Alba Regia. Annales Musei Stephani Regis. – Alba Regia. Az István Király Múzeum Évkönyve. 24. 1986-1988 – Szent István Király Múzeum közleményei: C sorozat (1990)

Irodalom – Besprechungen - Bóna István: Die transalpinen Verbindungen der Bayern, Alemannen und Franken bis zum 120. Jahrhundert. p. 153–154.

Leser nolens-volens der Eindruck entstehen, daß in diesen Län­dern die Funde lediglich ausgegraben und abgebildet werden, während sonst alles Wissenswerte nach wie vor von deutschen Professoren festgestellt wird. Es stehe mir fern, dies gerade MM vorwerfen zu wollen. Ganz im Gegenteil: Sein Aufsatz wurde gegen das halbe Jahrhundert der in Sachen Chronologie und Interpretierung herrschenden Diktatur seines ehemaligen Pro­fessors geschrieben, der archäologische Teil fast zur Gänze. Doch gerade weil er sich fast stets mit ihm auseinandersetzt, ist es ihm wohl oder übel „gelungen", die vorangehend geschilderte optische Täuschung herbeizuführen. Dazu nur einige Beispiele : Kann irgendwer in allem Ernst glauben, das Professor H. Final y in der allerersten Publikation des I. Königsgrabes von Apahida den Zusammenhang niit dem Childerich-Grab nicht eingehend analysiert hätte (AÉrt 1889, deutsch: Ungari­sche Revue 1890)?! Neben der damaligen Alleinherrschaft der „Gothen"-Interpretation regte J. Hampel bereits 1897 als alternative Bestimmung die „christlichen Gépiden" an, und bei N. Fettich wird Apahida bereits ein „Gepidenfürst" ange­führt. Warum sollten gerade wir all dies erst von der deutschen Fachliteratur der 1970er Jahre „übernehmen"? Wäre es wirklich denkbar, daß J. Hampel in seiner großangelegten Analyse des Grabfundes von Gáva alle, damals nur möglichen Vergleiche nicht vorgenommen hat (AÉrt 1911)? Er hat dies sehr wohl getan und als Erster erklärt, daß es sich um einen Grabfund der Gépiden aus der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts handelt. Nur weil das niemand gelesen haben will, bleibt die Priorität immer noch eine Priorität. In,der ersten Publikation von M. Roska des Grabfundes aus Érmihályfalva (Valea lui Mihäi, weit außerhalb von „Sie­benbürgen") ist die Datierung noch immer besser, als die von jenen, mit denen sich MM im vorliegenden Aufsatz auseinander­setzt, - nicht zu sprechen von der exakten (und deutschsprachi­gen) Datierung von A . Alföldi (1932). Warum meint MM, daß ich, als ich 1959 eigenhändig das Fibelpaar des Grabes 18 von Hegykő freilegte, nicht erkannte, was ich fand? Unverzüglich unterzog ich die Frage des „Cividale Typ" einer Revision, und zwar recht ausführlich, mit Hilfe der damals zugänglichen kompletten Fachliteratur (Soproni Szemle - Ödenburger Rundschau 1960,233-242). Wäre es denkbar, daß ich diese Möglichkeit nicht genutzt hätte? Selbstverständlich habe ich die Frage auch auf dem Kongreß 1962 in Rom erörtert, wo ich die bis Sommer 1962 zum Vorschein gebrachten panno­nischen langobardischen Fibeln - ebenfalls selbstverständlich ­mit ihren Analogien aus Italien verglichen habe (Atti del VI. Congresso Internazionale delle Scienze Preistoriche e Protosto­riche- Sezioni V-VIII, Roma 1966,153-156). Auf wen hätte ich denn warten sollen? Dennoch steht bei MM zu lesen, daß je­mand ganz anderer den Zusammenhang Hegykö-Cividale und die anderen Zusammenhänge entdeckt haben soll (S. 