Alba Regia. Annales Musei Stephani Regis. – Alba Regia. Az István Király Múzeum Évkönyve. 24. 1986-1988 – Szent István Király Múzeum közleményei: C sorozat (1990)

Irodalom – Besprechungen - Lenerz, M.-De Wilde: Kovács T. – Petres É., F. – Szabó M. (Hersg.), Corpus of Celtic Finds in Hungary. I. Transdanubida 1. p. 151.

IRODALOM - BESPRECHUNGEN Alba Regia, XXIV, 1990 T. KovÁcs-É. F. PETRES-M. SZABÓ (Hrsg.), Corpus of Celtic Finds in Hungary. Vol. I. Transdanubia 1. Budapest, 1987, 248 S. Seit den Arbeiten von L. Márton und J. Hunyadi sind keine umfassenden Materialvorlagen keltischer Funde aus Ungarn mehr erschienen, während sich die Bestände in den Museen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges erheblich ver­mehrt haben. Um die Erforschung der keltischen Kultur Un­garns auf eine solide Basis zu stellen, war die Publikation dieser Materialien dringend geboten - ein Vorhaben, das von der ungarischen Akadmie der Wissenschaften gefördert wurde. Die Herausgeber beabsichtigten dabei nicht, eine komplette Zusammenstellung aller latènezeitlichen Fundplätze vorzulegen - eine in diesem Rahmen nicht zu leistende Aufgabe -, sondern vielmehr, möglichst alle erreichbaren unpublizierten oder unzu­reichend publizierten keltischen Funde vorzustellen. An allen Museen, in denen solche Stücke aufbewahrt sind, wurden die Verantwortlichen um Mitarbeit gebeten. Das vorliegende Corpus Transdanubia I umfaßt Materialien aus dem westlichen und nördlichen Teil Transdanubiens mit Ausnahme derjenigen aus Vas und Győr-Sopron, die wegen des Umfangs separat ediert werden. In den noch ausstehenden sechs Bänden sollen die Funde aus dem südlichen und östlichen Transdanubien, aus Nordungarn, der Großen Ungarischen Tiefebene, dem Donauknie vorgestellt werden, sowie schließlich die keltischen Funde des Ungarischen Nationalmuseums und diejenigen ungarischen Stücke, die sich in auswärtigen Sammlungen befinden A. Uzsoki publiziert 18 Körpergräber aus einem kleinen Friedhof bei Ménfőcsanak, die alle in die Periode LT В zu datieren sind. Es handelt sich bei den Toten offensichtlich um Angehörige der ersten keltischen Einwanderer, die im 4. Jahr­hundert die Kleine Ungarische Tiefebene erreichten. Zwei Be­stattungen fallen aus dem Rahmen des Normalen : Zum einen das Kriegergrab 4. Der hier bestattete Tote trug einen Halsring - in Männergräbern dieser Zeit sehr selten -, zudem aus Eisen und größer als alle bisher bekannten Ver­gleichsstücke. Die mit Koralle verzierte Fibel des gleichen Gra­bes besitzt Parallelen _ in der Schweiz, am Dürrnberg und in Böhmen. Sehr gute Übereinstimmungen in der Ornamentik finden sich auf Halsringen aus dem Marnegebiet (z. B. aus Prunay: DUVAL, 1978, 251, Abb. 281). Ungewöhnlich ist auch der Befund in Doppelgrab 10. Hier lag neben einer in gestreckter Rückenlage bestatteten Frau ein bei­gabenloses Skelett in Hockstellung. L. Pauli hat solche Sonder­bestattungen der Hallstatt- und Latènezeit untersucht und her­ausgestellt, daß es sich wohl um „Gefährliche Tote" handelt, Individuen, die bereits zu Lebezeiten eine Sonderstellung ein­nahmen, die zu früh verstorben sind (mors immatura) oder deren Todesumstände ungewöhnlich waren und vor deren Wie­derkehr sich die Hinterbliebenen schützen wollten (Pauli 1975). Möglicherweise haben auch bei der Bestattung der Toten aus Ménfőcsanak ähnliche Vorstellungen eine