Héthy Zoltán szerk.: Bihari Múzeum Évkönyve 3. (Berettyóújfalu, 1982)

TÖRTÉNELEM — GESCHICHTE - Die mittelalterliche Siedlungsordnung der Dorfen von Sárrét und deren Veränderungen

Bálint Csatári DIE MITTELALTERLICHE SIEDLUNGSORDNUNG DER DÖRFER VON SÁRRÉT UND DEREN VERÄNDERUNGEN Die Landschaft Sárrét — ganz am östlichen Rande Ungarns gelegen — gilt als das charakteristischste Niederungsgebiet in der Grossen Ungarichen Tiefebene. Das Volk dieses einstigen, von den Flüssen Berettyó und Fehér Körös, Fekete Körös sowie Sebes Körös genährten Sumpfgebietes brachte ganz eigentümliche, mit den Land­schaftsgegebenheiten notwendigerweise eng verbundene und sich ihnen anpassende Siedlungsformen hervor, welche in Hinsicht auf die Grundrisse auch heute noch gewisse Merkmale der Vergangenheit bewahren. Der in der gesamten Grossen Ungarischen Tiefebene häufige Typ der topographi­schen Lage der Siedlungen wurde durch die überschwemmungsfreien Gelände be­stimmt. Nach der Staatsgründung hatte sich das ungarische Siedlungsgebiet allmäh­lich über das gesamte Land verbreitet, was von den Wohn- und Lebensmöglichkeiten her gesehen die Einnahme von Gegenden mit immer ungünstigeren Gegebenheiten bedeutete. Die Hügel und Bodendellen der Sárrét boten auf ganz besondere Weise Mög­lichkeiten zur Herausbildung der Siedlungen. Die Dörfer bildeten hier keine geschlo­ssene Siedlungsform, sondern hier gab es Häuser, Höfe und Hausgruppen, die sich der Gliederung des Gebietes maximal anpassten und zeitweise durch Deiche und Brücken miteinander verbunden waren. Als der idealste Siedlungsplatz Hessen sich die Randgebiete in den Flussbiegungen an. Für die Fischer und Wilderer boten die Überschwemmungsgebiete gute Möglichkeiten, während für die Bodenbearbeitung die überschwemmungsfreien Gebiete und für die Weidehaltung abwechselnd alle beide Gebiete günstig waren. Im 14./15. Jahrhungert erreichte die Zahl der Siedlungen ihren Höhepunkt, doch nach der Türkenherrschaft erwachten nur die am meisten lebensfähiigen Dorfzentren von neuem zu Leben. Die Besonderheiten in den Grundrissen der Dörfer standen zum Teil mit hydro­graphischen Bedingungen und zum Teil mit der Art und Weise der Wirtschaft in enger Verbindung, doch auch die Ansiedlungskraft der das Gebiet durchziehenden Strassen wuchs ständig. Die Militärkarten aus dem Jahre 1783 sind — nachdem das Gebiet vor der Fluss­regulierung vermessen worden war — zur Feststellung zahlreicher Siedlungseigen­schaften geeignet. Entlang der Berettyó können die Merkmale der sogenannten „Stu­fen-Wirtschaft" ausgemacht werden. Die Unterkünfte und die sich ihnen anschliessen­den anfänglichen Gebäude stellten die typischen Siedlungformen dieser ständig von Wasser bedeckten Sumpf gebiete dar. Diese Siedlungsformen gehörten zu je einer Muttersiedlung. Am Rande der Sümpfe bildeten sich die als Reihendörfer ausgerichteten „Moor­siedlungen" heraus, während auf höherer Ebene auch die gewundene Siedlungsform zu finden war. Der durch die natürliche Umwelt gegebene Lebensraum bestimmte auch die Grösse der Dörfer; so enstanden innerhalb einzelner Kleingebiete Dörfer von annä­hernd gleicher Grösse. (Tabelle 4.) Obwohl die Flussregulierungen das natürliche Bild der Landschaft völlig um­gestalteten, bewahren die weitaus länger bestehenden Siedlungen auch heute noch zahlreiche Merkmale der alten Form. Und obgleich sich das Verhältnis von Gesellschaft und Natur im Laufe der Ent­wicklung verändert, und obgleich der wirtschaftliche Fortschritt den Grad der Ab­hängigkeit von den natürlichen Bedingungen mindert, so lässt er dennoch ihre Be­deutung nicht geringer werden. Diese Erscheinung macht sich — auf neuse Weise — als Kostenfaktor und in der Formung der Qualität des Lebens bemerkbar. Und aus diesem Grunde sind die Kenntnis und die weitere Anwendung gewisser Siedlungscha­raktere ebenfalls begründet. 154

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