Varga Gyula: Debreceni szíjgyártók Kathy László, Kádár Gyula (A Hajdú-Bihar Megyei Múzeumok Közleményei 45. Debrecen, 1986)
DEBRECENER RIEMENSCHNEIDER LÁSZLÓ KATHY UND GYULA KÁDÁR Das Handwerk des Riemenschneidens (lorarius) gehört zu einem der lederbearbeitenden und -verarbeitenden Gewerbezweige. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts beschäftigten sich die Riemenschneider auch mit der Aufarbeitung von tierischen Häuten, ihr Hauptbetätigungsfeld war aber die Fertigung von Pferdezaumzeug. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts spezialisierten sich unter ihnen einige zu Satllern. Diese/stellten das Sattelgestell her, während das Beziehen der Sättel mit Leder weiterhin Aufgabe der Riemenschneider blieb. Verwandt blieb diesem Beruf auch die Herstellung von Feldflaschen, da die Riemen für die Feldflaschen vorwiegend von Riemenschneidern angefertigt wurden. Später machten sich die Täschner und Ledergalanteriearbeiter selbständig, doch die Riemenschneider verstanden sich meistens auch auf diese Handwerkszweige. Die Debrecener Riemenschneiderzunft tauchte 1484 auf, gemeinsam mit den Schmieden, ded Schlossern und Waffenschmieden. Ihr Zunftbrief wurde 1489 von König Matthias sowie 1531 un, 1533 von König Johannes belräftigt. Die selbständige Zunft der Riemenschneider bildete sich 1599 und 1783 bildeten die Sattler eine eigene Zunft. Der Debrecener Riemenschneiderzunft gehörten niemals viele Mitglieder an: Im 17. Jh. zählte sie 6—12, im 18. Jh. 12—40, in der ersten Hälfte des 19. Jh. 40—52, Ende des 19. Jh. 50-60 Mitglieder. Im 20. Jh. nahm diese Zahl dann aber rapide ab. In den 1920er Jahren gab es nur noch 10—12 und 1980 nur noch 4 Meister in der Stadt. Doch auch so zählte Debrecen im 18. Jh. unter den damaligen Königlichen Städten noch zu den ersten, selbst vor Pozsony und Pest. Sie waren auch nicht sehr reich, denn die Debrecener Zünfte lagen in dieser Beziehung in einem guten Mittelfeld, und selbst nach Auflösung des Zunftsystems konnten sie keinen bedeutenderen Reichtum erwerben. Das Wirken der Riemenschneiderzunft wich nicht von den anderen sogenannten alten Zünften ab. Diese Zünfte lebten im allgemeinen nach europäischen Zunfttraditionen, doch seit dem 17. Jh. haben sich bis zuletzt hin die kalvinistischen Bräuche erhalten, welche selbst nach der Auflösung der Zünfte noch lange Zeit ihre Wirkung spüren liessen. Innerhalb der Zunft verstärkte sich in der zweiten Hälfte des 18. Jh. die städtische Aufsicht, die Institution des sogenannten Commisarius. Die Riemenschneiderzunft ging am 13. Juli 1872 mit der Unterschrift von 43 Meistern in eine Gewerbegemeinschaft über, welche sich dann 1884 zu einer Gewerbekörperschaft erweiterte. Dieser Körperschaft gehörten auch die Riemenschneider an. Im Jahre 1948 griff der Landesverband der Kleinhandwerker und ab 1951 die Handwerksgenossenschaften den in ihrer Zahl immer mehr zurückgehenden Riemenschneidern unter die Arme. Heute, wo kaum noch Pferdezaumzeug gebraucht wird, hat sich dieses Handwerk immer mehr zu einer kunsthandwerklichen Tätigkeit entfaltet. Die Werkstatt, die Arbeitsgeräte und die Technologie haben sich seit Jahrhunderten kaum verändert. Im vergangenen Jahrhundert wurden zwar die Ledernähmaschinen erfunden, doch die anspruchsvollsten Arbeiten werden auch heute von Hand gefertigt. Sie haben auch heute noch ihren althergebrachten Nähbock, auf ungarisch kösü oder csikó genannt, alte Geräte zum Schneiden, Formen und Verzieren des Leders, die Ahlen und Lederhobel. An den Messgerätschaften hat sich einzig und allein die Einzeilung verändert. Als Arbeitsmaterial dienen den Riemenschneidern auch heute noch die verschiedenen Arten von gegerbten und gestollten Rinderhäuten, gefärbt oder in Naturfarbe. Die drei grundlegenden technologischen Gebiete des Handwerks sind der Zuschnitt, das Nähen und das Verzieren. Neben den allgemeinen Handgriffen gibt es in jedem landschaftlich gebundene, charakteristische Details. So wird an das Zaumzeug für Debrecener Pferde solch ein Anspruch gestellt, der es von ähnlichen Producten aus anderen Gegenden deutlich unterscheidet. Zu den wichtigsten Arbeiten der Riemenschneider gehören das Beziehen von Sätteln, die Herstellung von Zaum und Joch und den den dazugehörigen Riemenseilen, sowie die Fertigung von Zügeln und Behängen. Die Debrecener Riemenschneider stellten bis zu 5—6 Arten von verschiedenen Pferdezaumzeugen her. Ausserdem fertigten sie Peitschen, Gürtelriemen, bezogen Feldflaschen mit Leder und stellen neuerdings verschiedene Ledergalanteriewaren her. Zu den attraktivsten Stücken gehören heute die Pferdebehänge, die jetzt auch gern als Wohnraumschmuck verwendet werden.