Bíró Szilvia et al.: A Vagongyár alatt - A vagongyár előtt. Római temető és középkori település a győri Árkád területén - A Győr-Moson-Sopron Megyei Múzeumok Kiállításvezetői 2. (Győr, 2007)

Tomka Gábor: Elvermelt leletek. Üvegedény és csontveretes ládika egy középkori gödörből

Der abfallende Schulterteil der Budaer Flaschen ähnelt aber in keiner Weise dem der Győrer und es ist zu beobachten, dass in dieser Epoche die überaus verbreitete Flaschenform (doppelkonische Flaschen) des Mittelalters auch mit einer kropf­­halsigen Halsgestaltung, wie bei der von Győr versehen wurde. Anhand der bis jetzt sporadisch publizierten Funde waren die kropfhalsigen Flaschen im Grossteil von Süd- und Mitteleuropa verbreitet. Die nähesten Paralellen unseres Fundes stammen aus Österreich (Wien) und Mähren (Brünn), sowie aus Mailand. Weitere Analogien sind vom Balkan und aus Griechenland (Panik, Korinth), Italien (Cividale), Deutschland (Landshut und Braunschweig), sowie aus der Schweiz (Basel) bekannt. Der Herstellungsort der Flasche ist nicht leicht zu bestimmen. Auf den ersten Blick lässt die Verbreitung ähnlicher Gefassbruchstücke eine mitteleuropäische Herkunft vermuten, obzwar die einst als Luxusgüter geltenden Gegenstände sich nicht unbedingt in der Nähe ihrer Produktionsstätte finden lassen. Unsere Kenntnisse über die Herstellung von Glasgefässen im 13-14. Jahrhundert haben sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Alte, allgemein respektierte Theorien gelten nicht mehr. Die egyiptische Herkunft der Glasindustrie des im 11-12. Jahrhundert unter byzantinischer Herrschaft stehenden Korinth hat sich als eine Legende entpuppt; folglich ist auch die byzantinische Herkunft der Technik und Form von Glassgefässen auch in Zweifel zu ziehen. Es ist hingegen gelungen, die Existenz von mitteleuropäischen, schon im 13. Jahrhundert produzierenden Werkstätten nach­zuweisen. Dank der Verfeinerung der Materialanalysen, kann man auf ein kompli­zierteres Schicksal der Rohstoffen schliessen. Die Flasche vom Betriebsgelände der Waggonfabrik konnte leider noch keiner Materialanalyse unterzogen werden. In mediterranen Gegenden hat man natriumhaltige Sodaasche zu Förderung des Flüssig-Werdens des Quarzsandes verwendet, welche überwiegend durch Ver­brennung von Meerespflanzen gewonnen werden konnte. In den nördlicheren, Kontinentalgebieten Europas wurde zu diesem Zweck kaliumreiche Holzasche eingesetzt. Weil das Natronglas eine bessere Qualität aufwies, wurde mit der Sodaasche auch Handel getrieben, und auch die gesammelten Glasfragmente mit Vorliebe zusammengeschmolzen. So könnten die sowohl Kalium- als auch Natrium­ionen gleichermassen aufweissenden Gläser entstanden sein. So kann die Proportion der weiteren Bestandteile (so Kalk und Blei) bei der Lokalisierung der Produktions­stätte behilflich sein. Wonach das Material unserer Flasche völlig durchsichtig ist, und keine Anzeichen der Oxidation aufweist, kann angenommen werden, sie wurde aus Natronglas gefertigt. 97

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