Alba Regia. Annales Musei Stephani Regis. – Alba Regia. Az István Király Múzeum Évkönyve. 22. 1982-1983 – Szent István Király Múzeum közleményei: C sorozat (1985)

Tanulmányok – Abhandlungen - Barkóczy László: Römerzeitliche Steindenkmäler aus dem dritten Jahrhundert im Komitat Fejér. p. 97–107. I–XV.

durch die südlichen und südöstlichen Kontakte durchgesetzt. In der späten Severer-Zeit wurde allgemein das Rankenmotiv, welches dem Kantharos unterhalb des Inschriftenfeldes ent­springt, ohne Unterbrechung an beiden Seiten des Inschriften­feldes hinaufgeführt. Auch die Form des Kantharos, bereits in der späten Severus-Zeit mit einem Kragen um den Hals, ist später eine wiederkehrende Darstellung. Die Halbpalmet­ten, die im Akroterion des Grabmals von Septimius Constantinus in einem Kelch mit eingerolltem unteren Teil stehen, bekräftigen noch zusätzlich die südlich-südöstlichen Beziehungen der Bild­hauerei der späten Severus-Zeit. Die Darstellungen der Opferszenen — die zum Tisch hin­aufgreifende Männerfigur, die Pfannen und die großen Kannen — sind eher für den Kreis von Gorsium-Intercisa charakteristisch. An Hand des geschmückten Kleides am Grabmal des Septi­mius Constantinus sowie der anderen, bisher bekannten ein­schlägigen Darstellungen versuchten wir, eine chronologische Reihenfolge nachzuweisen. Es zeigte sich, daß die mit S-Motiven verzierten Kleider in der Zeit nach Severus Alexander erscheinen. Es ist jedoch noch nicht genau festzustellen, ob es sich um Traditionen der späten Severus-Zeit handelt, oder ob diese Verzierung einer Bildhauerwerkstatt zuzuschreiben ist, die hier erst später tätig war. Die charakteristische Frauenfrisur am Grabmal des Septimius Constantinus veranlaßt uns anzunehmen, daß der Kreis von Gorsium-Intercisa damals enge Beziehungen zu den Werkstätten von Pécs und Umgebung hatte. Auch das Grabmal der Apuleia Paula aus dem Komitat Zala weist darauf hin. Pécs mußte in der Tat während der Römerherrschaft in Pannonién eine Ver­mittlerrolle zwischen Ostpannonien und den balkanischen oder orientalischen Provinzen gespielt haben. Eine genauere Antwort auf diese Frage dürfte sich aus der Untersuchung der Steindenkmäler aus den Komitaten Baranya und Zala ergeben. Nach dem heutigen Stand unserer Kenntnisse könnten wir im 3. Jh. bis 250 bzw. 260 mit einer weitverbreiteten Herstellung von Grabsteinen rechnen, doch vermögen wir heute nur wenige Grabmäler in die Zeit nach Severus Alexander einordnen. Diese Periode von zweieinhalb Jahrzehnten nach 235 ist in der Tat recht kurz, doch müssen wir auch die beachtliche Zahl von verschiedenen Porträts in Betracht ziehen, die in dieser Zeit in der Provinz aufgestellt wurden. Auch mit dem traditionellen Darstellungen müssen wir rechnen. Eben deshalb ist eine gründliche Bestandaufnahme der Porträts geboten, wobei verschiedene Varianten der Form und der Darstellung des kurzen Haares und des Bartes zu untersuchen sind. Solche ein­gehende Analysen sind um so wichtiger, als wir daraus vielleicht erfahren könnten, in welchem Maß die Kontinuität der Stein­bearbeitung durch die Zerstörungen unter Gallienus in Gorsium und Umgebung beeinträchtigt wurde; auch könnten wir mög­licherweise erkennen, welche Steindenkmäler wir nicht richtig datieren. Es gibt zwar Spuren der Steinbearbeitung aus der Zeit nach 260, doch ist anzunehmen, daß es aus den späteren Jahrzehnten des 3. Jh. vermutlich mehr Grabmäler gibt als heute registriert sind. Die in Vereb oder Vértesacsa gefundenen Grabmäler stehen allein. Die in die Kunstruinen des Schlosses von Vereb einge­mauerten Stücke konnten aus jedem beliebigen Ort der Umge­gend hergebracht worden sein; dasselbe gilt auch für das Grab­mal aus Vértesacsa. Diese Denkmäler sind die Werke hoch­qualifizierter Bildhauer, die mit Gewißheit in einem bedeutenden Werkstattzentrum gearbeitet haben. Mit Hinblick auf die Um­stände, die örtlichen Verhältnisse und die topographischen Zusammenhänge konnte dieses Zentrum nur in Gorsium ge­wesen sein. Dies wird sowohl durch die hier nachgewiesenen Beziehungen zu Gorsium als auch durch die Köpfe aus Gorsium und Intercisa bestätigt. In diesem Zusammenhang sei wiederholt auf die enge Ver­bindung hingewiesen, die zwischen den Bildhauerarbeiten von Gorsium und Intercisa zweifelsohne bestand. Die richtige Deutung der Steindenkmäler von Intercisa ist nur gemeinsam mit dem Denkmalgut von Gorsium möglich. 106

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