Arrabona - Múzeumi közlemények 15. (Győr, 1973)

Timaffy L.: Meister der Metallkunst in Győr

gom). Ihre Zunftordnung entstand in 1632 und erhielt 24 Articulus. Diese Ordnung wurde von Maria Theresia in 1761 wieder sanktioniert. Im Jahre 1768 gründeten die deutschen Meister eine neue Zunft und so arbeiteten bis 1871, bis zur Auflassung der Zünften. Die Blütezeit des Handwerkes dauerte bis zur ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Damals wirkten noch in Győr fünf Meister. Am Ende des 19. Jahr­hunderts machte diese Gewerbe Rückschritte, aus dieser Zeit wissen wir nur von zwei Meister. Der letzte Meister in unserem Jahrhundert arbeitete nach der Befreiung bis der Verstaatlichung, seit damals hat die Bronze- und Kupferarbeit aufgehört. Den bedeutenden Teil ihrer Arbeit machten im Bischofsitz die kirchlichen Auf­träge aus: Monstränze (Tabernakel), Kelche, Rauchpfanne, Weihrauchsbüchse, Ewige Lampe, Leuchter, Krüge, Bilderrahmen und Lüster wurden von ihnen gefertigt und repariert. Ihre anderen Antraggeber waren die Sattlermeister. In den ersten Jahzehn­ten des 19. Jahrhunderts wurden die Pferdegeschirrbeschläge aus Bronze oder Kupfer gegossen. Sie arbeiteten auch viel für Möbeltischler: sie verfertigten Möbelbeschläge, Griffe, Angeln. Sie haben für die Kleinindustrie Maschienenbestandteile gegossen und viele Metallzeuge für den Haushalt hergestellt. Fünfzig Jahre lang haben diese Meister die Győrer Straßen- und Hausnummerschilder gegossen. Sie machten jeden einzelnen Arbeitsvorgang mit Händen. Ihre Technik läßt sich in fünf Hauptarbeitsprozesse einreihen: Gießen, Auf tief en (Treibarbeit) Zisellierung (Gravieren), Blechschnitt und die Beplattung („patérozás") oder Blechverschalung bzw. Überzug, später die Galvanisierung. Beim Gießen wurde das Modell im Formkasten verformt, das Metall in einem Grafittiegel im Gießofen unter glühendem Koks geschmolzt, dann mit Hilfe eines Tiegelhalters der Abguß gemacht. Man ließ das Arbeitsstück abkühlen, nahm es aus der Form heraus, putzte, feilte und abschliff. Beim Auftiefen oder beim Metalldruck ließen sie das verzeichnete Muster aus Holz formdrehen, dann überzogen sie mit einer dünnen Kupferplatte, später pressten sie das Stück auf der Drechselbank mit dem Druckstahlstab und schlugen es mit einem Holzhammer so lange, bis es die gewünschte Form annahm. Die Zisellierung wurde auf der Prägeform mit verschiedenartigen Werkzeugen, mit der s. g. Treibpunze und mit dem leichten Ballhammer gemacht. Es gehörte zu dieser Arbeitsphase noch die Abschattung oder Mattierung, daß die Dimensionwirkung besser zur Geltung komme. Die kleineren Beschläge, Bande, Schmuck demente wurden aus Kupferplatte mit Metallfrässäge ausgeschnitten. Ihren beliebten Orna­mentmotive waren: Trauben-, Blumen-, Blatt- und Rankenverzierungen, aber sie ver­fertigten noch auch schöne geschmückte ausgetiefte Monogramme. Ihre älteste Arbeit war die Beplattung oder Überzug bzw. Blechverschalung. Sie verwendeten die Kraft des Feuers zu ihren Nutzen: zur Vergoldung oder Versilberung der Gegenstände. Seit Jahrhunderte haben die Goldschmiede so gearbeitet. Man konnte nur absolut sauberes Stück beplatten, deshalb haben sie es gründlich abgefeilt und geputzt. Das Gold oder Silber wurde auf papierdünn planiert, mit Schere auf­geschnitten und im Quecksilber erhitzt, solange bis es darin aufschmolz. Das so ge­wonnene dichte Quecksilber wurde mit Pinsel auf den Gegenstand aufgetragen, dann auf dem Ofen über Holzkohlenglut langsam drehend erhitzt, solange bis das Queck­silber verraucht und das Gold oder Silber darauf gebacken wurde. Als der Gegestand abgekühlt ist, wurde die nötige Polierung mit Hilfe eines Blutsteines gemacht. Zum Überzug verwendeten sie Feinsilber und Dukatengold, sie kauften aber gern von den Goldwäscher in Szigetköz auch gediegenes Gold. Seit der Jahrhundertwende trat in Stelle dieser alten Technik die Galvanisierung. Die alten Meister haben endlich die verfertigten und doublierten bzw. versilberten Gegenstände aneinander zu größeren Werken angelötet — so kamen Monstränze, Kelche, verschiedene Krüger usw. zustande. Das Handwerk hat sich in diesen Werken zur Kunst veredelt. Sie machten selbst Schlaglot gemacht so, daß das zerstaubten Kupfer mit Borax zusammenkochten. Alldies ist schon blos Andenken, Abschied von einem einst berühmten Hand­werk, weil der letzte Győrer Goldschmied heute nur Fahrrad- oder Autobestandteile galvanisiert. László Timaffy 239

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