Nyakas Miklós szerk.: Hajdúsági Múzeum Évkönyve 6. (Hajdúböszörmény, 1987)

NÉPRAJZ — VOLKSKUNDE - Hajdúböszörményer szűr

Ibolya V. Szathmári HAJDÚBÖSZÖRMÉNYEK SZŰR Der sog. szűr, ein umhangartiger Wintermantel auf Filz für Männer, gehört zu den ältesten Oberbekleidungsstücken in Ungarn. Vor allem sein gerader Schnitt weisen auf die archaische Her­kunft hin. Das Ausgangsmaterial, der Filzstolf, wurde von den Filzwebern oder Flauschtuchmachern hergestellt. In der Grossen Ungarischen Tiefebene befand sich das Zentrum für dieses Handwerk vom Ende des 14. bis Mitte des 18. Jahrhunderts in Debrecen. Später nähten die Debrecener Szűr­Schneider die Mäntel vorwiegeng aus Material, das aus anderen Gegenden — vor allem aus Sieben­bürgen — stammte. Der Szür-Mantel galt besonders bei den Hirten als beliebtes Kleidungsstück. Doch auch Bauern, Landherren und vornehme Bürgersleute trugen ihn. Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis hin in die 70er und 80er Jahre des Jahrhunderts erlebte der Szűr als Kleidungsstück eine neue Blüte. Zu dieser Zeit entwickelten sich nämlich jene kleineren Lokalzentren, das jedes für sich seine speziellen Verzierungselemente hervorbrachte. In der vorliegenden Arbeit soll nun so ein kleineres Handwerks­zentrum anhand der Arbeiten der Szűr-Schneidermeister von Hajdúböszörmény vorgestellt werden. Hajdúböszörmény galt neben Debrecen als bedeutendes Handwerkszentrum. In erster Linie passte sich das hiesige Handwerk den Bedürfnissen der Landwirtschaft und der Agrarstadt an. Denn die meisten der Handwerksleute beschäftigten sich nebenher auch mit Feldwirtschaft. Unter den verschiedenen Handwerkssparten zählten die der Szűr-Schneider zu denen mit den wenigsten Mitglie­dern. Von 1827 an schlössen sich sich die Szűr-Schneidermeister gemeinsam mit anderen Handwer­kern zu einer Zunft zusammen. Dieser gehörten zwischen drei und sechs Handwerker an. Mit ihren Produkten deckten sie in erster Linie die lokalen Bedürfnisse. Die aparten Verzierungen machten die Arbeiten der Hajdúböszörményer Meister zu Vertretern eines an Seltenseitswert angrenzenden, besonderen Szűr-Typs. Charakteristisch für jene Szűr­Mäntel war es vor allem, dass sich in ihnen zwei Techniken der Szűr-Verzierung vereinigten: die Stickerei und die Applikation, und zwar in gleichem Gewicht und gleichem Rang. Obgleich es den Anschein hat, als ob mehrere Teile des Szűr mit Applikationen bedeckt sind (Vorderteil, Ärmelenden, Kragen, Gehschlitz im Rückenteil), liegt das Hauptgewicht dennoch auf der Verzierung der Seiten mit Stickereien. Auch die Farbgebund dieser Verzierungen ist spezifisch und in dieser Gegend einzig­artig: in den unterschiedlichsten Brauntönen erscheinen die Applikationen und Stickereien auf einem dunkelbraunen, fast schwarzen Filzgrund. Mit ihren Verzierungen bilden diese Szür-Mäntel einen Übergang zwischen den bestickten Mänteln aus der Hajdúság und den applizierten aus aus Bihar. Auch in ihrer Erscheinungsform stellen die Applikationen ein Spezifikum dar: die Kanten der Applikationsmuster sind nicht gezackt, sondern glatt zugeschnitten und dann mit der Maschine auf den Szúr-Mantel genäht. Leider sind uns nur wenige Exemplare der Szür-Mäntel aus Hajdúböszörmény erhalten ge­blieben. Die letzten Stücke entstanden in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Getragen wurden die Szür-Mäntel noch in den 20er und 30 Jahren dieses Jahrhunderts, vor allem von Feldbauern. 172

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