Alba Regia. Annales Musei Stephani Regis. – Alba Regia. Az István Király Múzeum Évkönyve. 25. – Szent István Király Múzeum közleményei: C sorozat (1995)

Rei Cretariae Romanae Fautorum Acta XXXIV - Kolník, T.: Zur Verbreitung und Beliebtheit der Reibischalen und deren Nachamungen bei den swebischen Germanen (Quaden). p. 249–252. t. XIX.

häufige Vorkommen der Funde von Reibschalen mit charakteristischen Benützungsspuren nicht nur in Siedlungen, sondern auch ihr Vorkommen im Zusammenhang mit Funden aus Gräberfeldern. Während im provinzial-römischen Milieu die Reibschale als praktisches Küchengeschirr unter normalen Umständen nicht in Gräbern vorkommt, (Barkóczi-Bónis 1954, 160), taucht in germanischen Gräbern die Reibschale auf ­wahrscheinlich in Anbetracht einer gewissen Exklusivität im gegebenen Milieu. Sicherlich war sie auch das Attribut einer gewissen Sonder- oder sozial gehobenen Stellung des Bestatteten (Bona 1961, 196, 197). Ebenso zu beurteilen ist das Vorkommen der mortaria und weiterer provinzialer Keramikimporte im Fürstengrab von Haßleben in Thüringen (SCHULZ 1933, Taf. XVI: 4). Ähnlich deutet auch Bona (1961, 193, 209, Abb. 1: 4a, 4b) das Auftreten der hellgrünglasierten Reibschale im Inventar des Reitergrabes eines vornehmen gepidischen Kriegers in Újhartyán, das zeitlich etwa durch die Ereignisse um die Wende des ersten zum zweiten Drittel des 4. Jh. bestimmt ist. Die Reparatur der Reibschale aus Abraham (das eingeschlagene Loch in ihrem Boden wurde mit einer Bleiplombe ausgebessert und die Schale war weiterhin benutzbar - Taf. XVIII, 1, la), die in einem Körbergrab aus der beginnenden Völkerwanderungszeit entdeckt wurde (Kölnik 1973, 372, Abb. 29: 4a-c), zeugt vielleicht auch von einem höheren oder außergewöhnlichen Wert im barbarischen Milieu. Es ist überhaupt das besterhaltene Exemplar einer Reibschale aus dem Gebiet der Slowakei. Als bedeutendster Beleg der breiten Verwendung der Reibschalen bei den Germanen im Vorfeld des nord­pannonischen Limes kann vielleicht die Feststellung ihrer Nachahmungen durch heimische Töpfer im barbarischen Milieu betrachtet werden. Bisher konnten drei Exemplare von Nachahmungen der Reibschalen aus drei Fundstellen vermerkt werden - alle stammen aus dem gleichen Gebiet, aus der Mikroregion des mittleren Nitratales (Branő, Nitra, Boâany). Am besten erhalten ist das Fragment der Reibschale aus Bosany (KRUPICA 1973, Taf. XXV, 13). Die Reibschale ist auf der Scheibe hergestellt, ohne Glasur, von grauschwarzer Farbe (Taf. XVIII, 2). Die weiteren zwei Exemplare stammen von handgefertigten Gefäßen. Es sind unglasierte Exemplare, die formenkundlich zweifellos durch die pannonischen Reibschalen inspiriert sind. Ich nehme an, daß künftige Ausgrabungen weitere Funde solcher Nachahmungen ergeben werden. Fraglich bleibt eine Erklärung für das Phänomen der Entstehung der Nachahmungen von Reibschalen. Gründe können in zwei Ebenen gesucht werden: entweder in einer rein formenkundlichen Inspiration ihrer Hersteller (mehr oder weniger einer individuell zufälligen) oder in einer bewußten, funktionell bedingten Nachahmung provin­zialer Vorlagen durch quadische Töpfer. Ich neige zur zweiten Alternative. Die Stütze für eine solche Hypothese finde ich teils in dem starken Import von Reibschalen in das Verbreitungsgebiet ihrer Nachahmungen, und teils in der Tatsache, daß es auch in einem anderen Gebiet hinter den Grenzen des römischen Imperiums zu reichlicherer Herstellung von Reibschalen kam. Gemeint ist die Keramikwerkstätte in Haarhausen in Thüringen, wo die Reibschalen zu stark vertretenen Formen gehören (Dusek 1984, 9; siehe auch DUSEK 1992, Teil A, S. 136). Zwei Umstände waren in beiden, von einander ziemlich entfernten germanischen Gebieten wahrscheinlich gleich: 1. die verbreitete Kenntnis und die Notwendigkeit der Verwendung von Reibschalen; 2. die relative Nähe zu den Produktionszentren in den Provinzen. Sclußfolgerung: Das breite Vorkommen von Reibschalen im germanischen Vorfeld des nordpannonischen Limes und die Entstehung ihrer Nachahmungen kann als Beweis der Kenntnis der speziellen Funktion dieser Keramikgattung bei der germanischen Bevölkerung des gegebenen Gebietes betrachtet werden. Zugleich ist wohl in diesem Phänomen auch ein weiteres Argument zur Stütze der These zu erblicken, daß bei den donauländischen Sweben in der jüngeren Kaiserzeit gute Voraussetzungen für eine allmähliche Romanisierung und für die Entstehung von Föderatenbeziehungen zu Rom entstanden (Baatz 1977; Kölnik 1987; Bouzek - Ondfejová 1990). 250

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