A Debreceni Déri Múzeum Évkönyve 1979 (Debrecen, 1981)
Történelem - Szalay Emőke: Zunftladen von Debrecen
Emőke Szalay DEBRECENER ZUNFTLADEN Die Zunftladen stellen die charakteristischsten Erinnerungsstücke der Zünfte dar. In ihnen wurden die Privilegienurkunden, die Protokolle und andere Schriftstücke der Zunft, sowie Petschaften und Gelder aufbewahrt. Sie dienten aber nicht nur zur Aufbewahrung von Wertstücken sondern stellten gleichzeitig auch das Wahrzeichen der jeweiligen Zunft dar. In den Debrecener Zuftartikeln stoßen wir auf zwei Bezeichnungen für die Zunftlade. In den meisten wird die Zunftlade und weniger häufig wird sie Innungslade genannt. In den Zunftbriefen stoßen wir zumeist nur auf Angaben, die sich auf den Standort der Lade und auf ihre zwei oder drei Schlüssel beziehen. Neben der Aufbewahrung von Schriften und Geldern kam der Zunftlade auch eine Kultrolle zu. So spielten sich vor der geöffneten Zunftlade die verschiedensten Zeremonien aus dem Zunftleben ab: z. B. die Dingung oder Freistellung von Lehrlingen, Bereinigung von Prozeßangelegenheiten der Zunftglieder. Die Geselleninnungen hatten ihre eigene Lade, für welche ähnliche Regeln galten. Diese Innungen ließen beispielsweise den Schlüssel der Zunftlade herumschicken und riefen so ihre Mitglieder zusammen. Auch nachdem sich die Zünfte aufgelöst hatten, behielten die Zunftladen ihre Bedeutung bei. Die Bekanntmachungen, die auf den Zunftschildern vom Ende des 19. und vom Anfang des 20. Jahrhunderts erhalten blieben, haben im allgemeinen den Standort der Lade, ihre Instandhaltung und Übergabe zum Inhalt. Uns sind bis heute 26 Debrecener Zunftladen erhalten geblieben. Außer vier von ihnen tragen diese Zunftladen alle eine Jahreszahl, sodaß uns die Zeit ihrer Herstellung genau bekannt ist. Diejenigen, die keine Jahreszahl haben, können aufgrund ihres Stils zugeordnet werden. Die jüngste unter den Laden mit einer Jahresbezeichnung stammt aus dem Jahre 1857 und die älteste aus dem Jahre 1737. Bei einer Stilanalyse der Laden konnten neben Merkmalen der Renaissance auch solche des Barock, des Rokoko, des Empire und des Klassizismus sowie auch volkstümliche Züge festgestellt werden. Einige der Laden tragen in ihrem Schmuck hohe künstlerische Werte, in denen sich der Stand des Debrecener Tischlerhandwerks aus dem 18. und 19. Jahrhundert treu wiederspiegelt. Die Laden, die volkstümliche Eigenheiten aufweisen, zeigen uns das volkstümliche Tischlerhandwerk. Die Debrecener Zunftladen sollen unser Interesse nicht nur ihres zunfthistorischen Charakters wegen wecken; sie sind auch ihrer Tischlerarbeit wegen beachtenswert. 156