Bíró Szilvia - Molnár Attila: Fogadó a határon. Római kori útállomás Gönyün - A Győr-Moson-Sopron Megyei Múzeumok Kiállításvezetője 4. (Győr, 2009)

Crynaeus András: A gönyűi famaradványok elemzése

Die Dicke der aufeinander folgenden Ringe ist unterschiedlich und wiederholt sich nicht periodisch, weil sich diese Dicke nicht nur gemäß der Baumart, des Standortes und der Geschlossenheit des Baumbestandes ändert, sondern weil auch äußere Komponenten (Niederschlag, Temperatur, Schädlinge usw.) das Wachstum beeinflussen. Auch wirken sich extraterristische Komponenten aus, z. B. die Tätigkeit der Sonnenflecken, auf welche die einzelnen Baumarten mit unterschiedlicher „Sensibilität” reagieren. Während zum Beispiel das Wachstum der Tanne (Albies alba Mill.) von dieser Komponente ausschlaggebend beinflusst wird, gilt dies kaum für die Eiche. Aufgrund der Gesamtheit dieser Auswirkungen ist der Wechsel der Jahresringdicke nicht periodisch. Aufgrund von wenigstens 30 Jahresringdicken kann sicher festgestellt werden, dass die Dicke der Jahresringe im Leben der gegebenen Baumart in ähnlicher Reihenfolge nicht noch einmal auftreten wird, also als individuelle Erscheinung zu betrachten ist. Der Wechsel der Ringdicke ist im Falle von zwei oder mehr im gleichen Zeitraum wachsender Bäume ähnlich, wenn sie derselben Baumart angehören und nahe zueinander wachsen, weil die genannten Komponenten und Einflüsse in gleicher Weise und in nahezu gleichem Maße auf sie einwirken. Umgekehrt ist diese Behauptung auch richtig: Wenn der Wechsel der Jahresringdicke bei zwei verschiedenen Exemplaren in großem Maße gleich ist, dann sind sie gleichaltrig. Wenn wir ein junges und ein altes Stück Holz haben (z. B. eine Scheibe von einem frisch gefällten Baum und ein Stück von einem alten Hauptbalken), dann kann es sein, dass sich im Muster der Jahresringe beider jeweils ein solcher Abschnitt befindet, wo der Wechsel der Ringdicke gleich ist, da der Hauptbalken, das alte Holz also, noch als Baum lebte, der jüngere Baum aber schon lebte und wuchs, und zwar nahe beieinander. Die gemeinsame Periode kann mit Einigung der Ringdickenfolge zeitlich sowohl rückwärts als auch vorwärts verlängert werden. Alit dieser Technik der „Überblattung” können Ringdickenfolgen, chronologische Datenreihen und Kurvenbilder zusammengestellt werden, die für eine gegebene Baumart und ein Gebiet gültig sind und weit in die Vergangenheit reichen. Dies veranschaulicht die Abbildung. Wenn wir alle für jedes einzelne jahr geltenden, allgemein charakteristischen Angaben bezüglich der Jahresringdicke einer gegebenen Baumart in einem gegebenen Gebiet, dann sind die bei archäologischen Grabungen freigelegten Holzfragmente mit Hilfe der in ihnen bewahrten Jahresringe datierbar. In der Praxis wird zur Herstellung eines solchen „virtuellen” unendlichen Baums der Durchschnitt der Angaben von 50—150 Proben genommen. 73

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