Alba Regia. Annales Musei Stephani Regis. – Alba Regia. A Szent István Király Múzeum Évkönyve. 34. 2004 – Szent István Király Múzeum közleményei: C sorozat (2005)
Tanulmányok – Abhandlungen - Fitz, Jenő: Gorsium–Herculia. Teil I: Forschungen 2. XXXIV. p. 45–80. T. I–XVIII.
Fast man die gegenwärtig zur Deutung des heiligen Bezirks zur Verfügung stehenden Angaben zusammen, so kommt man zu folgendem Ergebnis: 1. Die Area sacra lag auf einem Gelände von vermutlich 9 Hektar, das heißt sie hatte die Maße einer Stadt (die mit einer Mauer umgebene Stadt Scarbantia war von ähnlicher Größe). Spuren eines so großen heiligen Bezirks sind im Raum Aquincum nirgendwo zum Vorschein gekommen, es gibt aber auch keinen Grund, anderswo in Pannónia Inferior Ähnliches anzunehmen. 92 2. Der größte Teil des heiligen Bezirks wurde unmittelbar nach der Gründung der Provinz Niederpannonien auf dem Gelände des eingestellten Militärlagers, also auf staatlichem Gebiet, errichtet. Dadurch wird es eindeutig, dass es sich hier um ein staatliches Bauvorhaben handelt. Die Analogien der Zierbrunnen in Kleinasien, die Hallen vom Typ Heraion in Pergamon (Gebäude VII und IX) sowie der große Tempel (Gebäude LXX) machen - ähnlich dem Bau des Statthalterpalastes in Aquincum - die Mitwirkung Hadrians, des ersten Statthalters der Provinz, bei der Gestaltung des heiligen Bezirks eindeutig. 93 Das sich kreuzende Straßennetz des Militärlagers konnte in der Periode der Area sacra nicht beibehalten werden. Ebenfalls auf eine staatliche Entscheidung ist es zurückzuführen, dass der Straßenkreuzungspunkt nach außerhalb des heiligen Bezirks verlegt wurde. 3. Auf dem Gelände des heiligen Bezirks sind auch bisher schon Gebäude zum Vorschein gekommen, die für größere Feierlichkeiten errichtet worden waren, ein Gästehaus (Gebäude XIV), ein gemeinsamer Speisesaal (Gebäude XL), das Amphitheater (Gebäude VI). Einer der nicht wegzudenkenden - Schauplätze der Provinzversammlung war das Amphitheater, was an sich schon ein entscheidender Beweis für den Charakter des heiligen Bezirks ist. 4. Der provinzielle Kaiserkult bot die Möglichkeit, in den Provinzen zentrale Feierlichkeiten zu veranstalten. Es ist kein Zufall, dass die zum 900. und 1000. Jahrestag des [Imperat\ores d[omini nn(ostri) L(ucius) Septim\ius Sjeverus et M(arcus) [Aurelius Antoninus \ Aug]usti templu(m) d[ivi Augusti oder -ivorum Augustorum \ vetust]ate conlaps[um inpensis suis refe\cerun]t cur[ante L(ucii) Baebii CaeCILiani \ legati Augg(ustorum) pr(o) pr(aetore) ]. Der Altar unter CIL III, 3243, den sämtliche Priester der Provinz Iuppiter Optimus Maximus Dolichenus zur Begrüßung von zwei Kaiser aufgestellt hatten, bezieht sich ebenfalls auf Septimius Severus und Caracalla. Denn bevor der Dolichenus-Kult unter Maximinus Thrax eingestellt wurde, können zu diesem Zeitpunkt nur diese beiden Kaiser in Frage kommen. In Pannónia Superior, wo sich der heilige Bezirk zur Gänze noch in der Erde befindet, bestimmte E. Tóth die Ausdehnung der Area sacra Savarias aufgrund von Oberflächenerscheinungen zwischen dem Theater und dem Bach Perint auf einem Gelände von 500 x 300 Quadratmeter (Tóth, E. 2001, 