A Debreceni Déri Múzeum Évkönyve 1975 (Debrecen, 1976)

Művelődéstörténet, irodalomtörténet - Szabó Sándor Géza: Gedanken über Zoltán Jánosi

Sándor Géza Szabó GEDANKEN ÜBER ZOLTÁN JÁNOSI Dichter, Schriftsteller, Debrecener Geistliche Zoltán Jánosi (1868-1942) war eine her­vorragende Persönlichkeit der ungarischen kalvinistischen Kirche zwei Jahrzehte lang nach der Jahrhundertwende. Er arbeitete mit seiner theoretischen und praktischen Tätigkeit an der sozialen Erneuerung, erhöhten Vergesellschaftung der Kirche nicht nur in geistlichem, sondern auch in weltlichem Bereich. Als Student des Debrecener Kollegiums begann er seine Laufbahn im Einklang mit seiner Umgebung, mit der herrschenden Idee der Zeit auf liberalem Boden. Er wurde Kämpfer der Unabhängigkeitsbestrebungen, den die offizielle Kirche für einen der zur Leitung Geeignetsten hielt. Später lernte er durch seine Erlebnisse, persönlichen Erfahrun­gen und Studien (Zürich, Budapest) die sozialen Ideen, die Arbeiterbewegung, den Trade­Unionismus, die Formen des Gewerkschaftskampfes ausführlicher kennen, das färbte sein ursprünglich liberales Verhalten und Unabhängigkeitsbestreben über. Er vereinigte orga­risch zwei Grundsätze - den der Unabhängigkeit und des Sozialismus - in der Idee des von den Reformatoren geerbten Gotteslandes, in den Bestrebungen nach dessen Verwirklichung auf der Erde, nach der Erneuerung der kalvinistischen Kirche. Um seine Ideen zu ver­wirklichen, schloss er sich nach dem ersten Weltkrieg an die bürgerlich - demokratische Revolution in 1918 an, und war in Károlyis Regierung als Statssekretär des Innenministe­riums sehr aktiv tätig. Er verkündete auch von der Kanzlei, dass er nicht nur eine demok­ratische, sondern auch eine sozialistische Revolution wünschte. Er konnte der Revolution in der weiteren Radikalisierung während der Räterepublik von 1919 - wegen seiner kirch­lichen Einstellung - nicht mehr folgen, da wurde seine öffentliche Tätigkeit auf ein en­geres Gebiet beschränkt. Trotzdem hat ihn seine kirchliche Benörde wegen der aktiven Rolle in der Károlyi-Regierung vor das Gericht gestellt, für eine Zeit ihm auch die Pfarrer­tätigkeit untersagt, später ihn zur Bestrafung in die Füzesgyarmater (kleines Dorf süd­wärts von Debrecen) Pfarre gewiesen, wo er nur für einen engen Kreis seine Stimme hören lassen und bloss für das Schreibtischfach arbeiten konnte. Jánosis Schicksal repräsentiert gut die Krise der kalvinistischen Kirche um die Jahr­hundertwende. Nach dem Ausgleich von 1867 zwischen den Habsburgern und Ungarn stieg die kalvinistische Kirche mit dem liberalen Geist auf und wurde organisatorisch stark, sie schloss sich aber an die herrschenden feudalen Kräfte an und wurde „innerhalb des Be­sitzes". Sie hat deswegen ihre weltliche, beigefügte, historisch geerbte, oppositionelle Wi­derstandsmoral und damit einen grossen Teil ihrer Anhänger verloren, und sich von den Massen, von den zu lösenden Problemen und Ansprüchen des Jahrhunderts entfernt. So blieben viele ohne kirchliche seelische Fürsorge, die Bänke der Kirchen wurden leer. Jánosi ist einer der wenigen Geistlichen, die Augen, Ansprüche und richtiges Gefühl zu den Prob­lemen der Zeit hatten. Jánosi kämpfte um die Wiedererhaltung der Moral, um die Erneue­rung des Kirchenwesens, - nicht nur die Kirche selbst beachtend - um das Gottesland auf der Erde. Das beweisen sowohl seine aufgrund der Reformatoren anfängende Prediger­tätigkeit, als auch sein ganzes Verhalten. Sein Schicksal ist dem des biblischen Absolon gleich. David wollte seinen Sohn zum König, seine Sehnsucht konnte aber wegen seiner früheren Sünden nicht in Erfüllung gehen. Absolon, die Interessen des Volkes vertretend, stand gegen seinen Vater, gegen seinen Kö­nig auf. Jánosi schrieb während der Revolution, am grossen Scheideweg seines Lebens ein Drama über Absolon. Deshalb haben wir dieses Drama und biblische Verse zu Führern durch sein Deber gewählt. 782

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