281)... Geradezu verblüfft war ich zu erfahren, daß ich vom tau­schierten Gürtelschmuck aus Szentendre - ebenfalls von mir im Jahre 1961 ausgegraben und später publiziert - solange nicht wissen konnte, daß er von der Zeit vor 568 datierbar ist, bis ein deutscher Professor dies aufgrund seiner Budapester Untersu­chungen im Jahre 1981 nicht festgestellt hat (Anm. 946). Auch Einwendungen anderen Typs sind hier angebracht. Während MM die deutsche Fachliteratur vorzüglich kennt und gebraucht, scheint er die als grundlegend geltenden ausländi­schen Analysen zu vergessen, so etwa die Arbeit von A. Al­földi in bezug auf die Herkunft der Helme vom Balden­heim-Typ (Eine spätrömische Helmform und ihr Schicksal im germanisch-romanischen Mittelalter. Acta Archaeologica/ Koppenhagen 5, 1934, 99-144) oder die großangelegte Zusam­menfassung von Z. Vinski (Situla 2, 1957, 3-54). Mir unverständlich ist Szilágysomlyó aus dem vom Verfasser wiederholt erwähnten Horizont „Phase Apahida-Szilágysom­lyó-Blucina". Wie kommt es hierher? Und wie kommt es über­haupt nach Siebenbürgen? Trotz besten Willens verwechselt nämlich der Verfasser mehrmals den Begriff des geographisch­historischen Siebenbürgens mit dem des heutigen Transilvaniens - Érmihályfalva, Nagyvárad und Perjámos befinden sich im letzteren, allerdings am Ostrand der Großen Ungarischen Tiefe­bene oder gar im Banat. Zu den späteren Perioden nur soviel, daß ich, im Unterschied zu den awarisch-bajuwarischen Beziehungen, die awarisch­alemannischen Kontakte keineswegs so optimistisch beurteilen würde wie der Verfasser. Das wäre für den Augenblick alles über das, übrigens an Problemen und Ergebnissen unerhört reiche und vielfältige Werk, dessen gründliche Erörterung - hoffentlich auch auf per­sönlicher Ebene - noch lange unsere Aufgabe sein wird. Die Arbeit „Alamannien und Italien vom 7. bis 10. Jahrhun­dert" von P . F r i e d ist eigentlich die historsche Fortsetzung von M. Menkes Darlegungen. Die Geschichte unseres Raumes ist damit durch die seltsame Formulierung der „Abwehr der Awaren" (?) verknüpft. R. Kottje befaßt sich in seinem Aufsatz mit den ge­schichtlichen und rechtlichen Aspekten der Lex Alamannorum („Zum Geltungsbereich der Lex Alamannorum"). Die höchst aufschlußreiche Abhandlung von W . Strö­mer, „Zur Frage der Funktionen des kirchlichen Fernbesit­zes im Gebiet der Ostalpen vom 8. bis zum 10. Jahrhundert" ist von erheblicher methodologischer Bedeutung. Ähnlich müßten einst auch die Eigentumsverhältnisse des Oriens untersucht wer­den. Schade, daß der Verfasser das Thema in östlicher Richtung nicht ausgedehnt hat. Die Ergebnisse des Kolloquiums faßte H . Wolfram mit seiner gewohnten Exaktheit zusammen. Er bedauert, ebenso wie wir, daß sich das Kolloquium mit Karantanien nicht beschäftigt hat, und nimmt es nun auf sich, gleichsam als Ergänzung die slawisch-awarischen Geschehnisse des 8.-9. Jh. kurz zusammen­zufassen. Der Gebrauch des Bandes wird durch einen Personen- und Ortsnamenregister erleichtert. Seine Vorteile lassen sich in eini­gen Sätzen nicht zusammenfassen, und so bleibt uns „nur" die Gewißheit, daß wir ihn zu Fragen frühmittelalterlicher Ge­schichte und Archäologie recht oft aufschlagen werden müssen. /. Bona 154

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