Arrabona - Múzeumi közlemények 7. (Győr, 1965)

Sáry I.: Die Lage der Volksschulen im Komitat Győr im Spiegel der Administration (1869–1873)

Komitat beantragte eine Modifikation des Volksschulgesetzes. Es vertrat die Ansicht, daß ein Schulinspektor die Inspizierung der fast vierhundert Volksschulen des Schul­distriktes allein nicht bewältigen könne, während der Schulrat in Ermangelung von Gemeindeschulen nichts zu tun habe. Deshalb bat das Komitat um eine Ergänzung des Gesetzes, daß sich die Kompetenz des Schulrates nicht nur auf die Gemeinde­schulen, sondern auch auf die Konfessions- und Privatschulen erstrecken solle. Auf ein mehrfaches Drängen des Komitatsausschusses wurde am 14. Juli 1871 zum ersten Mal seit der Bestehung des Schulrates, eine Sitzung einberufen. Die Teilnehmer der Beratung forderten strenge Maßnahmen gegen alle, die den Unter­richt versäumen; die Schulpflichtigkeit der Lehrlinge; und baten — sich dem An­suchen des Komitatsausschusses anschließend — um die Ernennung eines Vizeschul­inspektors. Außerdem traten die Versammelten dafür ein, das Amt des Dorfnotars von dem des Volksschullehrers zu trennen. Der Schulinspektor wurde beauftragt, die nötigen Vorkehrungen zu treffen und den Vollzug des Beschlusses anzustreben. Nach den Wahlen im Jahre 1871 hatten auch im Komitatsausschuß regierungs­freundliche Männer die Opposition abgelöst, was sich auch in der Stellungnahme der Komitatsverwaltung hinsichtlich der Volksschulreformen offenbarte. Der neue Komitatsausschuß sprach sich für die Aufrechterhaltung der konfessionellen Schulen aus und beantragte, daß die Konfessionen, die nicht imstande waren die Schule aus eigenen Kräften zu unterhalten, eine Bittschrift um Staatsunterstützung an das Ministerium eingeben sollen. Inzwischen hatten die Ansuchen des oppositionellen Komitatsausschusses den ersten Erfolg zu verzeichen. Am 8. Dezember 1871 wurde Endre Vargyas zum Vizeinspektor ernannt, der alsbald die Sache des Volksschulwesens erfolgreich förderte. Nach der Inkraftsetzung des Volksschulgesetzes wurden in einigen Gemeinden des Komitats Győr Versuche unternommen, die konfessionellen Schulen in gemein­schaftliche Gemeindeschulen umzuwandeln. Besonders die kleinen, unter ungünstigen materiellen Verhältnissen lebenden Konfessionen mit geringer Seelenzahl waren bemüht, dieser wirtschaftlichen Belastung loszuwerden, d. h. sie auf die ganze Ge­meinde zu übertragen. Doch blieben diese Versuche in der behandelten Zeit er­folglos. Die meisten Volksschulen des Komitats Győr waren nämlich Stiftsschulen, an deren innerer Gliederung nicht gerührt werden durfte. Die Gemeinden konnten aus eigenen Kräften keine Schulen errichten, Stifter und Konfessionen aber waren darauf bedacht, daß das konfessionelle Gepräge der Schulen auch weiterhin be­stehen bleibe. So gab es bis zum Jahr 1873 nur eine einzige Schule im Komitat, deren Übergabe an die Gemeinschaft den gesetzlichen Anforderungen gemäß im Gange war. Im Jahre 1869 besaß eine jede Gemeinde des Komitats Győr eine Volksschule. Doch befanden sie sich in einem derart vernachlässigten Zustand, daß sie nicht einmal den elementarsten Anforderungen des Schulunterrichts entsprachen. Also war die Instandsetzung der bestehenden und die Errichtung neuer Schulen un­umgänglich notwendig. Im Zeitraum 1869—1873 wurden im Komitat Győr 18 Schulen gebaut und zahlreiche alte Schulen umgebaut. 1873 besaß das Komitat 123 Volks­schulen und 166 Schulräume. Dank der energischen Maßnahmen nahm der Schulbesuch allmählich zu. Während 1869 nur 60,12 v. H. der Schulpflichtigen die Schulen besuchten, war diese Zahl bis 1873 auf 81,32 v. H. gestiegen. Doch widerspiegeln diese Zahlen nicht die Unter­richtszeit, die auch späterhin noch schwankte. In mehreren Gemeinden des Komitats lebten die Volksschullehrer unter den denkbar ungüstigsten Verhältnissen. Mitunter ereignete es sich, daß die Konfessionen ihnen das Gehalt mehrere Jahre schuldig waren. Eine Folge davon war, daß es Gemeinden gab, die für das gebotene geringe Gehalt keine Lehrkräfte bekamen. Eine grundlegende Veränderung hatte sich auf diesem Gebiet auch während der fünf Jahre nach dem Erlaß des Gesetzes nicht ereignet. Als 1872 ein Nachtragskurs für Volksschullehrer veranstaltet wurde, warf E. Vargyas den Gedanken auf, einen Volksschullehrerverein zu gründen, dessen Or­ganisationsarbeiten gleich begonnen wurden. 1873 hatte das Komitat Győr 174 Volksschullehrer, von denen 148 qualifiziert, 26 unqualifiziert waren. I. Sáry 33* 515

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