A Debreceni Déri Múzeum Évkönyve 1972 (Debrecen, 1974)

Néprajz - Dám László: Material, Struktur und Form in Volksbau des Nagyyy-Sárréts

László Dám MATERIAL, STRUKTUR UND FORM IM VOLKSBAU DES NAGY-SÁRRÉTS Die ökologischen Faktoren wirken in erster Linie durch das Baumaterial auf den Volksbau. Das Volk gebraucht nämlich die Baumaterialien, die unmittelbar zur Verfügung stehen, und die es während der alltäglichen Arbeit leicht erhalten kann. Die Gebrauchsart hängt aber vom Entwicklungsniveau der betreffenden Gesellschaft, von der Lebensweise und vom befehlenden Willen der Tradition ab. Das muss auch darum betont werden, da der Volksbau einen ausschlaggebenden Charakterzug hat: in seinen Schöpfungen vereinigt er in einer Person den Auftraggeber, den Projektor, den Ausführer, der alle Eigenschaf­ten des Baumaterials sehr gut kennt, und den Verbraucher des fertigen Werkes. Der vorliegende Aufsatz behandelt - unter Berücksichtigung der obenerwähnten Ge­sichtspunkte - den Volksbau des im Komitat Hajdú-Bihar liegenden Nagy-Sárréts (etwa: Grossen Sumflgebietes). Diese Gegend war bis zu den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts ein Schlammgrund, wo die einzelnen Dörfer auf den sich aus dem Sumpf erhebenden hoch­wasserfreien Inseln oder am Rand des Sumpfes lagen. Nach den Flussregulierungsarbeiten hat sich aber des Gebiet bedeutend verändert, die Sumpfwelt ist verschwunden, und damit wurde die Architektur der Siedlungen umgestaltet. Die geprüfte Gegand umfasst 12 Sied­lungen (Bild 1). Das wichtigste Baumaterial war hier das Rohr, daraus wurden Wohnhäuser, Nebengebäude, sogar Kirchen gebaut. Ausserdem waren das Flechtwerk, das Wellerwerk, die Lehmstampwand und die Lehmziegelwand die wichtigsten Bautechniken. Imfolge des Hochwasserschutzes und des daran folgenden ökonomischen Aufschwunges hat sich das Verhältnis der einzelnen Bauweisen stark verändert. Dominierten in den 1880er Jahren die Rohrwand, der Lehmstampwand und die Lehmziegelmauer, so wurde der Bau aus Rohr gegen die 1930er Jahre völlig aufgegeben und trat der Lehmziegelbau dem Flechtwerk dem Wellcrwerk und dem Lehmstampfbau gegenüber in den Vordergrund (Bild 2). Der Lehm ist auch heute das allgemeinste Baumaterial, die Ziegel wurden am Rand des Dorfes in Wcllergruben hergestellt (Bilder 4-5). Über die Einteilung der Wohnhäuser dem Baumaterial nach geben die Volkszählungen von 1900, 1910, 1921 und 1930 ein lehrreiches Bild. Diese Statistiken enthalten in vier Spal­ten die Angaben über die Wohnhäuser und in drei Spalten die über die Bedachung. An­hand dieser Daten können wir der Veränderung des Verhältnisses der Lehm- und Stein­häuser, des Fundamentums und der verschiedenen Bedechungsmaterialien (Bilder 5-6, 15) folgen. Bei dem Dachgerüst kann man feststellen, dass zwei Haupttype auf dem untersuchten Gebiet den Vorrang haben: das Piettendach (Bilder 7-9) und das Sparrendach (Bild 10). Das Pfettendach ist vorwiegend im westlichen Teil des Gebietes verbreitet, der Sparrentyp ist für den östlichen Teil charakteristisch (Bild 11.). Das Sparrendach verbreitete sich in grösserem Masse erst in den 1830-er Jahren und hat stufenweise den älteren Pfettentyp verdrängt. Das Dachgerüst bestimmt auch die Form des Daches : die Pfette wird immer von Satteldach begleitet, mit der Sparre erscheint dagegen das abgewalmte Satteldach (Bild 16). Das allgemeinste Bedachungsmaterial ist das Rohr. Das Rohrdach wurde von Spezia­listen aus dem Volke mit dem Dachschläger und der Rohrnähnadel geflochten. (Bilder 12­14). Am Anfang des 20. Jahrhunderts war noch das Schindeldach bedautend, und neuer­dings nimmt die Zahl der Häuser mit Ziegeldach zu. Der schönste Teil des Wohnhauses ist der Flur. Den der Form nach einfachsten Flur halten Holzsäulen, später treten auch die Lehm- und Ziegelsäulen in den Vordergrund. In der Ausbildung der Flure spielte auch die Verbreitung des Volksklassizismus eine wich­tige Rolle (Bild 17). Die Flurformen folgen immer auch den Veränderungen des Grundris­ses vom Wohnhaus. Danach lassen sich fünf Type unterscheiden: 1. den sog. ,,gestohlenen" 376

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