortschatz der Hand­werker begründet zugleich, dass die Holzgabel mit ange­bauten Zinken als Fremdes eben deutsch bezeichnet wurde. Die einfache und dagegen die komplizierte Struktur dürfen aber nicht mit der häuslichen oder handwerklichen Herstellbarkeit in Zusammenhang geb­racht werden, obwohl es aus ethnographischer Hinsicht feststeht. In der Volkssprache finden wir Angaben auch da­für. In einigen Dörfern von Jazygien, und in Rákóczi­falva im Komitat Szolnok heisst der Hefenstrudel ohne Fülle, nur mit Zucker oder Zimt magyarbéles (Ungarn­strudel). Es ist wahr, dass kein Ausdruck mit dem Bes­timmungswort „német" (deutsche) diesem gegenüber­steht, aber er drückt die Einfachheit auch alleinstehend aus. Damit wird nicht nur die Fülle, sondern auch der Teig qualifiziert, da die Verfertigung des gezogenen Strudels sehr kompliziert ist. Sie bedeutet oft den Prüfstein der proffessionellen Kochfrauen bei der Hoch­zeit. 4 Aber man findet auch zusammen vorkommende ge­gensätzliche Ausdrücke, die ebenfalls die Kompliziert­heit und die Einfachheit trennen. In Fehérgyarmat und der Umgebung im Komitat Szatmár kennen die Pferd­chen spielenden Kinder, die einander eine Strippe um den Hals hängen, zwei Arten der Anspannung. Magyar­hám ungariches Geschirr heisst die Methode, indem die Strippe um den Hals des „Pferdchens", dann unter der Armhöhle gezogen wird. Bei dem némethám (de­utches Geschirr) wird der „Zügel" nach der vorher dar­gestellten Anspannung noch einmal um den Hals gezo­gen, wodurch eine Schlinge um die Schultern entsteht 176

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