5). In Gorsium wurde bisher bei der Festlegung der Maße der Area sacra das Amphitheater, das fast 100 Meter von der gegenwärtigen nördlichen Grenze des heiligen Bezirks entfernt ist, nicht berücksichtigt. Die Säulen des Tempels sind aus dem gleichen grauen Granit wie die des unter Hadrian gebauten Roma-Venus-Tempels im Forum Romanum. Bestehens Roms angefertigten Bildhauerarbeiten genauso wie die an die Ludi-saeculares-Feierlichkeiten anknüpfenden Reliefe aus der Zeit des Septimius Severus, die in großen Hallen angebracht waren, nur aus Gorsium bekannt geworden sind und hier aufgestellt sein konnten. Die Maße des Amphitheaters übersteigen die des Aquincumer Amphitheaters, offensichtlich befand sich hier des Zentrum der in den Provinzen veranstalteten Spiele. 5. Die Wiederherstellung des Tempels der Kaiser kann nicht getrennt von der Größe und Bedeutung der Area sacra betrachtet werden. Mit dem heiligen Bezirk des Kaiserkultes können auch einige weitere Tempel, deren Standort allerdings nicht bekannt ist, in Zusammenhang gebracht werden. Zu diesen gehört der Tempel des Mark Aureis, den eine von zwei Priestern aufgestellte Altarinschrift aus dem Jahre 210 erwähnt (CIL III, 3345). Sie deutet auf den offiziellen Kult der Priester, von denen einer Tribun der cohors III Batavorum war. An den heiligen Bezirk ist wahrscheinlich auch die Verehrung des Iuppiter Optimus Maximus Dolichenus geknüpft: Aus Anlaß des Kaiserbesuches kamen sämtliche Priester der Provinz zur Begrüßung des Herrschers zusammen (CIL III, 3343). Der Tempelbau von Anhängern eines anderen östlichen Kults ist ebenfalls an den Kaiserbesuch geknüpft: Es handelt sich hierbei um den vom Statthalter bewilligten und auf Kosten der Soldaten aus Intercisa für Iuppiter Optimus Maximus Elagabalus errichteten Tempel (Fitz, AlbaR 12 (1971) 256-258, Nr. 13; - AÉ 1973, 437bis). Man kann ebenfalls die Möglichkeit nicht ausschließen, daß auch ein Heiligtum des Iuppiter Optimus Maximus Teutanus im heiligen Bezirk existierte. Der offizielle Altar (CIL III, 3347), den die Duumviren Aquincums am 11. Juni 178 zum Heile Mark Aureis und des Commodus aufgestellt hatten - pro salute templensium, zum Heile der zum heiligen Bezirk Gehörenden aufgestellt - galt aufgrund des Datums zweifellos den Hauptgöttern der Eravisker. Einer der Iuppiter-Köpfe aus dem Inventar von Intercisa (Erdélyi - Fülep 1954, 274, Nr. 384) weist nahe Verwandtschaft mit dem des am 11. Juni in Carnuntum verehrten Iuppiter Optimus Maximus K(— ) auf (Jobst 1976, 45, Abb. 8). Aufgrund des Altars und des aus Gorsium verschleppten TeutanusKopfes kann man mit einem Heiligtum rechnen, in dem vielleicht das einzige Relief keltischen Ursprungs gestanden haben kann (F. Petres 1975, 356). Die topographischen und ersten Grabungsergebnisse, die wahrscheinliche Identifizierung der Siedlung Tác/Föveny mit Gorsium/Herculia und dem Sitz der Provinzversammlung bildeten die Grundlage für die 1958 einsetzenden kontinuierlichen Freilegungen, in der ursprünglichen Absicht - die eine Ausnahme darstellende Möglichkeit zu nutzen, das Ruinengelände liegt in seiner gesamten Ausdehnung außerhalb des bewohnten Gebietes 72