Arrabona - Múzeumi közlemények 3. (Győr, 1961)

K. Kozák: Beiträge zu der mittelalterlichen Geschichte der Bischofsburg von Győr

Nach einem Vergleich unserer Beobachtungen und der Vermessungsergebnisse mit früheren Angaben, verstärke sich in uns die Richtigkeit unserer Vorstellung, von Bestehen eines Wohnturmes. Die nun folgenden Angaben sollen dies erweisen. Die einst „Fluchtgang" benannte Stiege führt — sich in der Mitte zu einem klei­nen Saal mit einem frühgotischen Kreuzgewölbe erweiternd — durch eine Mauer aus sorgfältig behauenen Quadersteinen aus Basalttuff. Die Rippen, — mit birnen­förmigen Durchschnitten — gehen auf der nördlichen Seite, von etwas einfachen, auf der Südseite von wahrhaftig prächtigen, mit Blattschmuck versehenen Konsolen aus. Der Aufgang mit der gestuften Wölbung, auch der eben besprochene, hohe Ansprüche befriedigende kleine Saal mit dem kunstvollen Kreuzgewölbe, die beim unteren Teil der Stiegen ausgestaltete Kreuzwölbung bezeugen voraussetzungslos, dass dieser Gebäudeteil einem bedeutenden Bauwerk angehört hatte, das, verglichen mit anderen, aus dem 13. Jh. stammenden Bauwerken Ungarns, vermutlich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstand (Ják, Lebeny, Esztergom, Pannonhalma, Dömölk). Sowohl aus der Übereinstimmung in Form und Konstruktion, als auch auf Grund des angewendeten Baumaterials scheint die Annahme, dass es sich auch hier um das Bauwerk einer in Transdanubien tätigen ungarischen Werkstatt handelte, begründet. Am Ende der Stiege, unterhalb des kleinen Kreuzgewölbes, befindet sich in der nur 30 cm dicken Nordwand eine 1,25 m hohe und 60 cm breite kleine Tür. In 1 m Höhe oberhalb derselben ist noch ein Teil eines profilierten Gesimses sichtbar, ein Hinweis, dass dies einst bereits die äussere Mauerfläche war. Die schmale, kleine Tür, die enge Treppe, der kleine Saal mit dem prächtigen Kreuzgewölbe, an dessen Ost- und Westseite noch die Spuren eines Mauerabsatzes vorhanden sind, lassen auf ein Gebäude schliessen, das trotz seiner kunstvollen Ausführung auch Verteidigungs­zwecken zu dienen hatte. Im 13. Jh. — die Bauzeit können wir auf Grund der Konstruktion und der Kunstformen als für sicher annehmen — nach der Verheerung Ungarns durch die Tataren (1241) — mochte es im Bereich einer Burg für kaum mehr, als nur für einen Wohnturm gereicht haben, der aber bis zu einem gewissen Grad auch der Bequemlichkeit und dem Kunstsinn seines Besitzers gerecht wurde, gleichzeitig aber auch — im Fall eines feindlichen Angriffes — die Sicherheit seiner Person und seiner Gefolgschaft zu gewährleisten hatte. Erbauer dieses Wohnturmes ist vermutlich Omode aus dem Geschlecht der Pok, in den Jahren 1254—1267 Bischof von Győr, der den Quellenwerken gemäss die während des Tatarenzuges beschädigte Kathedrale von Győr vergrössert wieder herstellen liess. Die Arbeit wurde 1256 beendet; damals erfolgte auch die Einweihung der Kirche der Abtei von Ják durch den Bischof. Auf diese Zeit oder um einige Jahre später kann auch der Bau des Wohnturmes gesetzt werden, der im Jahre 1271, fertig sein musste, da die Kämpfe und Belagerung der Burg bereits ihren Anfang nahmen, weil in den folgenden Jahren die sich wechselnden Besitzer der Burg kaum an Bauten von grösserem Ausmass denken konnten. Auch die Tatsache, dass die Burg um diese Zeit schon stark befestigt war, scheint ein Hinweis auf erbitterte Kämpfe zu sein. Auf die Grösse des Wohnturmes können wir aus der Länge der Treppe schlies­sen: die Treppe war 14 m lang. Der Niveauunterschied zwischen der ersten und der letzten Stufe beträgt 5 m. Die Dicke der Mauer kann auf Grund der Untersuchung jener Räumlichkeiten, die sich der Südmauer anschliessen, auf 3 m gesetzt werden. Die äusseren Masse, die sich aus den angestellten Vergleichen ergeben, betrugen 20X14 m. Dies war bei den damals in Ungarn herrschenden Verhältnissen eine beträchtliche Grösse. In seinen Massen gleicht dieser Wohnturm vollkommen dem archäologisch freigelegten Wohnturm des Bischofs von Venter (14,5X20,5 m). Diese Angaben sind vom Standpunkt der weiteren Forschung ausschlaggebend. Im Verlauf des 15. Jahrhunderts, da die Burg eine Erweiterung erfuhr und die Feuerwaffen aufkamen, büsste der Wohnturm seine strategische Bedeutung ein. Doch entsprach er scheinbar auch den Bischöfen nicht mehr als Wohnsitz, weil inzwischen das für Wohnzwecke viel geeignetere Bischofspalais fertiggestellt war. K. Kozák 56

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