Arrabona - Múzeumi közlemények 13. (Győr, 1971)

Tomka P.: Die inneren Gruppen des awarenzeitlichen Gräberfeldes von Győr-Téglavető dűlő

DIE INNEREN GRUPPEN DES AW ARENZEITLICHEN GRÄBERFELDES VON GYÖR-TÉGLAVETÖ-DŰLÖ Die Erschließung des großen awarenzeitlichen Gräberfeldes in Győr, die Lehren und Folgerungen, die aus den bisherigen Untersuchungen gezogen werden konnten, und die neuesten Forschungsergebnisse erfordern eine neue, zeitgemäße Analyse der Frage. Gestützt auf die Veröffentlichungen von A. Börzsönyi haben wir vorerst alle dort zum Vorschein gekommenen, aus anderen Epochen stammenden Erscheinungen aus unseren Betrachtungen ausgeschieden, wie Gräber aus der Landnahmezeit, Sied­lungspuren der Römerzeit, Feuerherde mit Gefäßscherben aus dem 9—10. Jahrhundert. Wir verwiesen darauf daß der Brauch der Bestattung in sitzender Lage im Zusam­menhang mit dem Győrer Gräberfeld nicht in Frage kommt. Bei der Bekanntmachung der früheren Analysen befaßten wir uns gründlich mit der Arbeit von Gyula László und mit der damit verbundenen Debatte, die uns veranlaßten, eine neue Methode der Analyse zu wählen. Wir untersuchten die Gruppen von Männergräbern mit Gürtelbeschlägen (den traditionellen Bezeichnungen folgend, die Gruppen, für die Gürtebeschläger aus Blech und Beschläge mit dem Greifen- und dem Rankenornament kennzeichnend sind), um dann — gestützt auf diese „chronologischen Zeichen" — die Chronologie der Gruppen und ihrer wechselseitigen Beziehungen zu ermitteln. Dabei hatten wir auch bestimmte Keramiken, die als zeitbestimmender Faktor in Frage kommen können, in unsere Un­tersuchungen miteinbezogen, und zwar die „frühe" graue und die „späte" gelbe Ke­ramik, ferner Ohrgehänge (die „frühen" metallkugeligen Typen, die „späten" ovalen Ohrringe und die zeitlich zwischen den beiden Typen gebräuchlichen, statistisch leicht erfaßbaren kreisrunden Typen mit Perlengehängen). Wir beachteten auch die „frühen" Perlenketten, die später auftretenden sogenannten Hirsekornperlen und die noch späteren Melonenkern-Perlen. Die kennzeichnenden Nadelbehälter, Pinzetten, das Agraffenpaar erscheinen im Győrer Gräberfeld verhältnismäßig spät, demgegenüber aber fanden sich auch frühe knöcherne Mundstücke von Schläuchen. Obwohl es uns nicht gelungen war, die Arm- und Fingerring-Typen zeitlich den verschiedenen Pe­rioden enger anzuschließen, ist die weite Verbreitung ihrer Mode doch charakteristisch. In den verschiedenen chronologischen Gruppen ist die Verhältniszahl der zutagege­kommenen doppelkonische, kugelige und scheibenförmige Spinnwirtel unterschiedlich. Unter den Funden der Männergräber waren die Gürtelschnallen byzantinischer Prä­gung vom chronologischen Standpunkt besonders wertvoll, ferner die Schwerter mit P-förmigem Griff, und die Steigbügel und das Mundstück eines Pferdegeschirrs aus Grab 484 („frühe Typen"). Da die charakteristischen Bogenspreizen, das Randorna­ment der Köcher sowie die Haarzopf-Ringe auch Rangzeichen gewesen sein dürften, ließen wir sie hier unbeachtet. Die Vergleiche ließen 15 von einander absonderbare Einheiten erkennen: (ihre relative Chronologie und ihre arteigenen Merkmale zeigen wir tabellarisch zusam­mengefaßt). Wir kontrollierten die Richtigkeit unserer Methode mittels einer Kartie­rung der „frühen" und der „späten" Funde, aber auch jener Gräber, in denen dem Anschein nach Persönlichkeiten der Führerschicht ruhten. In Kenntnis der relativen Chronologie der einzelnen Gruppen, ließ sich das Schema der Verwendung des Gräberfeldes folgendermaßen rekonstruieren: für die Volksgruppe, die das Gräberfeld anlegte, sind die Gürtelbeschläge aus Blech und die Funde vom „frühen" Charakter bezeichnend, in einer Anordnung, wie wir sie auch bei der zweiten Alattyán-Tulát-Gruppe vorfanden. Später schloß sich ihnen die Gruppe mit den greifenverzierten Gürtelbeschlägen an. Um diese Zeit wurde das für das Gräberfeld bestimmte Gelände in einer viel strafferen Ordnung erneut aufgeteilt. Im Laufe der Verschmelzung der beiden ersten Gruppen wurden neue „Parzellen" eröff­net, es kam zu einer Auflockerung der bisherigen strengen Ordnung. Durch das Hin­zukommen der Gruppe mit dem Rankenmotiv auf den Gürtelbeschlägen (die ihre Toten in gesonderten Gruppen beerdigten) wurde der Zerfall noch beschleunigt. Wei­tere, sich auf die soziale Schichtung beziehenden Folgerungen erfordern eine ein­gehendere Analyse. Péter Tomka 96

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