Székely Zoltán (szerk.): Arrabona - Múzeumi Közlemények 48/2. (Győr, 2010)
Tanulmányok - Mennyeiné Várszegi Judit: Dr. Kovács Pál (1808. július 1 - 1886. augusztus 13.) Válogatott bibliográfia
CLAUDIA WUNDERLICH EINE UNGARISCHE KARTENMALER- UND KUNSTLERFAMILIE... Claudia Wunderlich EINE UNGARISCHE KARTENMALER- UND KÜNSTLERFAMILIE DES 19. JAHRHUNDERTS: DIE GYŐRER UNGER The more the family historian becomes aware of national trends and regional characteristics the more absorbing he will find his ancestors’ story. David Hey: Family History & Local History in England. 1987, 214. Die Werke von *** erinnern mich an Spielkarten, bald so, bald anders gemischt, die Karten bleiben immer dieselben. So erinnere ich mich, die Figuren schon öfter gesehen zu haben, ja selbst der Hintergrund ist mir schon aus alten Bildern und Kupferstichen bekannt. Das eine Bild schmeckt nach Raphael, das andere nach Michelangelo und ihren Vorgängern. Wäre es nicht besser sie trügen alle das Gepräge des, der sie gemacht hat an der Stirne? Oder ist er ohne Gepräge? Caspar David Friedrich, 1830, über nazarenische Kunst (zitiert nach Gossmann 2003) Die Győrer Künstler- und Kartenmalerfamilie Unger ist in der einschlägigen Literatur schon seit langem dem Namen nach bekannt (vgl. z.B. GyEL 1997-99: s.v. Unger, Alajos & Unger, Mátyás und die dort angegebene Literatur), jedoch waren genauere Details und die Lebensdaten der einzelnen Mitglieder bis vor kurzem unbekannt. Durch die Arbeiten von Jánoska (Jánoska 2004), Jánoska & Horváth (Jánoska - Horváth 2006) sowie Wunderlich (Wunderlich 2009) wurden in den letzten Jahren bereits weitere Details über die Familie und ihre Spielkarten dargelegt. Im Folgenden wird diese — trotz vieler schwerer Schicksals- und Rückschläge — aufstrebende bürgerliche Familie nach weiterer, intensiver Forschung noch genauer beschrieben und die Viten und das Schaffen der Mitglieder, soweit möglich, rekonstruiert.1 Dabei wird auch das Leben und Werk von Alajos Unger zentral sein, der einer der vergessenen, frühen nationalen ungarischen Maler der Reformzeit war. Hiermit wird nicht nur das Wissen über den kleinen Kreis der ungarischen Künstler jener Zeit um ein bislang kaum bekanntes Mitglied erweitert,2 sondern auch die Lücke der Kunstgeschichte von Győr in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts teilweise geschlossen. (Székely 1999, 265.) Er ist nicht der einzige einst vergessene ungarische Biedermeiermaler: Das gleiche Schicksal erfuhren auch Alajos Giergl-Györgyi und Tobias Kärgling. (Bakay 1938; Kolbe 1992) Ziel des vorliegenden Aufsatzes ist weiters, dem von Noggler-Gürtler formulierten Desiderat weiter Rechnung zu tragen. (Noggler-Gürtler 2000) Deren Feldstudie zu den Wiener Kartenmalern Hofmann und Uffenheimer schlussfolgert, dass die Geschichte der österreichischen Spielkartenerzeugung — und damit auch der ungarischen, da es sich kartengeschichtlich im Wesentlichen um einen Kulturraum handelt — im 19. Jahrhundert noch ungeschrieben ist. (Noggler-Gürtler 2000, 56) Neben dieser Studie stellt seitdem die zur Familie Giergl-Györgyi (Giergl-Györgyi 2006) eine besonders ausführliche Abhandlung zu einer einzelnen österreich-ungarischen Künstler- und Kartenmalerfamilie und ihrem Umfeld dar. 139