A Debreceni Déri Múzeum Évkönyve 1994 (Debrecen, 1996)

Történelem - Fehér Ágnes: Gedanken über die Religiosität der neunziger Jahre unseres Jahrhunderts

Ágnes Fehér GEDANKEN ÜBER DIE RELIGIOSITÄT WÄHREND DER NEUNZIGER JAHRE UNSERES JAHRHUNDERTS I. Die Zeitspanne zwischen 1990 und 1994 brachte tiefgreifende Veränderungen im Leben der unga­rischen Gesellschaft mit sich, was natürlich auch in der Lage der Kirchen seine Auswirkungen spürbar werden ließ. In den vier Jahren der Wendezeit zeichnete sich eine doppelte Tendenz ab: einerseits nahm die Zahl der Gläubigen zu, das heiß genauer gesagt, die Zahl derjenigen, die ihre Religion aktiv ausü­ben. Andererseits kam es zu einer Art Sekularisierungsprozeß. Es darf festgestellt werden, daß Ungarn auch in diesem Zeitabschnitt überwiegend katholisch ist, innerhalb von Europa jedoch als ein Land mit einem spezifischen Anteil an protestantischer Einwoh­nerschaft gilt. Als besonderer Untersuchungsaspekt mag für religionssoziologische Forschungen auch dienen, wel­che religiösen Muster in gewissen Schichten der Gesellschaft als Ideal favorisiert wurden. Hier darf man beispielsweise daran denken, daß heute der Mythos der „gutchristlichen,, Familie dazugehört, wenn ein erfolgreicher Geschäftsmann sein „Image,, aufbauen will. Vor 1990 in der Zeit der weichen Diktatur standen die Kirchen und Religionskonfessionen in Ungarn unter strenger staatlicher Kontrolle. Im Jah­re 1989 — schon in der letzten Periode der Németh-Regierung — wurden das Staatliche Amt für Kir­chenangelegenheiten sowie der die protestantischen evangelischen Freikirchen unter sich vereinigende Rat der Freikirchen (bei dem es sich ebenfalls um ein staatliches Aufsichtsorgan handelte) aufgehoben. Von diesem Zeitpunkt an hatten die mehr oder weniger großen Religionsgemeinden in Ungarn im Grunde genommen ihre völlige Unabhängigkeit wiedererlangt und konnten sich, da sämtliche staatli­chen Administrationen weggefallen waren, mit ganzer Intensität auf das Glaubensleben konzentrieren. Heute im Jahre 1994 stellt sich mit den zweiten freien Wahlen in Ungarn und der sich konstituie­renden Regierung oder Regierungskoalition die Frage, welche Veränderungen in der Kirchenpolitik eintreten werden. II. DIE WICHTIGSTEN PROTANTISCHEN FREIKIRCHLICHEN GEMEINDEN IN UNGARN In dem Zeitabschnitt zwischen 1990 und 1994 konnte sich die Dominanz der historischen Kirchen in Ungarn stabilisieren. Virulent blieben auch weiterhin die protestantischen freikirchlichen Gemein­den. Ihre Mitgliedszahl ist nicht gesunken, und auch heute noch muß neueren freikirchlichen Gruppie­rungen gerechnet werden. Vor allem charismatische religiöse Gemeinschaften haben nicht an ihrer Po­pularität eingebüßt. Im Leben mehrerer heutiger Freikirchen kam und kommt es immer wieder zu Meinungsverschie­denheiten in Glaubensfragen und zu Positionskämpfen. Dies hat in mehreren Fällen dazu geführt, daß einzelne Gruppen ausschieden oder danach strebten, sich eigenständig zu machen. Mit anderen Worten gesagt, die ausgeschiedenen Gläubigen rufen auf der Grundlage irgendeines biblischen, religionsprak­tischen oder glaubensprinzipiellen Spezifikums unter einem anderen Namen neue freikirchliche Grup­200

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