A Debreceni Déri Múzeum Évkönyve 1987 (Debrecen, 1988)

Történelem, műemlékvédelem - Gellér Ferenc. Pusztaschenken in Bezirk Hajdú-Bihar und auf der Hortobágy

Ferenc Geller PUSSTASCHENKEN IM BEZIRK HAJDÚ-BIHAR UND AUF DER HORTOBÁGY Die Pußtaschenke (schlechthin auch Tscharda genannt) gilt als typisches Gasthaus im Ungarn des 18./19. Jahrhunderts vor allem in der Großen Ungarischen Tiefebene. Der Verfasser der vorliegenden Studie setzte sich mit den Tschardagebäuden der wohl charakteristischsten Gebietseinheit in der Region der Großen Ungarischen Tiefebene auseinander, indem er sich mit ihrer Architekturgeschichte beschäf­tigte, wobei er sowohl den noch in Betrieb befindlichen wie auch den umgebauten und zu anderen Zwec­ken verwendeten wie auch den zerstörten Gebäuden gleichermaßen Interesse widmete. Die Pußtaschen­ken integrieren ein derartiges Elementensystem der volkstümlichen Architektur, des volkstümlichen Handwerks sowie der mündlichen Überlieferungen und der Sagenwelt, welches einen unbedingt zu be­wahrenden, nicht ersetzbaren Teil unserer Bildung darstellt. Mit der Entstehung der Pußtaschenken kann in den Jahrzehnten nach der Zerschlagung der Türken­herrschaft in Ungarn gerechnet werden. Charakteristisch für die Pußtaschenken ist es, daß es sich hier um Kneipen handelt, die sich außerhalb der Siedlungen, an deren Peripherie, auf den weiten Steppen oder am Straßenrand befinden. Meistens wurden sie an den Straßen zu den bekanntesten Marktplätzen eine oder eine halbe Tagreise entfernt errichtet. Oftmals dienten sie auch als Rast- und Ruheplatz für das zum Markt getriebene Vieh wie natürlich auch für die Viehtreiber, oder aber der Markt wurde gleich dort veranstaltet (Tscharda von Hortobágy, Bagos, Kismarja und Szabórét). Die Entfernungen, in denen sich die Pußta­schenken entlang der Hauptverkehrswege aufreihten, wurden durch Tagestouren bestimmt, die man per Gespann mit Waren beladen unternehmen konnte, bzw. durch die Fütterungs- und Tränkungszeiten für das Vieh. Es gab aber Pußtaschenken, die zwischen diesen Entfernungen lagen oder die zur Übernach­tung dienten. Häufig war das Netz von Pußtaschenken, das sich in 20,40 oder 60 km Entfernung von De­brecen aus gesehen ausbreitete. Die Pußtaschenken dienten dazu, das Einkommen der Städte zu ver­größern, und die Regalien der Adligen besser zu nützen. Man kann sich den Pußtaschenken von ihrer Ge­schichte her nähern, von ihrer Rolle her, welche sie in dem komplizierten Beziehungssystem von Gaststät­tengewerbe, Handel und Verkehr jener Zeit einnahmen. Oft kam es vor, daß zuerst nur eine als Erdhütte angelegte Kneipe, dann eine einfache unterkellerte Trinkbude durch eine Küche oder Kammer erweitert wurde. Bald darauf folgten dann eine Remise auf der anderen Straßenseite und weitaus später dann die Gästezimmer. Zur Geschichte der Tscharda gehört natürlich auch der Weinausschank, der Getränkeaus­schank überhaupt, denn das „Schankrecht" war ja eines der wichtigen Privilegien der Grundbesitzer. Ausgehend von Debrecen nimmt der Verfasser sich die Pußtaschenken an den Hauptverkehrswegen der Reihe nach vor. Als erstes stellt er die Geschichte der Látóképi Tscharda, erbaut 1731 als erste Station an der einstigen Landstraße nach Pest, vor, dann beschäftigt er sich auf dem Weg zur einstigen Theißfähre mit den Pußtaschenken, die entlang der Straße durch Balmazújváros liegen, hier vor allem mit der sog. Kleinen Hortobágyer Tscharda, die es schon vor 1794 gab. Wieder an der Landstraße nach Pest spricht er über die Kadarcser Tscharda, die 1761 an der Kreuzung der Wege nach Máta und Nádudvar anstelle der früher abgerissenen Szálka-Tscharda erbaut wurde. Darauf folgt das bekannteste Tscharda-Gebäude der Großen Ungarischen Tiefebene, die sog. große Hortobágyer Tscharda. Gemeinsam mit der einstigen Ausspanne auf der anderen Straßenseite (heute Hirtenmuseum) und der neunbögigen Steinbrücke stellt sie ein einzigartiges Denkmalensemble dar. Weiter auf dem Weg nach Pest folgt auf dem Naturschutzge­biet Villongó, das zum Nationalpark Hortobágy gehört, die Meggyes-Tscharda. Dann werden noch die Görbe-Tscharda bei Nagyiván und die Patkós-Tscharda an der Krentzung nach Egyek vorgestellt. Unter den Pußtaschenken, die an der einst verkehrsweichen Straße von Debrecen nach Tokaj im 18. Jahrhundert erbaut wurden, werden die Nyulas-Tscharda in Debrecen und die Geschichte der Rózsás-Tscharda in Józsa vorgestellt. Auf den Straßen in der Pallag-Pußta, die nach Hajdúhadház bzw. nach Nagykálló führen, stehen u.a. die Pußtaschenken Dugó, Rucás und Ur Dombi. Hier werden die Vadas-Tscharda in Hajdúhadház, dann in Richtung Vámospércs die Vadász-Tscharda bei Haláp und in Richtung Nagyvárad die Tscharda von Bagos und in Kismarja die Somorja-Tscharda und ihre Geschichte vorgestellt. Der Verfasser beschreibt hier an die 40 Pußtaschenken mehr oder weniger einge­hend, je nachdem, ob ihre heutige Funktion noch die ursprüngliche ist oder nicht. Dokumentativen Cha­rakter erhält die Studie durch die Veröffentlichung von Grundrißskizzen der Gebäude und Fotos, die den ehemaligen und den heutigen Zustand der Gebäude widerspegeln.

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