Rolle gespielt. An­thropologische Gutachten liegen jedoch lieder nicht vor. L. Horváth stellt im nächsten Abschnitt die Funde aus Region um Keszthely vor. Auch hier fallen einige Sonderbestattungen und Beigaben mit Amulettcharakter auf: Die Frau aus Grab 4 von Keszthely-Fenékpuszta war in Hockstellung bestattet worden, ihre Beine post mortem mehr­fach gebrochen. Das kind aus Grab 9 von Magyarszerdahely ­ebenfalls eine Hockbestattung - besaß als Beigaben eine blaue Glasperle, einen Spinnwirtel und einen Mahlstein. Im Frauen­grab Nr. 33 lag ein Anhänger in Form eines kleinen Männleins mit Vogelkopf, außerdem ein kleines Silberstück unbekannter Funktion. Leider fehlen auch hier anthropologische Untersu­chungen. Das in die Perioden LT B1-C2 datierende Gräberfeld Rezi­Rezicseri ist mit mehr als 60 Bestattungen das zweitgrößte Transdanubiens. Drei der ältesten Gräber waren bereits in vor­geschichtlicher Zeit beraubt worden. Dem etwa 10jährigen Mädchen in Grab 22 fehlten beide Füße. Die große Eisenfibel hat sicher nicht zur Kindertracht gehört, sondern ist ebenfalls als Amulettbeigabe zu werten. Aus Rezi-Rezicseri stammt auch eines der schönsten ungarischen Schwerter. Der Grabzusam­menhang ist leider nicht bekannt. Wie Horváth betont, zeigt die Ornamentik engste Übereinstimmungen mit einem Schwert aus Vert-la Gravelle. Von besonderem Interesse ist noch die „eiserne Standarte" aus Szigliget-Várhegy, deren Datierung in die Eisenzeit jedoch nicht zweifelsfrei gesichert ist. M. Kelemen macht die Funde aus dem Museum Bálint Balas­sa bekannt, die aus dem Distrikt Dorog im Osten der Region Komárom stammen. Es handelt sich dabei überwiegend um unsystematisch geborgene Stücke. Interessant sind der Fund eines spätkeltischen Töpferofens aus Esztergom und das Frag­ment eines schönen Armings, der, wie Kelemen betont, engste Übereinstimmungen mit einem Stück aus Wien zeigt. (Hier sind im,Text die Verweise auf die Tafeln 16 und 17 verwechselt.) É. Vadász publiziert schließlich die Funde aus einigen kleinen Gräberfeldern der Region Komárom. Auch hier war ein Teil bereits antik beraubt. Beachtung verdient ein außergewöhnlich reiches Frauengrab aus Szomód-Kenderhegy : Die Tote lag of­fenbar in einem Sarg; neben reichem Schmuck, darunter ein silberner Fingerring, gehörten zur Ausstattung ein ungewöhnli­cher Bronzearmring mit überlappenden Ende und plastischer Verzierung. Es ist der Zeichnung leider nicht sicher zu entneh­men, ob es sich um Maskenzier handelt. Wenn das zutrifft, würden sich ein weiteres Mal Verbindungen zum westkeltischen Raum ergeben - vgl. z. B. den Armring mit gegenständigen Masken aus Andernach, Kr. Mayen (MEGAW 1970, Nr. 51). Bereits dieser erste Band des geplanten Corpus keltischer Funde aus Ungarn bietet eine Fülle interessanter Materialien und erweitert unsere Kenntnisse beträchtlich. Herausgebern und Autoren ist sehr zu danken und es bleibt zu hoffen, daß auch die folgenden Bände bald erscheinen mögen. M. Lenerz-de Wilde BIBLIOGRAPHIE DUVAL 1978 MEGAW 1970 PAULI 1975 P. DUVAL, Die Kelten. Universum der Kunst. München. J. V. S. MEGAW, Art of the European Iron Age. Bath. L. PAULI, Keltischer Volksglaube. Amulette und Sonderbestattungen am Dürrnberg bei Hallein und im eisenzeitlichen Mitteleuropa. Münchner Beitr. z. Voru. Frühgeschichte, XXVIII. 151

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