Bencsik János szerk.: Hajdúsági Múzeum Évkönyve 2. (Hajdúböszörmény, 1975)

Fok

* Sándor É. Kiss FOK Von den frühesten Zeiten bis zum Ende des 19. Jh. kommen unter den volkstüm­lichen Ortsnamen in Ungarn solche, die als eines ihrer Elemente das Hauptwort fok beinhalten, überaus häufig vor. Ortsnamen mit der Nachsilbe fok gab es auch auf der umfangreichen Puszta Hortobágy, dem ehemaligen Besitz der Stadt Debrecen, in grosser Anzahl: Mátai-fok, Karácson-fok, Boros-fok, Fejérnád-fok. Eine sinnvolle Deutung dieser Namen mit den z. Z. in der Gemein- und Volkssprache gebrauchten Bedeutungen des Wortes fok (Leitersprosse, Stufe — auch im übertragenen Sinn-, Gradteilung der Messgeräte, 360. Teil des Kreises, Nacken eines Beils, Rücken eines Messers oder Säbels, Nadelöhr, Bergzinne, Schanze) ist heute nicht mehr möglich. Mit Hilfe der Sprachgeschichte kann jedoch die Bedeutung dieser Na­men einwandfrei ermittelt werden. Geschichtlichen Angaben zufolge wurden jene Bäche oder Flüsse fok genannt, die nicht dem Boden entspringen, sondern aus einem anderen Fluss, einem Teich, Moor oder Sumpf fliessen. Bei Hochwasser oder Schneeschmelze fliesst das Wasser durch diese fok in die tiefgelegenen Wiesen usw. und fliesst dann, nach Abzug des Hochwassers, auf demselben Weg wieder zurück. Verständlicherweise waren und sind alle Ortsnamen mit dem Element fok entlang der Flüsse, Teiche und Sümpfe zu finden. Die meisten fok trocknen im Hochsommer aus. Solange die Flüsse nicht reguliert, die Binnengewässer trockengelegt, Deiche errichtet und Kanäle gegraben wurden, kamen die fok häufig vor. Nach der Regu­lierung lagen sie aber trocken und wurden allmählich von Wind, Regen und Schnee­wasser verschüttet. Die meisten Namen sind in Vergessenheit geraten und auch die anderen haben ihren ursprünglichen Sinn verloren. Sie geben lediglich die Stelle der einstigen fok an und bezeichnen die umliegenden Wiesen, Weisen und Äcker, ohne noch an den früheren Zustand der Landschaft zu erinnern. Vor der Regulierung der Flüsse Hortobágy und Theiss gab es noch 15—20 Ortsnamen, die die Silbe fok enthielten, bis heute sind aber nur mehr ganz wenige erhalten geblieben. Das Wort fok gehört der ältesten Schicht des ungarischen Wortschatzes an. Wie­derholte Versuche, seinen finno-ugrischen Ursprung nachzuweisen, haben allerdings bis heute zu keinem beruhigenden Ergebnis geführt. 300

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