Bíró Szilvia - Molnár Attila: Fogadó a határon. Római kori útállomás Gönyün - A Győr-Moson-Sopron Megyei Múzeumok Kiállításvezetője 4. (Győr, 2009)
Bíró Szilvia: Fogadó a határon
Auf jeden Fall ist das Verhältnis der Legionsstempel überraschend groß im Vergleich zu den übrigen bisher in der Provinz freigelegten Gebäuden, was bedeutet, dass in einem Zeitabschnitt - wahrscheinlich beim Bau des Gebäudes mit Steinfundament - entweder die Soldaten der Legion am Bau teilgenommen haben, oder die von ihnen hergestellten Ziegel zu diesem Bau verkauft wurden. Zur gleichen Zeit, im ersten Drittel des 2. Jh.s wurde in Brigetio das Legionslager gebaut, und es stand also wahrscheinlich eine große Menge Ziegel zur Verfügung. In Verbindung mit den Bauarbeiten stehen noch die Fragmente zweier Ziegelstempel, die mit der Legion legio XIIII gemina zu verknüpfen sind. Die Legion kam 92 nach Chr. nach Vindobona (Wien), dann nach dem dakischen Krieg an ihren ständigen Stationierungsort Carnuntum (Bad Deutsch-Altenburg, Niederösterreich), wo sie bis zum 4. Jh. stationiert war. Ebenfalls in den Norden der Provinz, bzw. in Richtung Noricum weisen die beiden Stempelfragmente, auf denen LVC(ius) -BAR(bius) -AQ(uileiensis) zu lesen ist. Der eine kam aus der Einfüllung des Einfriedungsgrabens, der andere aus dem Brunnen KE 19 zum Vorschein. Reichsweit kennen wir davon nur sehr wenige, in unserer Umgebung sind dies die ersten Stücke. Aus dem Westteil Pannoniens (Vindobona, Carnuntum, Mossdorf— Elling), bzw. aus dem Noricum (Salzburg) kennen wir Parallelen. Die meisten stammen aus sporadischen Funden oder aus früheren Grabungen, deshalb ist ihre Datierung unsicher, aber allgemein können sie aufgrund der anderen Funde an den Fundstellen auf das 2-3. Jh. datiert werden. Die Familie Barbius ist im Westen Pannoniens nicht unbekannt, wir kennen entlang der Bernsteinstraße mehrere Andenken von ihren aus Aquileia stammenden Mitgliedern. Aufgrund der Andenken waren mehrere Familienmitglieder oder auch libertus Ziegler, also tegularius. Leider kennen wir den genauen Herstellungsort dieser Stücke nicht. Ebenfalls können die Stücke mit С \A oder СХЛ Stücke von privaten Ziegeleien sein. Interessant, dass sich bei diesen Stücken der Stempel nicht aus der Oberfläche heraus hebt, sondern dass es sich um eingedrückte Stempel handelt, und bei einigen sieht man am Stempelrand sehr schön auch den Eindruck tabula ansata. Wahrscheinlich sind sie lokal hergestellt, vielleicht in einer Villenwirtschaft in der Nähe. Diese Stempel bzw. mit dem Stempel L. Barbius Aquileiensis versehenen sind höchst wichtig, weil sie zeigen, dass es bei unserem Gebäude nicht ausschließlich um einen Bau des Militärs geht, sondern auch die zivile Sphäre auftaucht. 41